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Geballte Ladung Show und Sport

Kreuzlingen – Am 26. Dezember boxt der Thurgauer Profi Zino Meuli in der Bodensee-Arena um den Weltmeistertitel der WBF. Nach zwölf Siegen in zwölf Kämpfen soll das sein nächster Schritt auf dem Weg nach ganz oben werden. Spannend wird auch der Hauptkampf der Frauen: Maya «Wyoming» Milenkovic ist ein Underdog mit bewegender Geschichte und bekommt in Kreuzlingen die Chance ihres Lebens: beim Kampf um den Internationaltitel einer der vier grössten weltweiten Boxverbände.

Bei der Medienkonferenz vor Ort (v.r.): Trainer Dominik Junge mit seiner Boxerin Maja Milenkovic, Zino Meuli, Marcel Wick (Bodensee-Arena), Markus Schefer (Istor-Boxing) und Andreas Anderegg (SwissBoxing). (Bild: sb)

Boxen live in der Halle zu erleben, das sind Emotionen pur. Schon wenn die Kämpfer zu ihrem Lieblingssong in die Halle einlaufen, sorgt das bei vielen für Gänsehaut. Die Atmosphäre des Schlagabtauschs, wenn die Fans ihre Boxer unterstützen, Treffer bejubeln und die Sportler lautstark anfeuern, sorgt für unvergleichlichen Nervenkitzel. Spannend ist auch immer, die Dynamik zwischen den Trainern und ihren Schützlingen zu beobachten, haben die Coaches doch oft einen erheblichen Anteil deren Leistungen. Musik, Spektakel und Rahmenprogramm sorgen desweiteren dafür, dass ein solcher Event nicht nur für Box-Liebhaber interessant ist, sondern für die ganze Familie.

Mit dem Boxing Day veranstaltet der Thurgauer Boxstall Istor Boxing am 26. Dezember einen Anlass mit hochkarätigen Kämpfen und Attraktionen, die das Eis unter der Abdeckung zum Schmelzen bringen werden.

Für den Thurgauer Profi Zino Meuli von Istor Boxing aus Frauenfeld winkt an diesem Tag die Chance, sich den WM-Gürtel der World Boxing Federation (WBF) umzuhängen. Das wäre sein bislang grösster Erfolg, auch wenn die WBF zu den unbedeutenderen internationalen Boxverbänden gehört. Erst im August besiegte der Horner den Südafrikaner Tsiko Muovhedzi und holte sich vor 500 Fans seinen ersten internationalen Titel.

Der Kampf im Weltergewicht, also bis 66,678 Kilo, geht gegen den Tschechen Josef Zahradnik. Kein leichter Gegner: Zharadnik hat zehn seiner elf Profi-Kämpfe gewonnen. Bisher unterlag er einzig dem Schotten Jason Easton in zwölf Runden nach Punkten. Auch für Zahradnik ist es eine grosse Chance. Zum Verlieren kommt er also bestimmt nicht nach Kreuzlingen.

Auch der Hauptkampf der Frauen wird das Blut der Zuschauer in Wallung bringen. Maya Milenkovic ist eine ehemalige Kickboxerin und hat die Höhen und Tiefen des Boxgeschäfts bereits durchlaufen. Ihre ersten sechs Profikämpfe hat sie verloren. «Ich war jung und brauchte das Geld», hat sie in einem Interview über diese Zeit gesagt. Ihre Mutter lag damals im Krankenhaus, die Rechnungen stapelten sich, darum liess sie sich gegen viel stärkere Gegnerinnen aufstellen. Diese profitierten davon; es ist eine bekannte Masche im Business, die dunkle Seite des Boxsports. Aufgegeben hat Milenkovic aber nie.

Heute nennt sie sich Maya Wyoming – weil sie Cowboyhüte so gerne mag und an den Befreiungskampf der Indianer erinnern will. Sie brennt darauf, zu zeigen, dass sie mehr ist als ein Trittbrett für andere nach oben.

Seit die 26-Jährige bei Istor Boxing unter Vertrag ist, hat sie alle Kämpfe gewonnen. Dafür ist auch ihr neuer Trainer verantwortlich: Dominik Jung gilt als einer der besten Trainer für Frauen in Europa. Derzeit trainiert Milenkovic hart, fährt zum Sparring bis nach Bern, um echt gefordert zu werden, und versteckt Blessuren unter starkem Make-up.

Maya Wyoming lebt und trainiert in Karlsruhe. Sie ist seit einem Jahr bei Istor Boxing unter Vertrag. (Bild: www.facebook.com/maja.boxing.is.life)

«Es wird Krieg geben im Ring»
Ihre Gegnerin wird die in acht Kämpfen ungeschlagene 19-jährige Crystal Garcia Nova sein. Sie stammt aus Santo Domingo und gewann alle ihre Kämpfe durch technisches K.O. «Sie ist sehr stark», so Milenkovic realistisch. «Aber ich bin perfekt vorbereitet auf diesen bisher grössten Kampf meiner Karriere. Es wird Krieg geben im Ring!» Für Milenkovic geht es um einen «echten» Titel, wie sie sagt: Denn die World Boxing Association ist der älteste der vier grossen, bedeutenden Boxverbände der Welt.

Im Weiteren werden ein bis zwei weitere Profikämpfe zu sehen sein. Zudem stehen sechs Kämpfe im Olympischen Boxen mit einheimischen Faustkämpfern auf dem Programm. Daneben gibt es einen Auftritt einer Rockband und weitere Attraktionen.

Das Promotoren-Gespann Markus Schefer (Istor Boxing) und Marcel Wick von der Bodensee-Arena jedenfalls hat alles angerichtet für einen grossartigen Event zum Ende des Sportjahrs 2018, der unter der Aufsicht von SwissBoxing steht.

Beginn um 16 Uhr, Vorverkauf
Die Türöffnung in der Bodensee-Arena am 26. Dezember ist um 15 Uhr, die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr. Es gibt drei Ticketkategorien: Saalplätze à 55 Franken (Lehrlinge, Studenten und Schüler zahlen 30 Franken gegen Vorweisung des Ausweises an der Kasse), Ringplätze à 70 Franken sowie VIP-Plätze à 160 Franken (inklusive Essen und Getränke – Wein, Bier, Mineral).

Tickets sind online erhältlich via www.ticketcorner.ch.

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Ein Gedanke zu „Geballte Ladung Show und Sport

  1. Bruno Neidhart

    Boxen ist in Kreuzlingen nicht ganz unbekannt, Herr Böker. Erinnert sei an einen Herrn König, der damals an der Sonnenstrasse ein Sportgeschäft führte – im Volksmund „Maison Roi“ genannt. Dieser bewegliche, innovative Tausendsassa verkaufte neben den üblichen Sportsachen nicht nur gleichzeitig ein motorisiertes Dreiradfahrzeug aus England und stellte eine eigene Tour-de-Suisse Radmannschaft auf (mit Sieg in der ersten Etappe!), sondern war auch dem Boxen nicht abgeneigt. So fanden kleine erste Meetings im bescheidenen Rahmen in der inzwischen verschwundenen Sekundarschulturnhalle statt. Es waren zwar eher eine Art Trainings-Demonstrationsrunden – doch immerhin! Bei Grenzwächtern, erinnere ich mich, war damals aktives Boxen durchaus beliebt.
    Weit heftiger ging es nach dem Krieg an der Konstanzer Laube zu. Das Rheinstromzelt des Kraftsportvereins Rheinstrom Konstanz (KSV) mauserte sich zu einer sportlichen und gesellschaftlichen Kultadresse. Die Ringabende wurden Stadtgespräch. Es herrschte Platzmangel im Boxtempel. Dabei musste man nicht viel – auch gar nichts – von dieser Sportart verstehen. Es waren stadtgesellschaftliche Ereignisse, die in die Nachkriegszeit passten. Viel Show war nicht. Show und Sport haben sich heute nicht zuletzt aus Marketingsgründen ausgebreitet. Zeitbedingt eben. Nur ein K.O. ist wie früher!

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