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«Unabhängig und unvoreingenommen»

Kreuzlingen – Am 11. Dezember legt die Untersuchungskommission im Fall René Zweifel los. Das mehrfach geforderte Gremium besteht aus Leiter Dr. Christoph Tobler sowie Dr. Claudius Graf-Schelling und Gabriela Frei Aggeler. 30’000 Franken wollen sich die Schulbehörden die Aufarbeitung des Rücktritts des ehemaligen Kreuzlinger Schulpräsidenten kosten lassen.

Dr. Christoph Tobler (vor Kopf) leitet die  Untersuchungskommission im Auftrag der Schulbehörden. Am Tisch (v.l.) HansJürg Klein, Gisela Theus, Anton Waltisberg, Susan Danubio, Michael Thurau, Christine Graeser, Dr. Christoph Tobler, Markus Blättler, Othmar Dietler, Karen Kägi, Franziska Lioi, Cvjetko Miljic (Bild: sb)

Um den Start der Untersuchungskommission anzukündigen und ihre Zusammensetzung mitzuteilen, waren gestern elf der 14 Behördenmitglieder von Primar- und Sekundarschule zusammengekommen. Die fehlenden drei waren zeitlich verhindert, stehen aber auch hinter der Sache, sagte Michael Thurau, Vize-Schulpräsident der Sekundarschulbehörde.

Primarschulbehördenmitglied Christine Graeser betonte gleich zu Anfang, dass der Entscheid, René Zweifel zum Rücktritt aufzufordern, damals von allen Behördenmitgliedern gemeinsam gefällt und getragen wurde. Es sei bedauerlich, dass vor allem Thurau als Sprecher der Behörden dafür den ganzen Wind abbekommen habe. Es sei seine Aufgabe gewesen, die Meinung der Behörden nach aussen zu vertreten. Dafür angefeindet zu werden, sei unfair. Zudem sei es seiner und Primarschul-Vize Markus Blättlers harter Arbeit zu verdanken, dass der Schulbetrieb weiter funktionierte. «Auch die Behördenmitglieder arbeiten am Anschlag», sagte sie. Deswegen sei man froh, wenn der Sessel des Schulpräsidiums bald wieder besetzt wird und Normalität einkehrt.

Theorien wie die einer «FDP-Verschwörung» verwies Graeser ins Lager der Wahlpropaganda. Selbstkritisch müsse die Behörden aber erkennen, dass man besser hätte kommunizieren können. «Wir waren den Schulangestellten eine Information schuldig. Dass diese an die Presse geleakt wurde, hat uns auf falschem Fuss erwischt. Das würden wir heute anders machen», so Graeser.

Rücktritt warf Fragen auf
Mit der Untersuchungskommission reagieren die Schulbehörden auf ein Bedürfnis, das vielfach öffentlich geäussert wurde. Ihre Einsetzung geschieht auf Basis der Gemeindeordnung. Sie untersteht dem Amtsgeheimnis. Die Kommission berichtet zunächst an die Schulbehörden. Wie diese das Ergebnis dann der Öffentlichkeit mitteilen, steht noch nicht fest und wird vor Veröffentlichung auch mit René Zweifel abgestimmt.

Dr. Christoph Tobler ist ehemaliger Stadtpräsident von Arbon und Neukirch an der Thur, war SVP-Kantonsrat und ist heute selbstständiger Gemeindeberater. Ihm wird viel Erfahrung bei Krisen in Behörden attestiert. Um Licht in die Kreuzlinger Vorgänge zu bringen, hat er Regierungsrat Dr. Claudius Graf-Schelling, ebenfalls aus Arbon, und Gabriela Frei Eggeler, Präsidentin des Verbandes Thurgauer Schulgemeinden und aus Münchwilen, für die Kommission vorgeschlagen. «Sachverstand und Unabhängigkeit» seien Kriterien seiner Wahl gewesen. «Ich bin mit keinem Behördenmitglied per Du, das soll was heissen im Thurgau», betonte Tobler seine Unparteilichkeit. «Auch René Zweifel kenne ich nicht persönlich.»

Als Zeithorizont sind sechs Monate veranschlagt. 30’000 Franken soll die Untersuchung kosten. «Wir werden uns zunächst durch persönliche Gespräche und Akteneinsicht einen Überblick verschaffen», so Tobler. Interviews mit allen Behördenmitgliedern, mit den Angestellten, die eng mit ihm zusammenarbeiteten, und natürlich mit René Zweifel sind geplant. Ziel ist es, die Ereignisse zu rekonstruieren und dann einzuschätzen. «Das braucht Zeit», kündigte Tobler an. Ein Ergebnis noch vor dem kommenden zweiten Wahlgang ums Schulpräsidium im Februar sei illusorisch.

René Zweifel sagte bereits öffentlich zu, an der Kommission teilzunehmen. An der Pressekonferenz war er aber nicht zugegen.

Nicht nur die, welche in der Vergangenheit lautstark eine solche Untersuchung forderten, werden sich über den Start freuen. Auch die Mitglieder der Schulbehörde sehen der Aufarbeitung erleichtert entgegen. Die Causa Zweifel war ein Thema, dass sie in den letzten Monaten auf Schritt und Tritt begleitete, zu der aber keine Aussage möglich war. «Mehr als dass wir so handeln mussten und wieder so handeln würden, durften wir aufgrund der Schweigeabmachung nie sagen», so Anton Waltisberg von der Sekundarschulbehörde über seine Reaktion, wenn er privat auf der Strasse angesprochen wurde. Jetzt wird den Behördenmitgliedern ein bisschen Druck von den Schultern genommen.

Bleibt zu hoffen, dass die Untersuchungskommission die offenen Fragen zum Rücktritt von René Zweifel klären kann.

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