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Migrationsmärchen entlarvt

Kreuzlingen – 140 Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Kreuzlingen lauschten am Donnerstag einem Vortrag über Flüchtlinge, welcher von einer dafür einbestellten Expterin aus Bern gehalten wurde. Dabei ging es vor allem um «Migrationsmythen» und harte Fakten.

Giger zeigte Unterschiede zwischen Defnitionen und Realität auf. (Bild: Ann-Marie Köhn)

Der Gong ertönt, ruft aber nicht zu einer gewöhnlichen Unterrichtsstunde. Simone Giger ist von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit aus Bern angereist, um einen Vortrag über Flüchtlingspolitik zu halten. «Das Thema haben die Schüler selbst aus einem breiten Angebot aus angebotenen Expertisen ausgewählt», erklärt Eva Buechi. Sie ist Lehrerin für Deutsch und Geschichte an der Kantonsschule und hat den Vortrag in der Aula der PMS organisiert. «Es ist uns wichtig, dass den Schülern nicht nur historische Hintergründe, sondern auch aktuelle Themen näher gebracht werden.»

Der Vortrag beginnt mit einem kleinen Quiz, für welches die Schüler ihr Handy nutzen dürfen. Die Fragen sind simpel gestellt, die Ergebnisse überraschen jedoch einige. «Nehmen Migranten uns die Arbeitsplätze weg?» oder «Ist man automatisch ein Flüchtling, wenn im Herkunftsland Bürgerkrieg herrscht?» waren nur einige der Fragen. Bei der letzten Frage lautete die Antwort «Nein» und 80 Prozent lagen falsch. Genau darum ging es bei Gigers Vortrag, den allgemeinen «Glauben» durch Wissen und Fakten zu ersetzen und aufzuklären. So kommen zum Beispiel die meisten der Flüchtlinge in der Schweiz nicht aus Syrien, wie die Schüler dachten, sondern aus Eritrea oder Afghanistan. Am Ende vom Quiz gewann eine der Schülerinnen, welche acht von zehn Fragen richtig beantwortete, einen Berner Bären, welchen Giger überreichte.

Was ist ein Flüchtling?
Giger stellte zuallererst die Frage nach dem Unterschied zwischen Migrant und Flüchtling, regulärer und irregulärer Migration und der Fluktuation zwischen den Begriffen in der Realität. Ein Migrant kann ein Land zum Beispiel irregulär betreten, aber durch einen Asylantrag ein regulärer Migrant, beziehungsweise Flüchtling, werden. Die Schweiz agiert nach dem Genfer Abkommen, nach welchem denjenigen Asyl gewährt werden sollte, welche wegen ihrer Rasse, Religion oder politischen und sozialen Überzeugungen verfolgt werden. Dabei sieht die Schweiz Menschen, die vor Bürgerkriegen fliehen, nicht zwingend als Flüchtlinge an, da diese nicht individuell verfolgt werden. 48 Prozent aller Geflüchteten sind entgegen den meisten allgemeinen Annahmen weiblich. Zusätzlich zu diesen Richtlinien räumt die Schweiz frauenspezifischen Fluchtgründen mehr Raum ein, als die Genfer Konvention.

Viele der Geflüchteten bekommen zudem in der Schweiz nur einen vorläufigen Status, welcher jährlich geprüft wird. Dieser Ausweis gibt den Flüchtlingen so lange ein Bleiberecht, wie in ihrem Land unsichere Zustände herrschen. Dabei ist es ein Mythos, so Giger, dass Länder ihre Flüchtlinge nicht zurücknehmen. «Nur eine Handvoll Länder nimmt ihre Flüchtigen nicht zurück, das ist wirklich ein aufgebauschtes Thema», sagt sie auf Nachfrage eines Schülers.

Migrationsmythen
Im letzten Teil ihres Vortrags fokussierte sich die Expertin auf «Migrationsmythen». Darunter versteht Giger zum Beispiel die Aussage, dass geschlossene Grenzen angeblich weniger Migration bedeuten würde. Diese Aussage verwies sie mit guten Argumenten schnell ins Land der Märchen. Auch das Migration sowohl dem Herkunfts- als auch dem Zielland schaden soll, entlarvte sie als falsch. Nur für sehr kleine Länder seien Auswanderungswellen bedrohlich. Zudem seien die meisten Migranten für das Zielland auf lange Sicht ein Gewinn.

Zum Schluss hatten die Schüler die Möglichkeit Fragen an die Expertin zu stellen, was mehrere auch fleissig nutzten. Eine Schülerin sprach unter anderem die Diskrepanz zwischen der Schweiz als humanitäre Helferin und dem Waffenexport in kriegsbefallene Länder an. Ein anderer fragte nach der Anwendung des Dubliner Übereinkommens in der Schweiz. Damit zeigte sich vor allem das starke politische Engagement der jüngeren Generation.

Buechi selbst stellte die Frage nach der Aufnahme von Homosexualität als Asylgrund. Dies wird momentan in der Hauptstadt und in den Medien diskutiert.

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One thought on “Migrationsmärchen entlarvt

  1. Johannes

    Bevor solche guten Vorträge in der KSK gehalten werden, sollen diese wichtige Themen lieber doch an der PHTG präsentiert werden. Nichts gegen Jugendliche an der KSK, aber die Interessen der Schüler liegen in anderen Bereichen – was man auch vom Foto entnehmen kann. Aktive Beteiligte würde man eher an der PHTG erhalten, da sie sowieso in einer sozialen Richtung arbeiten!
    Also spart euch das Geld KSK oder die Zeit, und übergibt solche Vorträge der PH.

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