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Befreiung aus dem Karzer

Kreuzlingen – An der Pädagogischen Maturitätsschule hat ein Schüler für seine Matura-Arbeit seinen eigenen Escape-Room gestaltet.

Benjamin Sachweh hat die frühere Arrestzelle des Kreuzlinger Lehrerseminars in einen Escape-Room umgewandelt. (Bild: Inka Grabowsky)

Es gibt viele Motive für die Wahl des Gegenstands der Matura-Arbeit. Faszination für ein Thema ist sicherlich eines der besten. Schliesslich muss man sich ein Jahr lang damit auseinandersetzen. Und Benjamin Sachweh aus Sulgen ist fasziniert von Escape-Rooms. «Der erste dieser Räume wurde vor elf Jahren in Japan eröffnet», erzählt er. «Die Idee beruht auf einem Computerspiel aus dem Jahr 2004. Man musste in einem virtuellen Zimmer Werkzeuge finden, um die Ausgangstür zu öffnen.» Das Prinzip hat sich nicht verändert. Nur reicht es mittlerweile nicht mehr, nur Schubladen in der richtigen Reihenfolge zu öffnen. Dort findet man bestenfalls Rätselaufgaben, die einen Zahlencode ergeben. Mit diesem Code kann man das nächste Versteck öffnen, um dort wiederum eine Aufgabe zu finden.

Benjamin hat 2015 gemeinsam mit seinen Eltern in den Ferien in Prag den ersten Raum ausprobiert. «Wir haben damals nicht alle Rätsel in der vorgegebenen Stunde geschafft, aber ich wurde trotzdem vom Escape-Room Fieber erfasst. Deshalb wollte ich für meine Matura-Arbeit nicht nur über die Räume schreiben, sondern selbst einen gestalten.» Es sei leicht, von Escape-Rooms fasziniert zu sein, meint er. Man brauche logischen Verstand, Kreativität und ein funktionierendes Team. «Man versetzt sich gemeinsam in eine spannende Welt, die nichts mit dem Alltag zu tun hat, und wenn man ein Rätsel nach dem anderen löst, ist das ein richtig gutes Gefühl.»

Schul-Strafen vor hundert Jahre

Die Idee für den eigenen Raum hat der Schüler aus dem Alltag entwickelt. In vielen Schulen gab es früher einen Karzer – eine Arrestzelle, in der Schüler für Fehlverhalten bestraft wurden. Ideal für einen Escape-Room an einer Schule – zumal die PMS dem Schüler für den praktischen Teil seiner Maturaarbeit einen leerstehenden Kellerraum im früheren Kloster zur Verfügung stellen konnte. Die Atmosphäre mit Gewölbedecke und winzigem Fenster passt hervorragend. Die Spieler verwandeln sich hier in Schüler, die im Unterricht nicht aufgepasst haben. Im Karzer müssen sie unter Beweis stellen, dass sie doch etwas gelernt haben, sonst droht ihnen der Schulverweis. «Ein bisschen Mathematik braucht man schon», verrät Benjamin, «auch Grundkenntnisse in Chemie können nicht schaden.»

Kreativität statt viel Geld

Wie liest man hier nur einen Code? Benjamin Sachweh hat fleissig gebastelt. (Bild: Inka Grabowsky)

Um den Raum einzurichten, recherchierte Benjamin zunächst im Schulmuseum und suchte dann auf Trödelmärkten passende Einrichtungs-
gegenstände: eine Truhe, eine Kommode, ein altertümliches Pult ausgestattet mit Tintenfass und Schreibfeder. So konnte er sein Budget von 250 Franken einhalten «Profiräume kosten schon mal 15000 Euro», sagt er. Am wichtigsten sind die sechs Zahlenschlösser, welche die Spieler nach und nach öffnen müssen. Jede Aufgabe, die sie lösen, verhilft ihnen zu einem Code, der wiederum zum nächsten Rätsel führt. «Ich habe aus meiner eigenen Erfahrung und im Internet die besten Ideen gesammelt und sie nun für meinen Raum modifiziert.» Die Rätsel müssen gut strukturiert sein und den Besuchern Spass machen. Falls jemand nicht weiterkommt, kann er eine Glocke läuten und sich von Benjamin helfen lassen. Die Betreuer seiner Maturaarbeit haben die sechs Rätsel in 55 Minuten gelöst – das gilt es zu schlagen. Noch bis zu den Weihnachtsferien darf Benjamin Sachweh den Raum für Eskapaden seiner Mitschüler nutzen.

geschrieben von Inka Grabowsky

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