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Auf den Spuren Roger Köppels

Kreuzlingen – Daniel Ryser, schweizer Journalist des Jahres 2016, liesst aus seiner Roger Köppel Biografie «In Badehosen nach Stalingrad», mit anschliessendem Konzert von Missis Poe am 14. Dezember ab 20 Uhr im Horst Klub, Kirchstrasse 1, Kreuzlingen. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Seemoz statt.

Ryser ist vielfach ausgezeichneter Journalist mit Thurgauer Wurzeln, 2016 Rechercheur und Schweizer Journalist des Jahres. (Bild: zvg)

«Meine Leben ist ein Selbstfindungsprozess. Ich wachse am Widerstand», sagte Roger Köppel kürzlich gegenüber Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger. Daniel Ryser recherchierte unermüdlich über diesen Selbstfindungsprozess, um herauszufinden, wer Köppel wirklich ist. Ryser ist vielfach ausgezeichneter Journalist mit Thurgauer Wurzeln, 2016 Rechercheur und Schweizer Journalist des Jahres. Aus seiner unauthorisierten Köppel-Biografie «In Badehosen nach Stalingrad» liest er am 14. Dezember im Horst Klub in Kreuzlingen.

«Trumps Erfolg ist eine gigantische Ohrfeige gegen das ‹System›, das in America, aber nicht nur dort, die Leute nervt und plagt. Und ja, diese Ohrfeige fühlt sich gut an», ist Köppels Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps. Journalist, SVP-Nationalrat und Weltwoche-Verleger Roger Köppel ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Schweiz. Die meisten halten ihn für einen aussergewöhnlich klugen Kopf und brillanten Journalisten. Seine Karriere verlief steil nach oben, dabei stammt er aus bescheidenen Verhältnissen. 1965 in Kloten bei Zürich geboren, wuchs er unter Arbeitern auf, was seine linkspolitischen Ansichten prägte. Doch mit wachsender Bekanntheit sprang er in das andere Extrem, die rechte Ecke, über. Wegbegleiter beschreiben an ihm eine allmähliche «Verhärtung».

In Rysers Charakterstudie «In Badehosen nach Stalingrad» kristallisiert sich anhand von Zitaten vieler Menschen, die im Verlauf seines Lebens mit Köppel zu tun hatten, heraus, wie er tickt: provozieren, Widerspruch, Bester sein. Ryser schreibt: «Am Nachmittag, als wir in seinem Büro gesessen (…) hatten, hatte er plötzlich und unvermittelt von seinen Eltern zu reden begonnen, die gestorben waren. Und wie es ihm ergangen war, als sein Vater starb, nachdem bereits seine Mutter gestorben war. Er war ja noch ein Bub gewesen. Er habe damals gesagt, er habe jetzt zwei Möglichkeit: ‹Entweder schaue ich mich als den Ärmsten an, den Waisen, und gehe unter.

Oder ich sage mir: Das ist das Beste, was mir je hätte passieren können, denn jetzt bin ich frei.›»
Constantin Seibt, Mitbegründer der «Republik», erinnert sich: «Roger Köppel sei immer ein grosser Harry-Potter-Fan gewesen. ‹Das passte ganz gut: Harry, der etwas verschnupfte Bub mit den Zauberkräften. Als Köppel damals frisch Chefredaktor der Weltwoche geworden war und die Zeitung unerwartet in Schieflage geriet, lancierten wir in der WOZ, bei der ich damals arbeitete, ein Übernahmeangebot: Die Weltwochenzeitung. Ich dachte in jener Zeit viel über Köppel nach. Damals lief die erste Harry-Potter-Verfilmung in den Kinos. Ich sass im Kino, und dauernd erinnerte mich Harry an Roger (…), ich dachte, ich sitze in einem Roger-Köppel-Film und Voldemort spricht nicht zu Harry, sondern zu Roger. Der Lord sagte: Man wird nicht nur am Ergebnis seiner Taten gemessen, sondern auch daran, wie man sie erreicht. Momentan sieht es für dich da ganz düster aus. Du hinterlässt eine Spur der Zerstörung.›»

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