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Debüt in der Kulturscheune

Kreuzlingen – Die neue «Girsberger Hofkapelle» hatte am Sonntag, 25.November, vor illustrem Publikum, ihren ersten Auftritt.

Die «Girsberger Hofkappelle» mit dem Gast-Akkordeonisten Sorinel Ghita in ihrer Mitte. (Bild: Inka Grabowsky)

«Wow», entfährt es Roy Freiherr von Koenig-Warthausen auf seinem Platz in der ersten Reihe. Der Urenkel des berühmten Graf Zeppelin war gemeinsam mit seiner Schwester Elinor Kaempfe extra aus Flensburg angereist, um das Debut-Konzert der Girsberger Hofkappelle mitzuerleben. Und nun versetzte ihn der Akkordeonist Sorinel Ghita in Begeisterung, der seinerseits speziell für seinen Gastauftritt aus Bukarest eingeflogen war. Das Gastgeberpaar Jolanda und Kurt Schmid-Andrist hat für einen Vormittag die Konzertscheune von Schloss Girsberg zu einem internationalen Treffpunkt gemacht, indem sie ihre Freunde und die Freunde ihrer Freunde einluden.

Zeppelins Nachfahren sind Ex-Kreuzlinger
Die beiden adeligen Ehrengäste aus Norddeutschland sind zu Besuch in ihrer alten Heimat. «Wir waren ab 1961 auf Schloss Girsberg zuhause», sagt der Baron. «Ich habe noch selbst Heu in diese Scheune eingefahren. Meine Mutter hatte sie neu aufbauen lassen, nachdem wir das Gut wiederbekommen hatten.» An Kronleuchter, wie sie heute über der Bühne hängen, sei damals noch nicht zu denken gewesen: «Das ist schon eine bemerkenswerte Fruchtfolge!» Da mit Heidi Baronin von Koenig-Warthausen, die in Konstanz Wallhausen lebt, auch das dritte Kind der ehemaligen Schlossbesitzerin Alexa Freifrau Koenig von und zu Warthausen-Sommershausen in die Konzertscheune gekommen war, gab es ein veritables Familientreffen. «Wir haben mit Alexa über 16 Jahre lang bis zu ihrem Tod 1997 in einer Art Wohngemeinschaft gelebt», erklärt Kurt Schmid-Andrist das gute Verhältnis zu den Kindern der Schlossvorbesitzerin. Die enge Verbindung zwischen den beiden Familien sorge dafür, dass sie den Girsberg immer noch als Heimat betrachteten, so Elinor Kaempfe. Ihr Bruder ergänzt: «Hierher zu kommen erfüllt mich nicht mit Wehmut, sondern mit grosser Dankbarkeit der Familie Schmid-Andrist gegenüber, deren Engagement für das Schloss Girsberg ich nur bewundern kann.»

Kapelle als Kulturförderung

(v.l) Kurt und Jolanda Schmid-Andrist, Elinor Kaempfe, Heidi und Roy von Koenig-Warthausen. (Bild: Inka Grabowsky)

Aktuell besteht das Engagement darin, den Förderverein «Schlosstheater Girsberg» mit einem eigenen Musikensemble zu bereichern. «Mein Freund Sorin Dumitru – Violinist, Dirigent und Lehrer an der Musikschule in Konstanz – hat sein eigenes Ensemble zusammengestellt, das einen Auftrittsort suchte», erzählt Kurt Schmid-Andrist: «Und wir unterstützen die jungen Leute gerne, indem wir ihnen eine Heimat und ein Publikum geben. Sie imponieren mir. Gleichzeitig finde ich es auch amüsant und schön, eine eigene Kapelle für den Girsberg zu haben.» In der Kulturscheune werden die sechs Musiker nun drei bis vier Mal im Jahr auftreten, das nächste Mal möglicherweise kommendes Frühjahr zu einem «Tanz in den Mai». Ansonsten ist die Girsberger Hofkapelle auch für andere Anlässe an anderen Orten buchbar. Ihrem Stil wollen sie dabei aber treu bleiben, so der Leiter Sorin Dumitru: «Wir wollen uns auf gehobene Unterhaltungsmusik und Tango spezialisieren, weil das beim Publikum gut ankommt.» Der begeisterte Applaus, den das Debüt-Programm am Sonntagvormittag in der ausverkauften Kulturscheune auslöste, bestätigt seine Einschätzung. Einen gewissen Anteil am Erfolg hatte allerdings auch die Mutter der erst zwölfjährigen Violinistin Mona Lisa Marschall: Alexandra Marschall half den Zuhörern mit Informationen und amüsanten Anekdoten, die Musikstücke in der Zeitgeschichte einzusortieren.

geschrieben von Inka Grabowsky

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