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Gottlieben bleibt sich treu

Gottlieben – Soll sich die Gemeinde Gottlieben mit Tägerwilen zusammenschliessen? Dieser Frage ging eine Gottlieber Kommission nach und präsentierte ihre Ergebnisse an einer Informationsveranstaltung. Der Verlust grosser Teile der eigenen Identität stehen einer besseren Nutzung der Finanzen gegenüber.

Die Gottlieber Gemeindepräsidentin Lisa Raduner erläuterte die Vor- und Nachteile eines Zusammenschlusses mit Tägerwilen. {Bild: Petra Gruber}

Diese Informationsveranstaltung wurde mit grossem Interesse quittiert, alleine um die 50 Interessenten der 350-Seelengemeinde fanden sich im Gemeindehaus in Gottlieben ein. An der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember 2017 wurde ein Antrag mit 32 Ja-Stimmen gutgeheissen, dass der Gemeinderat innert zwölf Monaten eine Kommission für einen Zusammenschluss mit Tägerwilen gründet und das Ergebnis der Bevölkerung vorträgt.
Nun wurde das Ergebnis an der Informationsveranstaltung präsentiert, an der Gemeindeversammlung vom 4. Dezember 2018 wird dieses Thema nochmals traktandiert und an der Rechnungsgemeinde im Frühling zur Abstimmung kommen. Zur Erstellung dieses Berichtes wurden verschiedene Erfahrungswerte der FH St. Gallen, dem Verband Thurgauer Gemeinden und vom Departement für Inneres und Volkswirtschaft Thurgau beigezogen.

Finanzen sind im grünen Bereich
Im Vergleich der Finanz- und Steuerdaten im Kanton Thurgau liegt Gottlieben im Mittelfeld. Die Verwaltungskosten liegen bei 500 Franken pro Einwohner und Jahr. Ebenso ist der Steuerfuss und die Steuerkraft seit Jahren tief, gut und gleichbleibend. Einzig die hohen, temporären Sozialhilfekosten und die Zahlung in den neuen Finanzausgleich von über 80’000 Franken im Jahr sind ein Wertmutstropfen.

Geschichtlicher Hintergrund
«Gottlieben ist ein historisch wichtiges Dorf mit einem grossen geschichtlichen Hintergrund. Der Wille zur Selbstständigkeit ist gross, die Marke Gottlieben mit der Hotellerie, Gastronomie und den Spezialitäten eine eigene Marke», ist sich der Gemeinderat einig.
Bei einem Zusammenschluss sei die Selbstbestimmung nie mehr so hoch wie jetzt. Wie der Denkmal- und der Ortsbildschutz gepflegt werde, sei ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor. Das ginge weiter bis zum Wappenverlust, die Auflösung der Bürgergemeinde und eventuellen Verlust der eigenen Verwaltung oder unklaren Situationen der Gemeinderäte.
Es wurden auch Vorteile aufgezählt, wie die grössere Verwaltung, der Zusammenzug und die Optimierung des Fachwissens und dass die Ressourcen besser genützt werden könnten.

Weitere Optionen vorhanden
Es gäbe jedoch auch die Möglichkeit einer Fusion der Politischen Gemeinde mit der Bürgergemeinde oder der Integration des EW Gottlieben mit Tägerwilen. Auch im sozialen Bereich könnte man sich einem Kompetenz-Zentrum anschliessen. «Bevor jedoch weitere Schritte für eine Fusion in die Wege geleitet würden, muss abgeklärt werden, wie die Bevölkerung dazu steht.» Der Gemeinderat gab vorgängig die Empfehlung gegen einen Zusammenschluss ab. Die verschiedenen Fragen und Voten an diesem Abend schlossen sich dieser Empfehlung an. Dennoch: Das letzte Wort hat das Volk an der Abstimmung im Frühling 2019. Dann sieht man, welchen Weg Gottlieben einschlägt.

Diskussion um neue Kandelaber
Der Gemeinderat stellte zusammen mit einem Spezialisten der Firma Kierzek aus Kreuzlingen ein grosses und teures Projekt vor. Es ging dabei um die Sanierung der Kirchstrasse inklusive der Werkleitungen und einem neuen Strassenbelag. Im Zuge des Grossprojektes von über 648000 Franken mit Beginn September 2019 und Fertigstellung Ende 2020 sollen ebenfalls die Kandelaber komplett erneuert und auf LED umgerüstet werden. «Wieso gleich ersetzen und nicht umrüsten?», fragte ein Bürger.

«Leider sind viele Kandelaber durch das Hochwasser in einem schlechten Zustand», erklärte Gemeinderat Andreas Lampel. «Früher wurden die alten Strassenleuchten sogar an Telefonmasten befestigt.» Nun könnte man in einem Projekt gleich alle alten Baustellen lösen.
Weitere Investitionen bis 2025 im Betrag von einer Million sind ebenfalls geplant, zugleich sind Unterflurcontainer ein Thema. Ein grosser Unsicherheitsfaktor sind allfällige Hoch- oder Tiefwasser. Der Gemeinderat informierte, dass auch wenn die Werkinvestitionen über Gebühren finanziert werden, eine Erhöhung des Steuerfusses längerfristig unumgänglich sein wird.

geschrieben von Petra Gruber

 

 

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