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Kunstrasenplatz verschossen

Kreuzlingen – Das Stimmvolk sagte am heutigen Abstimmungs- und Wahlsonntag ein deutliches Nein zum Kunstrasenplatz. Die Erhöhung der städtischen und schulischen Subventionen für die Schule mit Tagesstruktur hingegen nahm der Souverän an. Ein erfreulichen Ergebnis erhielt auch Seraina Perini: Mit 2038 Stimmen in der Sekundarschule und 1584 in der Primarschule wurde sie zur neuen Schulpräsidentin gewählt.

Daniele Scardino ist enttäuscht vom Ausgang. Es gibt aber einen Plan B. (Bilder: Stefan Böker)

«Wir hatten mit einem knappen Ergebnis gerechnet», sagte Daniele Scardino vom Pro Komitee für einen Kunstrasenplatz im Döbeli. «Dass es nun so eine glatte Ablehnung gab, ist enttäuschend.» 1872 Stimmberechtigte schossen das 2,85 Millionen Franken teure Projekt ab, 1442 befürworteten es. Die Stimmbeteiligung betrug 40,1 Prozent.

Der hohe Betrag sei aber nicht der Grund für die Ablehnung, so Scardino. «Das Volk will einen Naturrasen. Diese Botschaft lesen wir aus dem Ergebnis», sagte er. In Diskussionen vor der Abstimmung sei das ökologische Argument immer wieder aufgetaucht; die Kosten seien aber nie die Knacknuss gewesen. «Auch ist der Bedarf selbst bei den Gegnern unbestritten», findet Scardino. «Jetzt müssen wir nach vorne schauen.»

Ein Plan B liegt bereits in der Schublade: ein belastbarer Fussballplatz aus Naturrasen, ein sogenannter Hybridrasen. Das Platzproblem im Winter ist aber auch damit nicht vollständig gelöst.

Die Mitglieder des Pro Komitees (v.l.) Ruth Faller, Pia Donati, Ramona Zülle und Stephan Marty sind mit dem Abstimmungsergebnis zur Schule mit Tagesstruktur zufrieden.

Freude beim Pro-Komitee

Die Erhöhung des jährlichen Beitrags an die Schule mit Tagesstruktur von 450’000 auf 900’000 Franken genehmigten auf städtischer Seite 2067 Stimmberechtigte. Bei der Primarschule ging es um 240’000 Franken mehr pro Jahr. Ebenfalls 2067 Wählerinnen und Wähler genehmigten diese Erhöhung auf 600’000 Franken. «Das freut uns sehr», sagte Stephan Marty vom Pro Komitee. Und blickt schon nach vorne: «Das ist ein gutes Zeichen für die folgenden Infrastrukturprojekte der Schule.» Auch Pia Donati zeigte sich hocherfreut über den Ausgang der Abstimmung. «Man weiss nie, wie es ausgeht», sagte sie. In der Diskussion im Gemeinderat sei die Vorlage zwar unbestritten gewesen. Aber es wurde Kritik am Verteilschlüssel der Elternbeiträge geäussert. «Daran kann der Stadtrat noch drehen», kündigte sie an. «Auch ich finde, dass sehr reiche Eltern mehr zahlen müssen.»

Der freudestrahlenden neuen Schulpräsidentin Seraina Perini gratuliert Primar-Vize Markus Blättler.

«Ich fühle mich getragen»

Mit strahlenden Augen nahm die neue Schulpräsidentin Seraina Perini Glückwünsche für das klare Wahlergebnis an. Obwohl es einige Protestwähler aus dem Lager René Zweifels gab (Primarschule: 736 leere Wahlzettel, 484 für Vereinzelte/Sekundarschule: 902 leere Wahlzettel, 605 für Vereinzelte), beurteilt sie die Zahlen als breite Zustimmung: «Ich fühle mich getragen.» Am 1. Mai geht es für sie los. Die Einarbeitungsphase beginnt aber schon ab März.

 

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3 Gedanken zu „Kunstrasenplatz verschossen

  1. Bruno Neidhart

    Man muss sich das mal vorstellen: Da möchte Kreuzlingen einerseits inmitten der bereits weitgehend überbauten Stadtmitte auf der letzten grünern Wiese ein monsterflächiges Stadthaus bauen, was hier wohl ökologisch vertretbar sein soll (Politischgrün bitte melden!), und unten, im durchgehend weiterhin grünbleibenden Döbeli sind die Abstimmenden nicht in der Lage, für die AS Calcio einen Platz zu bewilligen, wie er heute für jeden grossen, freiluftsporttreibenden Verein Standard darstellt. Und wenn man dazu bedenkt, dass „Fussball Kreuzlingen allgemein“ die wohl weitaus grösste Jugendbeteiligung bei städtischen Sportvereinen aufweist, ist genau diejenige Zielgruppe gemeint, die durch einen zweiten modernen Kunstrasenplatz innerhalb der Stadt immens profitiert hätte. Ganz abgesehen vom sicheren Terminieren von Übungs- und Spielstunden durch die vielen Helfern im Jugendsektor.

    Zudem sind – längts beschrieben – die Eigenschaften eines modernen Kunstrasenplatzes halt weder mit einem Naturrasen, noch mit einem „Hybridrasen“ (wie der verständlich enttäuschte Herr Scardino nun in den Ring wirft) zu vergleichen. Bei den Letzteren sind Belastungs- und Nutzungsmöglichkeiten einfach deutlich geringer. Das kann jeder Platzwart erklären. Gleichzeitig aber sind die laufenden Wartungs- und Pflegekosten erhöht. Doch solche Plätze werden trotz grösserem Aufwand (=Kosten) eben zu keinen Ganzjahresplätzen, müssen sogar oft mehrere Wochen gesperrt werden. Naturbedingt.

    Nun ist dieser Negativentscheid, auch wenn nicht mal ein Viertel der Gesamt-Stimmberechtigten die Vorlage durch den – auf weiten Strecken verdolten oder überbauten! – Saubach ab zum Rhein geschickt haben, demokratisch zustande gekommen. Was im Vorfeld jedoch auffiel, dass sich nicht alle grossen Parteien „über-engagierten“. Selbst die Feststellung (der Stadt), dass Jugendarbeit durch Sport überaus gesellschaftsfördernd sei (besonders für Kreuzlingen!), zog hier nicht. Es müssen also unterschiedliche Vorstellungen herrschen, wie Jugendförderung zu interpretiert sei.

    Mir ist auch fremd, wieviele der Negativstimmenden sich mal direkt vor Ort informierten, was und wie heute tatsächlich in einem modernen Fussblallverein Jugendarbeit funktioniert, dabei hoch integrativ wirkt und breite Freude bei allen Beteiligten verbreitet. Hervorragengende Bedingungen zur ganzjährigen Durchführung dieses Vorhabends sind notwendig, um das gesellschaftliche Ziel zu erreichen.

    Dazu kommt, dass dieser nun nicht zu bauende Platz auch für die Fanion-Mannschaft des noch immer etwas intalienisch inspirierenten, entsprechend schön an die Nachkriegsbelebung der städtischen Bevölkerungsstruktur erinnernden Clubs AS Calcio besonders eine erweiterte Trainingsmöglichkeit in Wetter-Übergangszeiten fehlen könnte, sind doch die Ambitionen des Vereins auf Dauer von optimalen Platzverhältnissen abhängig.

    Daher wünsche ich der Jugend, den Aktiven, den Clubverantwortlichen des AS Calcio, dass sie durch dieses „Nein“ nicht entmutigt werden, an einer Verbesserung der Platzverhältnisse (zusätzlicher Platz) weiterhin zu arbeiten. Wie der dann letztlich aussehen könnte, steht allerdings nun in den Sternen. Auch wie lange es dauern wird, bist all die Negativabstimmenden durch eine neue Vorlage zu überzeugen sind. An die Auffassung, es wäre hier über „Natur oder Kunst“ entschieden worden, glaube ich übrigens nicht!

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  2. Johannes Goldmann

    Naja deutlich getragen von der breiten Masse sehe ich wohl anderst.
    1500 Stimmen fürn Herr Zweifel sehe ich immernoch als deutliches Ausrufezeichen – da ist was richtig faul!

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  3. Frsichknecht Ernst

    Bei dieser hohen Zahl von Leerstimmen und Stimmen für sogenannte „Vereinzelte“ ist das Resultat für Frau Perini doch zu hinterfragen! Wer sind denn diese Vereinzelte und was wollten soviel Leerstimmen ausdrücken? Wäre da nicht journalistische Recherché gefragt?
    Ich meine, dass die offensichtlich bewusst verschleppte Untersuchung zur Affäre „Zweifel“ eine wesentliche Rolle spielte. Nun können Frau Perini und viele Involvierte mit einer gewissen Genugtuung anmerken, dass dies doch alles Schnee von gestern sei!

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