/// Rubrik: Stadtleben

Schmutziger Baustil

Kreuzlingen – Ein aufmerksamer Kreuzlinger hat eine Gewässerverschmutzung im Ziegeleiweiher aufgedeckt. Die Bauverantwortlichen missachteten Weisungen des Bauamtes und pumpten Baustellenabwasser direkt in den Weiher. Wie eine Recherche einen Aufmarsch des Kantons und der Polizei auslöste.

Alfred Herrmann liess es keine Ruhe, dass Baustellenabwasser in den Ziegeleiweiher gepumpt wird. Sein schlechtes Gefühl wurde bestätigt.  (Bild: av)

Alfred Herrmann ist besorgt. Er wohnt an der Weststrasse in Kreuzlingen und ist über die Zustände, welche auf der benachbarten Baustelle herrschen, entsetzt. «Ich kann nicht verstehen, dass man so nahe am Weiher eine Baubewilligung für eine Tiefgarage erteilt hat. Dies ist fast fahrlässig, diese Baustelle nicht jede Woche zu kontrollieren. Denn wir wollen nicht noch einmal ein Fischesterben erleben», sagt Herrmann.

In der frisch betonierten Tiefgarage des sich im Bau befindenden Mehrfamilienhauses mit sieben Eigentumswohnungen hat sich über die letzten Wochen durch Regen und Schnee Wasser angesammelt. Welches direkt mit zwei Schläuchen von den Bauarbeitern in den Ziegeleiweiher gepumpt wurde. Dies wäre nicht schlimm, wenn die Tiefgarage nicht frisch betoniert gewesen wäre und weitere Baumaterialien im Wasser geschwommen wären. Denn Beton gibt immer noch nach einer gewissen Zeit Ausschwemmungen von Zement frei. Zudem ist Betonwasser alkalisch und wirkt als Fischgift. Es kann zu Störungen in der Kläranlage führen, Pflanzen und Tiere in Gewässern können absterben.

Bereits letzten Sommer habe sich Herrmann infolge Baustellenabwasser an das Bauamt Kreuzlingen gewandt. Das Abwasser sei in die Kanalisation abgepumpt worden. Damals sei das Bauamt aktiv geworden und danach sei das Abwasser mit einer Mulde, welche als Absetzbecken dient, gefiltert und in den Weiher gepumpt worden – was den Richtlinien vom Amt für Umwelt Thurgau entspricht. Die Mulde sei jedoch auf einmal wieder weg gewesen, so Herrmann.

Der Polier musste den Kopf hinhalten

Durch die Meldung von Herrmann an die Kreuzlinger Zeitung und durch weitere Recherchen wurde am Dienstag, 5. Februar, der Abfallinspektor vom Amt für Umwelt Thurgau informiert. Dieser hatte mit einem pH-Wert-Schnelltest am Ende des Schlauches das Wasser, welches aus der Tiefgarage in den Weiher gepumpt wird, getestet. Dieser Test hat einen pH-Wert zwischen 12 und 14 ergeben, der Wert 9 darf jedoch nicht überschritten werden. Damit liegt eine Gewässerverschmutzung vor und beim Schilf hat sich bereits Beton abgelagert. Der Abfallinspektor alarmierte die Polizei. Er stellte auch den Polier, als Verantwortlichen der Baustelle, zur Rede. Dieser habe die Freigabe für diese Art der Entsorgung des Regen- und Schneewassers vom Bauherr erhalten. Der wiederum schiebt die Verantwortung zurück zur Baufirma. 

Die Baufirma hat den Weisungen nicht Folge geleistet und das von Beton verseuchte Wasser direkt in den Ziegeleiweiher gepumpt.  (Bild: av)

«Im Moment weiss ich noch nicht, wo oder wer einen Fehler begangen hat», sagt Bauherr Willi Weibel von der WKC Baugesellschaft, und weiter: «Es wird ein Retentionsbecken zur Klärung der Abwässer aufgestellt. Damit dürfte das Problem bereinigt sein.» Die Polizei hat eine Bestandsaufnahme der Gewässerverschmutzung gemacht und der Polier musste zur Vernehmlassung auf die Polizei-Wache mit. Zudem wurde vom Abfallinspektor die Fischereiaufsicht informiert, welche auch sofort auf die Baustelle zur Schadensbegutachtung kam. Sie kann jedoch noch nicht sagen, ob Fische oder andere Weiher-Bewohner Schaden vom Betonwasser genommen haben, weil der Weiher noch zugefroren ist. Die Pumpen beider Schläuche wurden nach der Bestandsaufnahme ausgeschaltet und bleiben bis auf weiteres aus.

Es kann bis zum Baustopp führen

Das Bauamt Kreuzlingen wurde vom Amt für Umwelt über die Gewässerverschmutzung informiert. Beide Ämter werden Folgekontrollen durchführen. Falls weiterhin das Baustellenabwasser ungefiltert in den Weiher gepumpt werden sollte, gäbe es eine weitere Anzeige, kooperiere der Bauherr auch nach dieser nicht, könnte dies bis zum Baustopp führen, so der Abfallinspektor. In diesen Tagen nahm die Polizei den Sachverhalt vom Polier und vom Bauherr auf, die Entscheidung über die Höhe der Busse liegt jedoch bei der Staatsanwaltschaft. Dem Polier droht ein Strafregistereintrag.

An den Kontroll-Tagen war alles OK

«Es ist unglaublich, dass erst etwas unternommen wurde, als wir Anwohner interveniert haben», sagt Herrmann. Um Fälle von Gewässerverschmutzung zu vermeiden, gibt es Kontrollen vom jeweiligen Bauamt. Im Fall Ziegeleiweiher gab es auch Besuche durch Bauinspektoren des Bauamts Kreuzlingen beim Einrichten der Baustelle und während des Baus. Zudem sei die Baufirma auf die Weisungen des Amtes aufmerksam gemacht und aufgeklärt worden, dass Grundwasser, aber kein Baustellenabwasser in den Weiher gepumpt werden darf. An den jeweiligen Kontroll-Tagen war alles in Ordnung. Die Baufirma wurde verwarnt und der Baustopp angedroht, so Bau-Stadtrat Ernst Zülle. «Es ist gut, eine aufmerksame Bevölkerung zu haben, weil das Bauamt nicht täglich eine Baustelle kontrolliert», sagt er.

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Ein Gedanke zu „Schmutziger Baustil

  1. Hans Kann

    Jetzt haben die lieben Nachbarn ja endlich etwas gefunden. Sie überziehen das Bauprojekt ja schon ständig mit einsprachen, dabei ist sein Wintergarten auch außerhalb der Bauzone.

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