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Bunker mit Geschichte

Lengwil – Der gut getarnte Infanteriebunker beim Bahnhof Lengwil wurde wegen Infrastrukturausbau abgebrochen. Es entstand ein anschaulicher Querschnitt durch die Befestigung, der von einer Plattform aus besichtigt werden kann.


Lengwils Gemeindepräsident Ciril Schmidiger und Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie des Kantons Thurgau freuen sich über die Gedenktafel, die an den Bunker erinnert.
(Bild: ID)

Einige Bahnreisende werden sich am Mittwoch sicherlich gefragt haben, warum so viele Leute neben dem Bahnhof Lengwil stehen und Fotos machen. Die bibbernden Journalisten sowie Vertreter der SBB, des Amts für Archäologie und des Kantons erwarteten die Enthüllung des Schilds «gedeckt, getarnt, gekappt – ein Bunker des Festungsgürtels Kreuzlingen». Es markiert den Standort eines ehemaligen Infantriebunkers. Der Bunker ist Teil des Festungsgürtels Kreuzlingen, welcher aus insgesamt 80 Bunkern von Triboltingen über den Seerücken bis nach Bottighofen bestand. Ursprünglich zwischen den Bahngeleisen und einem Fournierwerk gelegen, tarnte man den Betonbau unter einem Stapel Baumstämme. Diese Tarnung als Holzlager war in der Schweiz einzigartig.

Nach Abbruch der «Furnieri» 2006 blieb ein einziger Stapel des ehemaligen Holzlagers

bestehen: der Holzbunker. Dieser war mit einem Kampfraum für ein Maschinengewehr

Der «Holzbunker» vor dem Abriss. (Bild: Amt für Archäologie Thurgau)

ausgestattet. Bei der Infrastrukturanpassung am Bahnhof Lengwil durch die SBB wurde der Bunker 2017 bis auf die Höhe des neuen Perrons abgebrochen. Doch nicht ohne einige Vorarbeit. Sowohl der Verein für den Festungsgürtel Kreuzlingen als auch das Amt für Archäologie schalteten sich ein und warben um eine Erhaltung des Bunkers. «Wir haben uns alle an einen Tisch gesetzt und dann im Gespräch nach einem Kompromiss gesucht», erzählt Gemeindepräsident Ciril Schmidiger.

«Manchmal ist weniger mehr»

Der Bunker wurde vermessen und dann auf Bahnsteighöhe angepasst. (Bild: Amt für Archäologie Thurgau)

Der Kompromiss zeigt einen Querschnitt des Bunkers, den die SBB sogar noch in den Bahnsteig integriert hat. Vor dem Bunker befindet sich nun ein separater Steg, von welchem man den Bunker Querschnitt bewundern und die Geschichte des Bauwerks nachlesen kann. «Manchmal ist weniger mehr», sagte Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie. «Der Bunker wurde zwar für das Perron bodeneben gekappt, dafür kann man jetzt die Dimensionen und Mauerstärken der Befestigung perfekt aufzeigen. Mit der Tafel im Gelände wird ein spannendes Stück Zeitgeschichte nun sehr gut vermittelt.» Dabei ist der Bunker der erste welcher mit einem Schild gekennzeichnet wird. Insgesamt gibt es 30 solcher aufklärenden Schilder an verschiedenen Ruinen und archäologisch wertvollen Bauwerken im Thurgau. «Es ist zudem die erste archäologische Fundstätte, die in einer solchen Manier ausgestellt und frei besichtigt werden kann», fügt Schmidiger noch hinzu.

Bereits im Rahmen der Projektplanung wurde eng mit der SBB gearbeitet und abgesprochen, dass die Rückbauarbeiten in Etappen erfolgen und gründlich vom Amt für Archäologie dokumentiert und beaufsichtigt werden.

Bis zur letzten Patrone

Der ehemalige Bunker kann nun von einer Plattform bestaunt werden. (Bild: Andrea Vieria)


Der Verein Festungsgürtel hat die Arbeiten am und um den Bunker stetig im Auge behalten. Sie setzen sich für die Erhaltung des Festungsgürtels ein und sammeln geschichtliche Dokumente, welche von diesem erzählen. In der Nähe des ehemaligen Bunkers befindet sich etwa 200 Meter Richtung Kreuzlingen das in den Lengwiler Bahndamm eingebaute Infanteriewerk. Auf beiden Seiten der Gleise liegen Kampfstände, die sogar mit einem Gang verbunden sind. Das wiederum um etwa weitere 200 Meter vorgelagerte Geländepanzerhindernis konnte kürzlich vor dem Abbruch gerettet werden. Die damalige Strategie zum Bau der Bunker wurde im Befehl vier von General Henri Guisan vom 14. Mai 1940 klar kommuniziert: «An der Grenze und zwischen Grenze und Armeestellung verzögern die Grenz- und Vortruppen den Vorstoss des Gegners nachhaltig. Die Besatzungen der an der Grenze und zwischen Grenze und Abwehrfront gelegenen Werke und Stände leisten bis zur letzten Patrone Widerstand, auch wenn sie umgangen und vollständig auf sich allein gestellt sind.» 

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