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Kirchgemeinde räumte auf

Kreuzlingen – In einer über dreistündigen Mammut-Sitzung mit rekordverdächtiger Beteiligung hat die Katholische Kirchgemeindeversammlung am Montag ihre Behörde neu bestellt. Vorangegangen waren hitzige Diskussionen, nachdem vier Sprengkandidaten in letzter Minute ihre Kandidatur bekanntgaben. Gewonnen hat der liberalere Flügel der Gemeinde.

Die neue Kirchenbehörde setzt sich zusammen aus (v.l.) Roman Surber, Kirchenpräsident Beat Krähenmann, Elmar Raschle (neu), Pater Jan Walentek, Alfredo Sanfilippo, Josef Rusch, Isabelle Mahler und Kirchenpfleger Simon Tobler. (Bild: sb)

Unschöne Szenen gab es an der zurückliegenden Kirchgemeindeversammlung. Mit Buh-Rufen etwa quittierten einige der 220 anwesenden Stimmberechtigten das Streitgespräch zwischen Sprengkandidat David Blatter und Kirchenpräsident Beat Krähenmann. Beide warfen sich Gesprächsverweigerung vor im Zusammenhang mit der Gründung des Vereins «Puls 2000″. Einladungen vom September seien unbeantwortet geblieben, kritisierte Krähenmann Blatter als Vereinspräsidenten. Stimmt nicht, konterte dieser. Die Behörde hingegen habe auf seine Vorschläge nicht reagiert. «Ich habe heute ein Mail geschrieben», so Blatter.

Umstrittener Verein
Der Verein «Puls 2000», gegründet von Anhängern des ehemaligen Pfarradministrators von St. Ulrich, war nur einer von zahlreichen Zankäpfeln des Abends und wurde gleich zu Beginn als «Affront gegen die Vorsteherschaft» bezeichnet. Denn die Kirchgemeinde hat mit «Fokus» ihre eigene Erwachsenenbildungsreihe ins Leben gerufen, um die Veranstaltungen von «Ring 2000» – so hiess die frühere Bildungsreihe der Katholiken – offiziell und unter der Leitung der neuen Pastoralassistentin Christine Rammensee fortzuführen.

Kirchenpräsident Beat Krähenmann und David Blatter haben verschiedene Ansichten. (Bild: sb)

Aufsehen erregten neben Blatters Bewerbung die Kandidaturen von Yvonne Steinbrüchel, der ehemaligen Sekretärin von St. Ulrich, die aus Protest gekündigt hatte, und von Jules Brenneis.

Heftige Kritik einstecken musste Behördenmitglied Martin Beck. Der ehemalige Pfarreiratspräsident von St. Ulrich und ebenfalls Vorstand im «Puls 2000» wurde beschuldigt, die Arbeit in der Vorsteherschaft zu sabotieren und das Klima zu vergiften.

Beck ist Gegenwind gewohnt. Bereits 2016 wurde er hart angegangen, als auf seine Einladung hin Fundamentalisten im Ulrichshaus sprechen durften. Die Kirchgemeinde musste sich nach grosser Kritik von den Auftritten offiziell distanzieren.

An der Kirchgemeindeversammlung musste er aber ernüchtert erkennen, wie sein Einfluss in der Gemeinde schwindet. Als Ersatz für ihn schickten die liberaleren Kreise Elmar Raschle ins Rennen, der schon früher in der Behörde tätig war. Nach der darauffolgenden Diskussion zog Beck seine Kandidatur zurück.

Pastoralraum unerwünscht
In seiner Vorstellungsrunde hatte Beck von «grosser Unzufriedenheit und Frustration» bei Kirchbürgern und Mitarbeitern gesprochen. Auch Brenneis erwähnte Gräben, die es zu überbrücken gelte. Steinbrüchel kritisierte die «verheerende Personalführung» in der Gemeinde. Blatter äusserte die Meinung, die Behörde ignoriere die Bedürfnisse der Kirchbürger. Er beobachte eine «Zwangsverheiratung» beider Pfarreien, dabei gelte es, deren Autonomie zu stärken.

Die Wahl fand als geheime Wahl statt. (Bild: sb)

Raschle hingegen gab als Ziel an, die Arbeit in der Kirchenvorsteherschaft verbessern zu wollen. Auch stimme es ihn nachdenklich, dass sich Personen, die sich einst nahe waren, aus ideologischen Gründen voneinander entfernt hätten.

Wortmeldungen von Kirchbürgern drückten vielfach den Wunsch aus, den lange währenden Kirchenstreit endlich zu den Akten zu legen. «Ruhe wäre dringend notwendig», sagte etwa Gerhart Lehmann.

Die Wahlergebnisse fielen am Ende sehr deutlich aus. Blatter, Brenneis und Steinbrüchel erhielten jeweils rund zwei Drittel weniger Stimmen als ihre Kontrahenten.

Die weiteren Traktanden gingen harmonisch über die Bühne. Das Budget 2019 rechnet mit einem Gewinn von 7115 Franken, bei einem Steuerfuss von 16 Prozent. Kirchenpfleger Simon Tobler stellte es ausführlich vor. Die Versammlung genehmigte es mit nur einer Gegenstimme. Ausserdem wurde zu Projekten in der Kirchgemeinde informiert.

Neuigkeiten gibt es bezüglich Umbau Priesterhaus Bernrain. Am Mittwoch, 12. Dezember, 20 Uhr, orientiert die Behörde im Stefanshaus über alle Details.

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5 thoughts on “Kirchgemeinde räumte auf

    1. Marc S.

      Geschätzter Herr Neidhart,
      ja leider ist es nur eine Frau. Die sogenannte ‚liberalen‘ Kreise wünschen keine starken Personen in Führungspositionen, die Probleme in die Hand nehmen und ihre ehrlichen Meinungen äussern. Dies hat die vergangene Wahl deutlich gezeigt. Lieber werden Ja-Sager in den Vorstand gewählt, die die persönlichen Interessen und Machtspielchen von Simon Tobler und Beat Krähenmann durch Nicken unterstützen…
      Das ist die Veränderung der Gesellschaft. Wie in unserem Bundesrat, werden die Spitzenpositionen nur noch zu Gunsten ihrer Chefs besetzt…

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    2. Besorgter Bürger

      Leider hat dies nichts mit aufräumen zu tun was passierte… Es ist verwunderlich, wie sich nicht für die Kirche und ihr Gemeinwohl einsetzende Personen in der Führungsspitze überhaupt noch selber im Spiegel betrachten können, ohne sich dabei zu schämen.
      Es ist kein Zufall, dass die Kirchbesuche in St.Stefan und St.Ulrich um jeweils ca.75% zurückgegangen sind seit der neuen Führung unter Beat Krähenmann und Simon Tobler. Die Anderen der KV hatten und werden nie was zu sagen haben.
      Leider stimmt auch nicht, dass Frau Steinbrüchel aus Protest gekündigt hat. Hätte Pater Jan am Montag die Grösse bewiesen dies zu bestätigen, gingen solche Fehlinformationen auch nicht weiter.
      Fragt euch alle, ob ihr dieser Kirchgemeinde weiter angehören wollt!! Diese Führung ist eine Schande für die moralischen und ethischen Werte unserer Glaubensgemeinschaft…

      Antworten

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