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Pleiteskandal führt nach Tägerwilen

Tägerwilen – In Deutschland hat die Pleite des Billigstromanbieters BEV Kunden und Öffentlichkeit geschockt. Viele werden ihre Anzahlungen wohl nie wieder sehen. Denn die alleinige Gesellschafterin der deutschen Firma, die Genie Holding AG in Tägerwilen, hat nun ebenfalls Konkurs angemeldet.

Die Parkplätze vor der Genie Holding AG in Tägerwilen sind verwaist, das Telefon nimmt keiner mehr ab.  (Bild: Thomas Martens)

Es geht um 100 Millionen Franken, schrieb das Handelsblatt am Mittwoch. Forderungen in dieser Höhe bestehen gegenüber der Bayrischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV), welche am 25. Januar Antrag auf Insolvenz in München stellte. Der Löwenanteil besteht aus geleisteten Vorauszahlungen der Kunden und zugesagten Boni.

Wie das Thurgauer Konkursamt bestätigte, hat die Tägerwiler Genie Holding AG am 18. Februar ebenfalls Konkurs angemeldet. Sie ist alleinige Gesellschafterin der BEV.

Noch haben die Mitarbeitenden des Konkursamts keinen Einblick in die Geschäfte der Genie Holding AG, eine Befragung der Organe steht noch bevor, heisst es auf Anfrage. Inwieweit die Geschicke in Deutschland mit dem Mutterhaus zusammenhängen, ist also unklar. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Pleite des Tägerwiler Unternehmens schlechte Nachrichten für alle BEV-Kunden bedeutet. Die Aussichten der BEV-Gläubiger, ihr Geld zurückzuerhalten, rücken immer weiter gegen Null.

Gemäss Auskunft des Sekretariats sind rund 50 Mitarbeitende in Tägerwilen beschäftigt. Mittlerweile ist am Standort niemand mehr zu erreichen. Wie wird es mit den Beschäftigten weitergehen? Haben Sie von den unsauberen Machenschaften in Deutschland gewusst? «War es ein Geniestreich? Oder ein riesiges Verlustgeschäft?», hatte der Blick bereits Anfang Februar hämisch getitelt.

Keine nachhaltige Strategie
Die Geschäfte der BEV standen schon lange vor der Pleite in der Kritik von Verbraucherschützern. Mit Dumpingpreisen und hohen Bonusversprechungen hatte die BEV Kunden geködert, nur um dann ohne Vorwarnung die Preise massiv zu erhöhen. Viele kündigten und sprachen von Abzockerei. Wie das Handelsblatt recherchierte, war es die letzte Kündigungswelle in Verbindung mit gestiegenen Strompreisen, welche den Energieversorger zum Einstürzen brachte. Im Dezember 2018 hatte die BEV gemäss Handelsblatt noch 600’000 Kunden. Als der Insolvenzantrag im Januar dieses Jahres gestellt wurde, seien es bloss noch 345’000 gewesen.

Die BEV hingegen spricht von 250’000 Kunden. Viele Kunden sind mit Daueraufträgen in Vorleistung gegangen. Dass dieses Geld zurückgezahlt wird, ist unwahrscheinlich.

Allein die Menge an Beschwerden und Kündigungen war so hoch, dass die BEV-Angestellten mit dem Bearbeiten nicht mehr hinterherkamen. 140’000 unbeantwortete Mails und Briefe muss der Insolvenzverwalter nun sichten.

Welchen Anblick die Ermittler in Tägerwilen zu sehen bekommen, wird sich zeigen.

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