/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Zierliche Märchengestalten

Kreuzlingen –Filigrane Miniaturen in Schwarz und Weiss begeistern im Museum Rosenegg ab 22. Februar die Besucher. Yvonne Istas gibt gemeinsam mit der Tochter der Künstlerin Ursula Engli einen Einblick in die Kunst und den Menschen dahinter.

Yvonne Istas (r.), Leiterin im Rosenegg zusammen mit Ursula Engli und ihrem Ehemann. (Bild: Ann-Marie Köhn)

«Es beginnt mit Zwergen und Elfen», sagt Yvonne Istas, Museumsleiterin im Rosenegg. Sie führt durch die neue Ausstellung im Rosenegg «Märchenwelt im Scherenschnitt». Märchen ist das neue Halbjahresthema im Museum und dazu hat sich Istas eine ganz besondere Künstlerin in die altehrwürdigen Räume geholt. Elisabeth Voigt (1914-2003) war eine talentierte Künstlerin im Verborgenen. Ihre Scherenschnitte wurden erst posthum entdeckt und von ihrer Tochter zur Verfügung gestellt. «Meine Mutter hat Kinder geliebt», erzählt Ursula Engli. Bevor sie Kinder bekam, wollte die junge Frau Kunstlehrerin werden. Sie studierte in Dresden, belegte Kurse wie Holzschnitzerei und Glasschleifen.

Doch nach ihrer Hochzeit kommt alles anders, sie bringt zwischen 1938 und 1947 sieben Kinder zur Welt und musste im Zweiten Weltkrieg mehrmals wegen Verfolgung fliehen. Ihr Weg führt von Dresden, über Maibach und Niederschlesien zurück nach Berlin. «Meine Mutter hat immer etwas Künstlerisches gemacht, sie hat ganze Theaterstücke für uns Kinder inszeniert, zu Weihnachten für meinen Vater», erinnert sich die Tochter. Dass ihre Mutter eine derart grosse Sammlung ihrer Scherenschnitte durch Krieg und Flucht bewahrt hat, ahnt diese bis zu ihrem Tod nicht. «Wir haben ihre Wohnung ausgeräumt und da waren sie, in Büchern und Möbeln gut erhalten», sagt Voigt. Insgesamt fast 150 Scherenschnitte gibt es, etwa die Hälfte wird im Rosenegg ausgestellt.

Von Voigt sind filigrane Werke geblieben, in denen im Silhouettstil oder durch das

Scherenschnitt von Adam und Eva. (Bild: Ann-Marie Köhn)

Herausschneiden bestimmter Formen Bilder und Geschichten, unter anderem Märchen, gezeigt werden. Die Themen der vier Räumen sind Kinderspiel und Fabelwesen, Technik, Literarische Verbildlichungen und Märchengestalten. Das schwarze, auf der Rückseite gummierte Papier, wurde gerahmt und auf weissen Hintergrund geklebt, um den besten Kontrast zu bieten. Dabei kann man bei den Bildern teilweise entdecken, welche um 1930 entstanden sind und welche erst nach 1983, nachdem ihr Mann verstorben war, fertig wurden. Die hohe Kunstfertigkeit der Werke ist in jedem Fall nicht zu leugnen.

Die Vernissage der Ausstellung findet heute ab 18 Uhr statt. Anwesend sein werden neben Engli auch die anderen sechs Kinder der Künstlerin, sowie Enkelkinder. Bereits am 15. März eröffnet dann zusätzlich die Ausstellung «Grimms Tierleben – Tiere in Märchen und Forschung» und ergänzt damit die Märchenthematik im Rosenegg.  

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.