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Mord in der Tägerwiler Badi

Kreuzlingen – Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den mutmasslichen Mörder einer Konstanzerin. Ende März wird dem 62-Jährigen vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen der Prozess gemacht. Er soll an Pfingsten 2016 eine Konstanzerin in der Tägerwiler Badi getötet haben. Der Mann floh nach der Tat. Auf dem Weg in seine Wahlheimat Teneriffa nahmen ihn spanische Behörden aufgrund eines internationalen Haftbefehls fest und lieferten ihn an die Schweiz aus.

Drei Tage sind reserviert für den Fall. Der 25. und 26. März ist für die Beweisaufnahme mit Befragung des Angeklagten und die Plädoyers vorgesehen. Am 27. März berät das Gericht und will das Urteil eröffnen. Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen wirft dem Beschuldigten Mord an einer Konstanzerin vor. Sie wird das Motiv des Täters herausarbeiten und beweisen müssen, dass die Tötung besonders skrupellos oder in der Art ihrer Ausführung besonders verwerflich war.

Eine Spaziergängerin hatte die Frau an Pfingsten 2016 tot am Ufer des Tägerwiler Strandbads gefunden. Die damals 38-jährige Tote hatte massive Verletzungen am Kopf.

Die Vorbereitungen für den Prozess laufen auf Hochtouren, das Gericht muss sich durch Aktenberge kämpfen, wie Gerichtspräsidentin Ruth Faller auf Anfrage bestätigte. «Es wird ein Indizienprozess», sagte sie. Die Anklage fordert für den 62-Jährigen, der nach Teneriffa ausgewandert war, eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung. Spuren und Zeugenaussagen führten damals zu einem Verdächtigen, den spanische Behörden zwei Tage später am Flughafen von Barcelona verhaften konnten.

Vermutlich eine Beziehungstat
Kurze Zeit später wurde der Mann, der offenbar eine Liaison mit seinem späteren Opfer gehabt hatte und noch am Vortag der Tat mit der Frau nahe des Tatorts gesehen worden war, an die Schweiz ausgeliefert.

Momentan befindet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Strafvollzug. Nach seiner Verhaftung hatte der Angeklagte die Tat zugegeben. Mittlerweile bestreitet er sie jedoch und zog sein Geständnis zurück. Aus eigenem Antrieb heraus wollte er von der Untersuchungshaft in den vorzeitigen Strafvollzug wechseln. Ein Beschuldigter kann das bei Aussicht auf eine lange Haftstrafe nach Artikel 236 der Schweizer Strafprozessordnung beantragen. Sofern der Stand des Verfahrens es erlaubt, kann die Staatsanwaltschaft das genehmigen.

Der Prozess ist öffentlich, die Gerichtspräsidentin rechnet mit einigem Interesse.

Nach dem Kümmertshausen-Prozess ist dies der nächste spektakuläre Gerichtsfall in Kreuzlingen. Es sei ein bisschen wilder Westen gerade, so Faller.

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