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Konvikt im Wandel der Zeit

Kreuzlingen – Das Konvikt ist seit Jahren ein Hafen des Lernens und beherbergt Schülerinnen und Schüler der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen (PMS). Doch wie ist es, in einem ehemaligen Kloster zu wohnen und wie behält die Konviktleitung den Überblick über 120 Lernende?

Die Konviktler Liv Keller (v.l), Julia Bollack, Leonie Bättig und Noah Lendenmann geniessen ihr zweites Zuhause im Konvikt. (Bild: Ann-Marie Köhn)

Hohe Decken, hallende Bogengänge und kunstvoll verzierte Türen, welche links und rechts abbiegen: Das alte Kloster Gebäude in Kreuzlingen ist ein kunstvoller Bau und wird von der Pädagogischen Maturitätschule als Teil ihres Campus genutzt. Einige der Lernenden können das Kloster aber auch ihr zuhause nennen. Teile des alten Klosters, das Scheffelhaus und Wohnungen an der Hauptstrasse bilden alle zusammen das Konvikt Kreuzlingen. Es bietet Schülern der PMS, welche einen zu weiten Schulweg in kauf nehmen müssten, die Möglichkeit montags bis freitags in oder nah an der Schule zu wohnen. «Manche wohnen weiter weg als andere», sagt Beni Merk. Er bildet zusammen mit seiner Frau Marina Biber seit zweieinhalb Jahren die Konviktleitung. Beide sind für die Bewohner 24 Stunden am Tag erreichbar, denn sie wohnen ebenfalls im alten Kloster, zusammen mit ihren drei Kindern. «Unsere Kinder finden das toll, sie erzählen immer, sie leben in einem Schloss», schmunzelt Biber.

Mehr als nur ein Bett

Frühstück und Abendessen gibt es für die Konviktler in der Mensa und in jedem Wohnbereich stehen funkelglänzende Küchen und ein grosser Esstisch zur Verfügung. «Für die Erstklässler ist das Frühstück und Abendessen obligatorisch. Von uns ist immer einer da und es gibt uns die Möglichkeit, die neuen Bewohner kennenzulernen», erklärt Merk. Das Abendessen wird von allen gut besucht. Fast 100 Konviktler sitzen jeden Abend in der Mensa, tauschen sich aus und geniessen die Gesellschaft.

Liv Keller ist bereits im vierten Jahr und lebt in einer der Wohngemeinschaften für die höheren Jahrgänge. «Ich hatte in den ersten zwei Jahren ziemlich mit Heimweh zu kämpfen», erzählt sie. Die Eltern nur am Wochenende zu sehen ist grade für jüngere Schüler, teilweise erst 14 oder 15 Jahre alt, nicht leicht. Das gibt aber gerade den Jugendlichen einen anderen Sinn der Wertschätzung. «Ich freue mich immer auf das Wochenende zu Hause», sagt Noah Lendenmann auf Bischofzell. Andere in seinem Alter, er ist jetzt 17 Jahre alt, sind von ihren Eltern eher genervt, doch für die Konviktler ist das Wochenende zu Hause ersehnenswert. Noah ist einer der wenigen männlichen Bewohner. Von 120 Schülern, welchen das Konvikt ein Zimmer bietet, sind knapp 95 weiblich. «Wir haben einen Buben-Wohnteil und eine Herren-WG, die restlichen fünf WGs und Wohnteile sind weiblich besetzt. «Das mag aber auch an der Ausrichtung der PMS liegen», erläutert Merk.

«Das ist sowohl Fluch als auch Segen, man ist im Konvikt selten alleine», meint Biber. Mehr Segen, als Fluch finden die Bewohner. «Man findet immer jemanden, mit dem man etwas machen kann», erzählt Julia Bollack. Sie ist aus Frauenfeld, im ersten Jahr, und vom Konvikt begeistert. «Ob rüber nach Konstanz oder ins Kino, es gibt immer jemanden der mitkommt», ergänzt Leonie. Die Bewohner leben zumeist in Doppelzimmern, einige Dreierzimmer sind auch dabei. Wer mal seine Ruhe haben will, kann die Studienräume der PMS oder einen der Musikübungsräume nutzen.

«Es ist alles recht unkompliziert», erzählt Liv. Besuch ist immer willkommen, sollte aber angemeldet werden. Dafür reicht eine Nachricht über WhatsApp. Auch wer nachts länger wegbleibt oder woanders übernachten möchte, kann sich unkompliziert per Nachricht bei Merk oder Biber abmelden. Das Vertrauen ist gross, es wird erwartet, dass die Konviktler die Regeln und das geltende Alkohol-und Rauchverbot einhalten.

Vorbereitung auf das Leben

«Das Konzept des Konvikts basiert auf Gemeinschaft, Eigenverantwortung und Selbstständigkeit. Die Bewohner wohnen hier, um an der PMS zu lernen. Niemand zwingt sie dazu und es ist eine gute Vorbereitung auf ihr späteres Leben», erklärt Merk. Jeder Wohnteil hat einen Ordnungschef, dieser überblickt den Hausdiensteplan, vermittelt zwischen Bewohnern und nimmt Beschwerden entgegen. Müll rausbringen und Zimmer aufräumen gehören dazu und Rücksichtnahme ist ein wichtiger Punkt, damit das Zusammenleben funktioniert. Einmal im Monat treffen sich Merk und Biber mit allen Ordnungschefs und erkundigen sich nach dem Befinden und der Atmosphäre in den Wohnteilen.

Die Konviktler haben einige Vorteile den externen Schülern der PMS gegenüber. Sie können Teile der Sportanlage, das Lehrschwimmbecken und die Bibliothek uneingeschränkter und länger nutzen. In jedem Wohnteil gibt es im Gemeinschaftsraum verschiedene Angebote wie Billard oder Tischkicker. Das Highlight bildet wohl der Kinoraum, hier finden sich stockübergreifend Bewohner zum gemeinsamen Fernsehabend zusammen.

«Wenn jemand ein Problem hat können wir einander helfen. Die Gemeinschaft gefällt mir im Konvikt am besten», erzählt Julia.

 

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