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Abfall zu Geld machen

Tägerwilen – Nach zwölf Jahren Planung wird die neue Vergärungsanlage in Tägerwilen endlich Realität. Beim Spatenstich berichtete Gemeindepräsident Markus Thalmann vom abenteuerlichen Planungsverlauf und Karl-Heinz Restle, Präsident der Renergon International AG, zeigte die innovativen Ziele der Anlage auf.

Alle Anwesenden freuten sich über den Spatenstich: (v.l.) Markus Thalmann, Gemeindepräsident Tägerwilen, Renergon-Präsident Karl-Heinz Restle, Guido Gross, Direktor Technische Betriebe Kreuzlingen, und Sabine Nowak, Verwaltungsrätin Bioenergie Tägerwilen AG. (Bild: zvg)

Die ersten Arbeiten haben bereits begonnen: Ein Bagger schaufelte eifrig die Fläche für das Fundament der neuen Vergärungsanlage frei. Der Weg zum Baubeginn war lang und steinig. «Im Mai 2007 hat die ursprüngliche Planung begonnen, sie können sich vorstellen, wie glücklich uns dieser Tag heute macht», sagte Markus Thalmann. Nachdem die Planung einer Vergärungsanlage mit einem anderen Anbieter nach fünf Jahren Planung scheiterte, wandte sich die Gemeinde Tägerwilen an Karl-Heinz Restle und seine Firma Renergon Interantional AG, welche in Lengwil ansässig ist.

Es sollten weitere Jahre an Planung, Absprachen mit dem Kanton Thurgau, Bearbeitung der Einsprachen und Geduld fordern, bis dann die Baubewilligung erteilt wurde. «Für unsere Firma ist es die erste Anlage in der Schweiz, wir haben aber bereits eine Feststoffvergärungsanlage in Deutschland realisiert», erklärte Restle. Die Anlage im bayrische Eiselfing besuchte Thalmann im Rahmen der Planungsphase zusammen mit anderen Mitgliedern des Gemeinderats. «Diese Technologie ist ein Sprung in der Grüngutverwertung und Abfallverwertung», sagte Restle. Die Anlage soll als internationales Vorbild und Modell dienen. «Wir arbeiten seit Januar an einem Pilotprojekt in Indien und freuen uns, dass unser Konzept auch global Anwendung findet.»

Der Spatenstich markiert den Beginn der Bauarbeiten, welche circa ein Jahr dauern. Die bestehende Kompostieranlage und das Personal bleiben in der aktuellen Form bestehen, die Feststoffvergärungsanlage wird hinter die existierende Anlage gebaut und in die aktuellen Strukturen der bestehenden Anlage eingebunden, so Restle. Das dann neue Konzept des Komplexes sieht vor, das Grüngut energetisch und stofflich zu verwerten. Das Endprodukt ist damit zum einen Biogas, welches dem System der Technischen Betriebe Kreuzlingen zugeführt werden wird. «Damit kann die Anlage circa fünf bis zehn Prozent des Gasverbrauchs von Kreuzlingen abdecken», sagte Guido Gross, Direktor der Technischen Betriebe Kreuzligen, «Wir haben das Projekt von Beginn an mit einer gesunden Skepsis im Auge behalten und sind inzwischen sehr zuversichtlich.» Die entstehenden Gärreste werden zu Kompost weiterverarbeitet.

Ungenutztes Potenzial

Die neue Renergon-Feststoffvergärungsanlage wird in Ergänzung zur Kompostieranlage Tägerwilen gebaut. (Grafik: Renergon International AG)

«Es gibt ein grosses ungenutztes Potenzial, vor allem bei Abfällen aus der Landwirtschaft. Das Düngen der Felder mit verunreinigtem Dünger kann umweltschädlich sein. Düngt man aber mit Kompost, ist das gut für die Umwelt und die Bauern», sagte Restle. Es gäbe bereits Pläne, die Abfälle von Rindern oder Pferden, welche oft mit Stroh verunreinigt sind, zu verarbeiten, zu kompostieren und dann wieder auf Feldern zu nutzen. Ein Interessent ist laut Restle die Rinderzucht von Niklaus Gisler vom Gutsbetrieb Castell in Tägerwilen. «Es ist aber auch beim Bürger ein Kreislauf. Wir holen ihre Grünabfälle und sie bekommen diese in Form von Biogas wieder zurück», erklärte er.

Aktuell kompostiert die Anlage circa 550 Tonnen Grüngut und andere landwirtschaftliche Abfälle. Mit der neuen Anlage wird sich diese Zahl voraussichtlich verdoppelt. Der Kohlendioxid-Ausstoss wird bei voller Auslastung der Anlage um jährlich 3‘000 Tonnen reduziert, damit ist Anlage auch klimafreundlich. Besorgte Anwohner können beruhigt sein: Der gesamte Komplex ist in sich geschlossen und mit Belüftungsanlage ausgestattet. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Geruchsbelästigungen für Anlieger. Insgesamt sieben Millionen Franken wird das Projekt kosten, Hauptinvestor ist die Bioenergie Tägerwilen AG. «Wir sind sehr froh, dass es jetzt endlich losgeht», sagte Verwaltungsräten Sabine Nowak. Restle hat bereits weitere grosse Pläne im Auge, so schliesse er eine Biogastankstelle für Stadtfahrzeuge nicht aus. Zudem will er prüfen, ob der Kompost in Zukunft durch Zusätze für bestimmte Käufer individualisiert werden kann, um zum Beispiel für Weinbauern oder Obstbauern noch attraktiver zu werden. Ann-Marie Köhn

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