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Umweltsünde Kunstrasen

Kreuzlingen - Der geplante Kunstrasenplatz findet in Kreuzlingen durch die Bank hinweg Zustimmung. Der emotional geführte Abstimmungskampf in der Nachbargemeinde Tägerwilen zeigt jedoch, dass es durchweg auch Stimmen gegen die Plastikwüste gibt. Brigitta Engeli, als Präsidentin der Grünen im Bezirk Kreuzlingen, hat einige Gründe auf Lager, weshalb der Platz als Umweltsünde abgelehnt werden sollte.

Brigitta Engeli gönnt den Fussballern einen neuen Platz, doch nicht auf Kosten der Umwelt. (Bild: ek)

«Mir geht es nicht darum, irgendjemandem seinen Fussballplatz wegzunehmen», schickt Brigitta Engeli voraus. Als Psychologin im Kinder und Jugendbereich weiss sie, wie wichtig Sport schon in jungen Jahren ist. Doch stellt sich für sie im Vorfeld der Abstimmung über 2,8 Mio. Franken die Frage, ob es wirklich ein Kunstrasenplatz sein muss. Denn ein Naturrasen brächte bedeutende Vorteile mit sich: «Temperaturausgleich, Bodenschutz und Wasserhaushalt sind nur einige Punkte, welche ein Kunstrasen nicht erfüllt.» Stadtverwaltung, Politik und Fussballverein beteuern zwar alle, dass man sich Gedanken über die Umwelt mache. «Konsequenzen ziehen will jedoch niemand», bemängelt Engeli.

Dabei geht es ihr in erster Linie um Ressourcenschonung. «Für den Kunstrasenplatz müssen insgesamt 140 Tonnen Kunststoff verbaut werden», rechnet Engeli vor. Material, das irgendwann wieder aus dem Boden herausgeholt werden muss. Aber an die Kosten für diesen Rückbau denkt heute noch niemand. Und auch bei einem unverfüllten Platz entstünden durch Reibung Mikroplastik, dass irgendwann im Abwasser landet.

Gewissen reinwaschen
Das neben dem Fussballstadion zusätzliche Grünflächen, eine Baumallee und ein Auffangbecken für Regenwasser geplant ist, findet Engeli zwar löblich: «Doch versucht man damit nur sein schlechtes Gewissen reinzuwaschen.» Damit wird ein falsches Zeichen an die Jugend gesendet. Denn bei Umweltfragen gehe es genau um deren Zukunft. Es sei nicht nachhaltig, alle Freiflächen mit Beton oder Plastik zu versiegeln. «Irgendwann müssen wir damit aufhören und Anfangen die Konsequenzen aus unserem Handeln zu ziehen», so die Präsidentin der Grünen. Doch Kreuzlingen sei für Umweltthemen ein hartes Pflaster. Das zeigt sich auch daran, dass im Gemeinderat kein Vertreter ihrer Partei sitzt.

Sie hätte sich gewünscht, dass dem Stimmbürger als Alternative ein Naturrasen unterbreitet worden wäre. Schweren Herzens wird sie der Umwelt zuliebe am 10. Februar deshalb Nein stimmen.  Emil Keller

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One thought on “Umweltsünde Kunstrasen

  1. Bruno Neidhart

    Ein Naturrasenplatz und ein Kunstrasenplatz lassen sich nur bedingt vergleichen, da sie aus sportlich unterschiedlicher Sicht geplant werden. Was sind die markantesten Unterschiede?

    Ein Kunstrasenplatz ermöglich das Anbieten von deutlich mehr Trainings- und Spielstunden im Jahresverlauf, als es bei einem Naturrasenplatz der Fall sein kann. Der enorme Erfolg von Kunstrasenplätzen quer durch alle freiluftsporttreibenden Vereine und Clubs lässt sich besonders mit dieser Erfahrung erklären. Zudem ist der Flächenbedarf geringer, müssten doch für die gleiche Stundenzahl (Belegungsmöglichkeit) zwei Naturrasenplätze mehr zur Verfügung stehen, da diese grundsätzlich durch umfangreichere Pflege (Dünger, Unkrautvernichter, Mähgerät/Stromverbrauch!, usw.) und Regenartionszeiten in der Benutzung „naturgemäss“ eingeschränkt sind. In Kreuzlingen ist zudem das Flächenangebot für den Freiluftsport ziemlich ausgereizt.

    Fussball Kreuzlingen mit seinen vielen Mannschaften – von der Jugend bis zu den gestandenen Aktiven – ist derzeit eine beglückende Erfolgsgeschichte der beiden Clubs, dem FCK und der AS Calcio. Beide leisten damit u.a. einen wichtigen Beitrag zur integrativen Gesellschaftsentwicklung in der Stadt.

    Frau Engeli beschreibt den Kunstrasen, als „Umweltsünde“. In ihrer Funktion ist das verständlich. Nur ist bekanntlich bei jeder „Sünde“ abzuwägen, ob sie letztlich nicht doch „verträglich“ sein kann. Ich meine, durch die vielen Vorteile, die ein moderner Kunstrasenplatz bietet, wird die Umwelt weit weniger belastet, als es in anderen Sektoren des täglichen Lebens der Fall ist (eingeschlossen ein Stadthausbau ausgerechnet auf einer Stadtwiese!). Wenn im Döbeli die Stadt auf einzustreuendes Granulat verzichten sollte, wie ich lesen, ist das übrigens sinnvoll. Wenn dann noch eine spätere Entsorgung (10-15 Jahre) fachgerecht bei guter Materialtrennung erfolgt, lässt sich die „Sünde“ ein gutes Stück abbauen, ohne dass sich die Stadt durch ein zusätzliches Umgebungsgrün, einer Baumallee und einem Regenerationsbecken ihr „schlechtes Gewissen reinwaschen“ muss“, wie es Frau Engeli vermutet. Man kann diese zusätzliche „Umweltgestaltung“ positiv sehen. Selbst Frau Engeli empfindet sie als „löblich“. Immerhin.

    Mit gutem Gewissen ist also der AS Calcio eine deutliche Verbesserung seiner Platzverhälnisse zu wünschen. Aber auch die Belange des Traditionsvereins FCK müssen mal entsprechend analysiert werden, denn: weder wie es aktuell auf Klein Venedig aussieht, noch bei dem, was eventuell auf Seezelg zu geschehen hat, ist eine Übereinstimmung Stadt-Club erkennbar, soweit es die notwendige Infrastruktur für eine zweckmässige Anlage begtrifft. Gesprächsbedarf.

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