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Den Fussball rollen lassen

Kreuzlingen - Die Stimmbürger können Anfang Februar über einen neuen Kunstrasenplatz für 2,85 Mio. Franken befinden. Nicht nur die Fussballer, sondern auch andere Kreuzlinger Sportvereine würden von den zusätzlichen Kapazitäten profitieren. Ein sportübergreifendes Pro Komitee kämpft um den Sieg bei der Abstimmung am 10. Februar.

(V.l.) Tania Bittner, Isabelle Wepfer, Daniele Scardino und Ruedi Herzog wollen auch im Döbeli einen Kunstrasen wie im Hafenareal sehen.  (Bild: ek)

Angeregt wird über die Unterbringung von Vereinsmitgliedern fürs Training diskutiert. Tipps werden ausgetauscht, in welcher Sporthalle man noch eine Mannschaft unterbringen könnte oder aber wann alles belegt ist. Das Fazit: In Kreuzlingen sind derzeit alle Turnhallen voll. Einer der Gründe, weshalb bei der Begehung des Kunstrasenplatzes im Hafenareal nicht nur Fussballer vor Ort sind, sondern auch Vertreter von anderen Sportvereinen. Isabelle Wepfer, Chefin der Gymnastikgruppe Kreuzlingen, würde von einem neuen Kunstrasenplatz im Döbeli profitieren: «Dadurch werden Sporthallen frei, welche derzeit von Fussballern belegt sind.» Das sich für die Abstimmung gebildete Pro Komitee rechne damit, dass derzeit sechs Sporthallenplätze durch Jungkicker besetzt sind. Auch für Ruedi Herzog, Präsident Sportnetz Regio Kreuzlingen, geht es nicht primär darum, den Fussball zu fördern, sondern Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre gewünschte Sportart auszuüben.

Im Vergleich zu Tägerwilen, wo derzeit der Kampf um einen neuen Kunstrasenplatz um einiges verbissener geführt wird (wir berichteten), stünden in Kreuzlingen alle Sportvereine hinter den Fussballern.

Halle birgt Verletzungsrisiko
Erfahrungen mit Kunstrasen konnte mit dem Platz im Hafenareal die vergangenen sieben Jahren gesammelt werden. Hier tschutten derzeit sowohl die AS Calcio als auch der FC Kreuzlingen. Die beiden Kreuzlinger Fussballvereine teilen sich den Platz je zur Hälfte. Es sei nicht immer einfach, aneinander vorbeizukommen. Derzeit stehen sechs Aussenfelder zur Verfügung, acht bräuchte es eigentlich, damit alle genügend Training an der frischen Luft bekommen. Ein neuer Kunstrasenplatz beim Vereinslokal der AS Calcio im Döbeli würde für die nötige Entspannung sorgen. «Dieser kann viel mehr bespielt werden, weshalb er praktisch wie zwei Fussballfelder zählt», erklärt Daniele Scardino, Vizepräsident beim AS Calcio.

Die oft angeführten Nachteile wie die schlechtere Ökobilanz weist er nicht vom Tisch, findet jedoch, dass mit dem geplanten Teich und der Spielwiese ausreichend Kompensation geschaffen wird. «Zudem ist der Platz nicht mit Plastikteilchen befüllt, was oft der grösste Kritikpunkt ist», so Scardino. Von einer erhöhten Verletzungsgefahr gegenüber einer Wiese wisse er nichts und merkt an: «In der Halle zu spielen ist viel gefährlicher.» Alles in allem seien seine Spieler begeistert vom Kunstrasen.

Bis zum Abstimmungstermin am 10. Februar wollen das Komitee sowie die Fussballer für mehr Spielfläche weibeln. Unter anderem legen sie an Samstagen vor den hiesigen Einkaufszentren Kunstrasen aus, damit sich die Bevölkerung selbst ein Bild von der Spielfläche machen kann. Die Sportförderer sind überzeugt, dass ein Kunstrasenplatz allen zugute kommt. Nicht zuletzt auch den Eltern der Kinder: «Wenn das Fussballtraining meiner Kinder immer am gleichen Ort wäre, könnte ich mir viel Kopfzerbrechen ersparen», sagt Tania Bittner.

Ob dies alles 2,85 Mio. Franken an Steuergeldern wert ist? «Man muss es als eine langfristige Investition in unsere nächste Generation sehen», rechtfertigt Ruedi Herzog den happigen Betrag.

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Ein Gedanke zu „Den Fussball rollen lassen

  1. Bruno Neidhart

    Die hohen 2,85 Mio. Franken sind u.a. dem ungünstigen Untergrund geschuldet, ebenso einigen ökologischen Massnahmen auf dieser Retentionsfläche. Das ist insofern sinnvoll, da die Ökobilanz bei Kunstrasenflächen einen sehr hohen CO2-Fussabdruck beinhaltet. Und im Sommer muss viel gewässert werden, heizt sich doch ein Kunstrasen bis über 40 Grad plus auf. Wird nicht gewässert, ist das Verletzungsrisiko hoch. Noch nicht klar ersichtlich ist in der städtischen Botschaft, wie es denn mit der notwendigen Erweiterung des PKW-Parkplatzes steht. Auch geht aus dem Plan nicht genau hervor, ob um das gesamte Spielfeld, wie in der Botschaft erwähnt wird, durchgehend ein befestigter breiter Streifen entsteht. Dieser wäre überaus zweckmässig, da damit die Zuschauerkapazität einer Anlage auf einfachste Art deutlich erhöhnt werden könnte und nebenbei ein ganz anderes Platzambiente schaffen würde.

    Ohne Zweifel braucht besonders u.a. die eifrige AS Calcio ein Ganzjahresspielfeld zu ihrer Döbeli-Anlage dazu. Das ist keine Frage! Andererseits ist auch mit diesem Spielfeld noch nicht ersichtlich, wo denn letztlich in Kreuzlingen eine Fussballsportanlage entstehen könnte, die etwas höheren Ansprüchen genügt. Dazu gehörte u.a. nun mal eine gedeckte Tribüne mit entsprechender Infrastruktur und Umraumgestaltung.

    Nach Stadtrat (betrifft sein Stichwort „Planungssicherheit) geschieht auf Klein Venedig in Sachen Fussballplatzverlegung in den Osten der Stadt (Seezelg) bekanntlich frühestens 2035/2040 Entscheidendes – wenn überhaupt! Bis dahin können also noch – nach Kreuzlinger Rechnung! – minimal 20 Jahre vergehen. Nun wäre der Zeitpunkt gekommen zu überlegen, ob nicht wenigstens das Hauptspielfeld auf Klein Venedig dort verbleiben könnte (auf Seezelg würde es so oder so zu eng). Ein veritables Städtisches Stadion, das u.a. auch der Stadt für Veranstaltungen zur Verfügung stünde, wäre durchaus in eine Gesamtgestaltung von Klein Venedig zu integrieren. Damit wäre mal ein Anker gesetzt um aufzuzeigen, dass Sport auf diesem Areal durchaus weiter seine Berechtigung hat. Betrifft auch andere sportliche Angebote. Zum Ufer hin bestünde noch genügend Raum, um öffentlichwirksamen Erholungsraum zu schaffen.

    An der Entscheidung, was auf Klein Venedig der Nachwelt hinterlassen wird, kommt die Stadt nicht mehr herum. Schon zu lange wird darüber geredet, diskuriert, verworfen, vertagt, schubladisiert, usw. Die Zeit ist nun reif.

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