/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Alles wie gewohnt, nur anders

Kreuzlingen – Das Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen ist Geschichte. Ab Anfang März werden nur noch Asylbewerber in dem Zentrum untergebracht, welche abgelehnt wurden oder geringe Aussicht auf Erfolg haben. Was das für die Kreuzlinger Bürgerinnen und Bürger bedeutet und welche Veränderungen auf die Stadt zukommen wurde in einer Informatinsveranstaltung mit anschliessender Fragerunde erklärt.

Roger Boxler, Leiter der Asylregion Ostschweiz beantworteten zusammen mit seinem Stellvertreter Martin Liechi (l.) Fragen der Bürger. (Bild: amk)

«Die Stadt Kreuzlingen hat in den letzten Jahren sehr gute Arbeit geleistet und wir sind sicher, dass dies auch zukünftig der Fall sein wird», begann Roger Boxler, Leiter der Asylregion Ostschweiz. Das Hauptziel bei der Zukunft des Zentrums in Kreuzlingen sei die Sicherheit inner- und ausserhalb der Anlage sowie der menschenwürdige Aufenthalt aller Betreuten wie Beschäftigten. Der stellvertretende Leiter der Asylregion Ostschweiz, Martin Liechi, sagte: «In Kreuzlingen ist bis jetzt alles gut gelaufen und das wollen wir erhalten.» Das Sicherheitskonzept bleibe bestehen, das Zentrum werde
24 Stunden am Tag betreut, es werde weiterhin Aussenpatrouillen geben und die Möglichkeit sich bei Problemen direkt zu melden (24 Stunden Hotline Tel. 058 480 53 23). Die innere Sicherheit des Zentrums arbeite zudem eng mit der Feuerwehr und der Kantonspolizei zusammen.

Mehr Sicherheit in den Zentren
Neu sei das Zentrum in Le Verriéres, im Kanton Neuenburg. «Personen, die für sich selbst, andere im Zentrum oder das Personal eine Gefährdung darstellen, können in dem neuen Zentrum angemessen betreut werden», sagte Liechi. Das führe zu einer Entlastung der Zentren. Die Massnahme werde aber nur dann genutzt, wenn zum Beispiel strafrechtliche Anzeigen gegen den Betreuten vorliegen. Kritische Beobachter bezeichnen diese Praxis als gefährlich, es verleite dazu unangenehme Personen, wie zum Beispiel psychisch oder physisch Kranke, wegzusperren. «Dies ist nicht der Fall», erklärte Boxler auf Nachfrage, «wir haben einen psychiatrischen Dienst, den die Asylsuchenden nutzen können, ausserdem werden entsprechend der Medizinischen Erstinformations- und Konsultationstermine bei Ankunft benötigte Kontakte zu fachkundigen Ärzten identifiziert und hergestellt.» Fachkundiges Pflegepersonal, um eine medizinische Grundversorgung zu gewährleisten ist ebenfalls vorhanden.

Das Beschäftigungsprogramm des Asylzentrum bleibe auch bestehen. Jeder Betreute im Zentrum soll die Möglichkeit bekommen durchschnittlich vier Stunden am Tag eine Beschäftigung zu haben. Dazu zählen neben dem Reinigungsdienst im Zentrum die Möglichkeit sich gemeinnützig zu engagieren. Deutschunterricht sowie Sportangebote gäbe es ebenfalls. Die Betreuung durch die Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau soll ebenfalls bestehen bleiben.«Das Angebot ist gut etabliert», erklärte Liechi. Zusätzlich wird im Zentrum eine christliche Seelsorge geboten. Es wird neben Deutschkursen auch Schulunterricht für alle Kinder im schulpflichtigen Alter geben. «Wir haben diese Stellen bereits belegt und können am 1. März starten», erläuterte der stellvertretende Leiter der Asylregion.

Keine Zwischenfälle im Test
Anwesende Bürgerinnen und Bürger hatten im Anschluss die Möglichkeit Fragen zu stellen. Auf die Frage wo man all diese Informationen nachlesen könne, verwies Liechi auf die Webseite des Staatssekretariat für Migration (SEM). Dort seien sowohl Informationen zum neuen Asylverfahren als auch zu den Zentren zu finden. Direkte Anwohner des Zentrums äusserten ihren Unmut über die Mülleimer vor dem Zentrum am Wanderweg. Diese würden zur illegalen Müllentsorgung genutzt. Ein Vertreter der Stadt antwortete: «Die Entleerung der Mülltonnen erfolgt nun in kürzeren Abständen.» Videoüberwachung des Vorplatzes sei weder durch das Zentrum noch durch die Stadt geplant.

Die grösste Sorge von Bürgern war das neue Klientel des Zentrums. Ein Anwohner formulierte: «Die sind verzweifelter und haben weniger zu verlieren.» Liechi nahm die Besorgnis der Bürger ernst, konnte aber beruhigen: «Die Erfahrung in Embrach im Kanton Zürich hat gezeigt, dass es nicht zu erhöhten Einsätzen der Polizei in den Asylzentren kommt.» René Lang, Regionenchef Ost der Kantonspolizei Thurgau, gab an, dass die Zahl der Einsätze sich in den letzten Jahren stabil gehalten habe. Zudem sei «nicht immer, wenn wir anrücken, etwas passiert.» Einige Anwohner beschwerten sich, dass es zu unerlaubtem Betreten ihrer Grundstücke gekommen sei, zudem zu Alkoholkonsum auf dem Vorplatz beim Zentrum. «Die Anzahl von suchtkranken Asylbewerbern ist gering», kommentierte Boxler. Die Störfaktoren rund um das Zentrum seien nicht zwingend Asylsuchende, daher solle man im Zweifelsfall die Security vor Ort auf Vorfälle aufmerksam machen oder die Polizei verständigen.

«Das Zentrum hat schon vorher eine hohe Anzahl von Ausweisungen vorgenommen und beherbergte viele Personen, welche geringe Aussichten auf Erfolg bei ihrem Gesuch haben. Das einzige, was sich jetzt wirklich geändert hat, ist, dass die Verwaltung in Altstätten, St. Gallen, sitzt», erklärte Boxler. Ein erhöhtes «Fluchtrisiko» wegen der Nähe zu Deutschland sieht Boxler nicht. Das obwohl die NZZ berichtete, dass im Zentrum in Embrach fast zwei Drittel der Asylsuchenden abtauchen. «Es gab schon immer das Phänomen des Weiterreisens», sagte Boxler. Das SEM gehe davon aus, dass viele bei Familien oder Freunden unterkommen, aber nicht langfristig in der Schweiz bleiben.  

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