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Gut betreute Kinder für mehr Leistungsfähigkeit

Kreuzlingen – Das Komitee «Ja zur Schule mit Tagesstruktur» hat sich formiert. Das OK erklärte am 11. Januar vor der Presse, warum es wichtig sei, beim Volksentscheid im Februar mit 2 x Ja zu stimmen.

Sie bilden das OK-Komitee «Ja zur Schule mitTagesstruktur», hinten v.l.:
Pia Donati (FDP), Ruth Faller (Bezirksrichterin, SP). Am Kindertisch
v.l.: Stephan Marty (CVP), Edith Wohlfender (SP) und Attila Wohlrab (FDP/Immokanzlei). Es fehlt Ramona Zülle (CVP). (Bild: Judith Schuck)

2016 entschied sich das Kreuzlinger Stimmvolk mit einem deutlichen Ja (77 Prozent) für einen jährlich wiederkehrenden Beitrag von 450’000 Franken durch die Stadt und 240’000 Franken durch die Primarschulgemeinde Kreuzlingen für die «Schule mit Tagesstruktur». Das Projekt startete mit 110 Plätzen, wegen grosser Nachfrage wurden bald 137 Plätze geschaffen, doch mussten 2018 immer noch 60 Kinder auf der Warteliste verharren (wir berichteten).

Fachkräftemangel kann entschärft werden

Das stellte viele Eltern, und vor allem Alleinerziehende, vor ein Problem. «Leute, die schaffen wollen, müssen das auch können», betonte Pia Donati, die als Mutter selbst die Erfahrung gemacht hatte, wie schwierig es ist, für sein Kind eine gute Betreuung zu finden. «Ich musste immer organisieren, wer aufpassen kann», sagt die diplomierte Pflegefachfrau heute. Sie wäre froh gewesen über ein Angebot wie die Schule mit Tagesstruktur. Ähnliches berichtete Edith Wohlfender von der SP. Die Geschäftsführerin im Berufsverband Pflege unterstrich, dass sie immer wieder sehe, «wie die Fachkräfte davonlaufen, wenn sie Eltern werden. Diese Frauen fehlen auch der Volkswirtschaft, aber sie können oft die Dienstzeit nicht mit der Betreuung vereinbaren.» Schon 2016 war sie im Pro-Komitee und sieht es als ein ihr ureigenes politisches Thema, dass die Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit für Frauen und Männer gleich sein müssen.

Höhere Arbeitsmarktsicherheit

Bezirksrichterin Ruth Faller argumentierte aus juristischer Sicht: «Der Gesetzgeber will, dass Frauen auf ihren eigenen Beinen stehen; dann muss das vom Staat auch gewährleistet werden.» Dass Frauen ein eigenes Einkommen haben, sei gesellschaftspolitisch wichtig. «Und sozialpolitisch», unterstrich Wohlfender, denn «Frauen, die kaum in die Pensionskasse eingezahlt haben, führen irgendwann zu Problemen bei den Ergänzungsleistungen».

Oft bedeute es zudem ein Karriereknick, wenn man nicht arbeiten gehen könne. Längerfristig gesehen käme es für die Gesellschaft vielleicht günstiger, wenn sie jetzt in ein gutes Betreuungswesen investiere, meinte Faller.

Für Beziehungen sei es ausserdem eine Entlastung, wenn das Risiko des Verdienstes auf vier statt auf zwei Schultern verteilt werde; «fällt ein Arbeitsplatz weg, gibt es immer noch ein Einkommen», was die Situation entschärfe, meinte Wohlfender.

Am 10. Februar kann das Volk über eine Erhöhung der Beiträge an die Betriebskosten «Schule mit Tagesstruktur» abstimmen: Die Stadt Kreuzlingen soll dann mit insgesamt 900’000 Franken ihre Beteiligung verdoppeln und die Primarschule ihren Beitrag auf 600’000 Franken erhöhen.

«Das OK repräsentiert weitere rund 50 Unterstützer aus allen gesellschaftlichen Schichten und jeglichen Alters.» Arbeitgeber- und Gewerbeverband sowie Leute aus Politik und Wirtschaft seien mit von der Partie, ergänzte Stephan Marty von der CVP, denn das Thema ginge alle an. «Wenn mehr Leute arbeiten gehen können, kommen am Ende auch mehr Steuern rein», sagte Attila Wohlrab, Geschäftsleiter der Immokanzlei AG.

Und Marty weiss: «Die Rückmeldung der Eltern, die bereits vom Angebot profitieren, ist sehr positiv». Studien aus der Personalentwicklung hätte zudem gezeigt, so Wohlfender, dass wenn Eltern ihre Kinder gut betreut wüssten, brächten sie bessere Leistungen am Arbeitsplatz.

Geschrieben von Judith Schuck

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