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Selbstverantwortung beim Sterben

Kreuzlingen – «Menschenwürdiges sterben – ein Plädoyer für Selbstverantwortung» ist eine kritische Auseinandersetzung mit den Aussagen von Walter Jens und Hans Küng. Im FOKUS am 13. Februar stellte Küng diese Aussagen unter dem Referat von Christine Rammensee, Theologin, vor.

Die Veranstaltung fand im Ulrichhaus statt. (Bild: zvg)

Sterbehilfe wird sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den Medien und in vielen Familien heiss und kontrovers diskutiert. Fragen drängen sich dabei auf: Was ist machbar bei der Versorgung Schwerstkranker was bewirken Patientenverfügungen, was bedeutet Palliativmedizin, aktive oder passive Sterbehilfe. Habe ich Angst vor dem Sterben, Angst vor der Medizin. Wie möchte ich sterben, kann ich mitbestimmen. Wer gibt mir eine Anwort, wem vertraue ich mich an?

Hans Küng ist ein Schweizer Theologe, ein universaler Denker unserer Zeit, Mitbegründer und Präsident der Stiftung Weltethos. Küng beleuchtet die Themen Sterben und Sterbehilfe aus theologischer Sicht. Mit Blick auf das Leben sagt er, dass es eine «Gabe des Schöpfergottes ist, eine gottgegebene Aufgabe des Menschen, die er möglichst bis zur letzten Phase seines Lebens selbstverantwortlich wahrzunehmen hat».

Walter Jens dagegen war Philologe, Schriftsteller und Professor in Tübingen. Er betrachtet vor allem die literarischen Reflektionen des Lebens und Sterbens, des menschenwürdigen und unwürdigen Todes. Er verstarb im Jahr 2013 in tiefer Demenz. «Menschenwürdiger Umgang mit dem Sterben bedeutet, den Tod nicht einfach als Endphase des Lebens zu begreifen, vielmehr das Sterben als Dimension des Lebens zu begreifen, die alle Phasen und alle Entscheidungen des Lebens mitbestimmt», so Küng.

Mitmenschlichkeit bis in den Tod . Küng betont, was menschliche Zuwendung für einen Schwerstkranken bedeutet. Heilen – Lindern – Trösten, vom Arzt, vom Pflegepersonal und nicht zuletzt die Zuneigung der Angehörigen und Freunde. «Statt von Sterbehilfe zu sprechen, schlage ich vor, lieber den Begriff der Lebenshilfe zu verwenden – mit dem Wissen, dass auch dieser letzte Abschnitt des Lebens, das Sterben, immer noch ein Teil des Lebens des Menschen ist. Das Leben auch im Sterbeprozess noch annehmbar und menschenwürdig zu gestalten, ist die Aufgabe einer richtig verstandenen Sterbehilfe als Lebenshilfe», sagt er.

Wer sich rechtzeitig mit diesen letzten Fragen auseinandersetzt , dann trifft es einen selbst und auch die Angehörigen nicht unvorbereitet, den Sterbenden in Würde sterben zu lassen; dann sind wir in der Lage, dem Sterbenden die Selbstverantwortung zurück zu geben und ihm so zu einem menschenwürdigen Sterben zu verhelfen.

Christine Rammensee, Theologin mit Tübinger Wurzeln, Patoralassistentin in Kreuzlingen,
hat in ihrem herausragenden Referat sowohl das Gedankengut von Walter Jens als auch die theologischen Aspekte von Küng in allen Klaviaturen Ihrer Kompetenz verdeutlicht; weiter sind sowohl ein Arzt als auch ein Jurist in dieses Werk mit eingebunden, so dass der interessierte Hörer umfassende «Information» als auch «Lebenshilfe» nach Hause tragen konnte.

Die Bildungsreihe wird fortgesetzt am 27. März und am 15. Mai

geschrieben von Danuta Holthaus

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