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Eine eiskalte Angelegenheit

Tägerwilen – Während des Winters kommt den wenigstens die Idee in einem Fluss oder See schwimmen zu gehen. Nicht so Ernst Späti. Der 77-Jährige nahm schon an Eisschwimmer-Wettkämpfen teil und der nächste steht schon an.

Ernst Späti ist stolz auf die Bilder, welche er zu seinen Ehren als Eisschwimmer erhalten hat. Er denkt nicht daran aufzuhören. (Bild: Andrea Vieira)

Um Eisschwimmen unbeschadet überstehen zu können, muss man kerngesund und körperlich fit sein. So wie Ernst Späti aus Tägerwilen. Der 77-Jährige schwimmt regelmässig im Naturschwimmbad Zellersguet beim Seerheinbad in Tägerwilen. Darauf gekommen, im eiskalten Wasser schwimmen zu gehen, ist er durch seine Frau.

«Wir spazierten im Oktober 1982 dem Seerhein entlang, ich bekam die Lust, baden zu gehen, hatte aber keine Badehose und Tuch dabei. Meine Frau bot mir ihr T-Shirt zum abtrocknen an. So ging ich ab durchs Schilf», erzählt Späti. Damals schaffte er 16 Schwimm-Züge. Durch seine Willenskraft, sich zu steigern, ging er damals bis Ostern regelmässig im eiskallten Wasser schwimmen – dies blieb bis heute. Hört man Späti zu, erhält man das Gefühl, das Eisschwimmen keine grosse Sache sei. Die Strapazen, die man seinem Körper aussetzen, sind jedoch erheblich.

Keine Wettkampf Atmosphäre

Er nahm bereits an Weltmeisterschaften teil und schwamm in seiner Kategorie auf den ersten Platz. «Winterschwimmen ist keine Olympiadisziplin, sondern die Austragungsorte gleichen eher an Volksfesten», sagt Späti über die Atmosphäre an den Wettkämpfen. Auch kommendes Wochenende findet, nicht die Weltmeisterschaft, aber der «Eisman» in Radolfzell statt. «Die diesjährige WM fand in Slowenien statt. Nachdem ich, aber bereits an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen habe, will ich jetzt in ‹unserem› See, 500 Meter schwimmen», sagt Späti. An Wettkämpfen hat Späti immer gerne eine Begleitperson dabei, welche ihm hilft, sich wieder anzuziehen oder mit einem warmen Badetuch bereit steht. Denn das eiskalte Wasser lässt schon nach wenigen Minuten Hände und Füsse prickeln, dann schmerzen. Ebenso das Gesicht, das beim Schwimmen immer wieder eintaucht. Die Symptome verschwinden zwar wieder, aber nur, weil man seine Gliedmassen nicht mehr spürt. Späti ist für 500 Meter, 15 Minuten im Wasser. Danach ist Wärme das A und O. An Wettkämpfen stehen den Teilnehmern mobile Saunas zur Verfügung. Beim wöchentlichen Schwimmen in Tägerwilen legt er seine Kleider so hin, wie es sie danach am einfachsten wieder anziehen kann. Für den Boden legt er sich Paletten hin, sodass er nicht auf dem nassen eiskalten Boden steht oder seine nasse Badehose anfriert.

Doch nicht mehr wie früher

Er hat sich noch keine Gedanken darüber gemacht, wie lange er noch in das eiskalte Wasser springen möchte. Aber sein Alter lässt nicht mehr dieselbe Leistung zu, wie noch vor 20 Jahren. «An Wettkämpfen schwimme ich nicht mehr 1000 Meter, sondern nur noch 500 Meter. Zudem habe ich vor paar Jahren angefangen, täglich Magnesium einzunehmen, um Krämpfe im Wasser zu vermeiden», sagt Späti. Pasiert ist ihm noch nichts.

Eisman

Radolfzell – Samstag, 9. Februar, von 9 bis 17 Uhr. Beim Yachtclub Radolfzell an der Karl-Wolf Strasse 11. Von 25 Meter für die Eisschwimmer-Einsteiger bis 1000 Meter ist alles möglich. Für Speis und Trank ist gesorgt.

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