/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

«So nöd, Stadtrat»

Kreuzlingen – Die SP Kreuzlingen hat eine Petition mit dem Namen «Amtliche Informationen für alle» lanciert. Die Unterzeichnenden fordern den Stadtrat darin auf, amtlichen Mitteilungen wieder in einer Kreuzlinger Wochenzeitung zu veröffentlichen. Die neue Kommunikationsstrategie der Stadt Kreuzlingen benachteilige grosse Bevölkerungsgruppen.

Sammeln auf der Strasse und im Internet Unterschriften: (V.l.) Julian Fitze, Fabienne Herzog, Charis Kuntzemüller und Adrian Knecht. (Bild: sb)

Die Stadt Kreuzlingen hat ihre Kommunikationsstrategie aktualisiert (wir berichteten). Ab Januar bekommen nur noch diejenigen Bürgerinnen und Bürger die amtlichen Publikationen, die sich für einen Newsletter per Mail oder auf postalischem Weg angemeldet haben. Zusätzlich werden die Mitteilungen in den städt-ischen Schaukästen ausgehängt und auf der Homepage der Stadt veröffentlicht. «Das ist glasklar ein Abbau des Service public», kritisierte SP-Gemeinderätin Charis Kuntzemüller anlässlich des Starts der Unterschriftensammlung.

«Wir ersuchen den Stadtrat, die amtlichen Publikationen wieder in einer regionalen Wochenzeitung zu publizieren, damit alle kostenlos eine umfassende Information erhalten können», so der Wortlaut der Petition, die den Stadtrat dazu bewegen soll, seine Entscheidung zu korrigieren.

«Die Kommunikationsstrategie der Stadt sollte eigentlich zum Ziel haben, möglichst viele und bestenfalls alle Bürger zu erreichen», befindet Kuntzemüller. «Das man sich nun selbst darum bemühen muss, ist ein Rückschritt.»

Gerade für Senioren bot das bisherige System viele Vorteile. Sich künftig online zu informieren, sei für viele ein Mehraufwand, ergänzt Gemeinderätin Fabienne Herzog. «Ältere gehören bei allen Medien, sei es Print, Radio oder Fernsehen, zur grössten Nutzergruppe – im Internet dagegen sind viele überfordert.» Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sei der Gang zum Schaukasten nicht möglich. Zudem sei der Medienkonsum stark ritualisiert, etwa über die Zeitung am Frühstückstisch. «Viele Bürger sind sich gar nicht bewusst, wie oft sie quasi nebenbei die amtlichen Publikationen lesen, und melden sich dann womöglich gar nicht an», erklärt Herzog einen weiteren Punkt. Grosse Teile der Bevölkerung werden so vom Informationsfluss aus dem Stadthaus abgeschnitten.

Das Amtsblatt biete die Grundlage für eine gut informierte Bevölkerung, findet auch SP-Mitglied Julian Fitze. «Die amtlichen Publikationen sollten möglichst barrierefrei zugänglich sein», sagt er. «Das ist eine Bringschuld der Regierung, keine Holschuld der Bürger.» Zeitgemässe Kommunikation sehe anders aus. Mit einer Gratiszeitung erreiche man deutlich mehr Interessenten.

Bis zum 10. März wollen die Petitionäre nun Unterschriften sammeln gehen. Nach den Sportferien sind sie jeden Samstag in der Stadt unterwegs. Online unterschreiben ist ebenfalls möglich.

Über 600 Anmeldungen
Seit 2002 wurden Baugesuche, Planauflagen, Termine und weitere wichtige städtische Mitteilungen wöchentlich über die Kreuzlinger Zeitung an alle Haushalte verteilt. Eigentlich waren dafür auch im Budget 2019 44’000 Franken vorgesehen.
Ob der Stadtrat mit seinem neuen Projekt unter diesem Betrag bleiben kann, ist fraglich.
630 Anmeldungen für den postalischen Versand sind bereits eingegangen, 945 digital. Um den Versand zu bewältigen, musste die Stadtkanzlei neue Maschinen und Programme anschaffen, vom Arbeitsaufwand nicht zu reden. Insider sagen, der Abbau des Amtsblatts sei ein rein politischer Entscheid, die mögliche Kostenersparnis lediglich vorgeschoben. Dass die Bevölkerung dieses Vorgehen nicht unterstützt, zeigen unter anderem Leserzuschriften der vergangenen Wochen und Kommentare auf unserer Homepage.
Das bewährte System liegt anscheinend vielen Menschen am Herzen. 

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.