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Schleichendes Ende der Gartenstadt Kreuzlingen?

Leserbrief – Ernst Frischknecht aus Kreuzlingen sorgt sich um die Natur in der Stadt, die unter der regen Bautätigkeit leidet.

(Bild: archiv)

Es war ein deutliches Signal, als der Souverän an der Urne einen Kunstrasenplatz im Döbeli verwarf. Wo heute noch Grünflächen bestehen, sind offensichtlich auch den Sportanlagen Grenzen gesetzt, wenn es um die schnelle Versiegelung von Böden geht!

Zu hinterfragen sind auch die verschiedenen Projekte im Seezelg, wo eine weitere Vernichtung von Grünflächen durch Tennisanlagen und durch das Reka-Zentrum droht. Dort soll das ruhige Bodenseeufer zwischen Bottighofen und dem Schwimmbad Hörnli mit einem einem touristisch attraktiven Angebot scheinbar aufgewertet werden!

Ein weiterer Fingerzeig für das Verschwinden der Gartenstadt sind die baulichen Verdichtungen wie etwa im östlichen Gebiet Reute; nicht nur, dass dort günstiger Wohnraum verlustig ging, sondern es geht auch dem Grün an den Kragen; Hochstämme oder dichte Hecken haben keinen Platz mehr, wo die Rendite regiert!

Dabei wäre die Sorge um das baukulturelle Erbe der Stadt so wichtig. Wo die Abrissbirne selbst vor Villen im Bodanquartier mit ihren prächtigen Bäumen nicht Halt macht, läuft doch einiges schief.

Alarmierend auch, wie radikal und ohne jegliches Verständnis für das Quartierumfeld, den Kastanien beim Schreiberschulhaus der Garaus gemacht wurde. Fest steht, es braucht mehr Bürgerbeteiligung und ein Parlament, das eine klare Strategie in Sachen Stadtökologie setzt. Die Liste 1 (Freie Grupppe) und die Liste 2 (SP) bieten dazu eine Chance.

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One thought on “Schleichendes Ende der Gartenstadt Kreuzlingen?

  1. Bruno Neidhart

    Kreuzlingen war noch nie eine eigentliche „Gartenstadt“, Herr Frischknecht. Allenfalls konnte man umgangssprachlich diesen Begriff für Kreuzlingen anwenden. Eine „Gartenstadt“, wie sie international verstanden wird (ich könnte ihnen hier in Berlin eine zeigen!), hat für ihre Entstehung einen ganz anderen Bezug, auf den hier nicht näher eigegangen werden kann. Kreuzlingen bildete sich dagegen aus kleinen dörflichen Flecken, den heutigen Quartieren. Zwischen diesen Siedlungen und dem sich langsam bildenden Zentrum im Hauptstrassenbereich bestand anfänglich viel Platz. Und im sich bildenden Zentrum wurde in der Regel nicht grossartig gebaut, sondern eher dörflich und mit Gärten. Damit gewann der Durchreisende den Eindruck, dass die gesamte Siedlung einer Gartenkolonie gleichkommt. Im Zeitverlauf sind die freien Räume zwischen den Quartieren immer mehr zugebaut worden, womit sich Kreuzlingen heute nicht viel anders präsentiert, als andere Stadtsiedlungen. Wo man eingeschränkt den Begriff „gartenstadtähnlich“ verwenden könnte, ist tatsächlich beim Quartier Bodan unterhalb der Hauptstrasse. Hier bestach nicht nur die Grünraumgestaltung, sondern auch die architektonische Qualität einzelner Bauten lag weit über dem, was Kreuzlinger Durchschnitt bedeutete und hatte – oder hat noch immer – die Wurzeln zum Teil sogar im Jugendstil. Aber auch in diesem Gebiet ist die „Blockeritis“ ausgebrochen, wenn auch in der Regel in einem gehobeneren Stil. Dagegen konnten sich die vielen Einfamilienhäuser, die an den Hängen hoch gebaut wurden, bisher diesen Breschen ziemlich entziehen.

    Kreuzlingen geht halt das Bauland aus. Das ist nicht zuletzt auch die Folge der rasant geförderten Stadtentwicklung unter dem letzten Stadtpräsidenten, wie überhaupt es bereits seinen Vorgängern in über einem halben Jahrhundert nicht gelang, sowohl der Kernstadt ein markantes Profil zu geben, als auch den früheren Quartieren in ihrer Entwicklung ein eigenständiges Gepräge zu hinterlassen. Aber das ist ein anderes Kapitel der Planung. Immerhin: Das heutige Darben der Hauptsrasse, dem nach wie vor eigentlichen Stadtzentrum, ist in diesem Zusamenhang ebenso ein Teil dieser ungereibten Politik (bei manch anderen Aspekten!).

    Allenfalls hätte Kreuzlingen sich den Titel als „Parkstadt“ erwerben können. Nun kann man ja nicht unbedingt schimpfen: Unten am See, im Bereich der Auffüllfläche, sowie im historischen Parkbereich „Seeburg“, der sich glücklicherweise bis anhin einer Bebauen entziehen konnte, wie es in den 60er Jahren ein sozialdemokratische Stapi aufgleisen wollte, ist es durchaus hübsch. Der damals wegweisende Volksentscheid (keine Bebauung) hätte auch beim Bellevue-Park weiterwirken können. Nur lagen dort die Grundstücksverhältnisse eben anders. Und heute, wo die letzte Gelegenheit bestünde, in der Stadtmitte einen veritablen parkähnlichen „Stadtgarten“ zu entwickeln, der im Zusammenhang mit der Dreispitzanlage der Bildungsstadt ein vollgrünes Ambiente gäbe, das die Nachfahren in der sich weitern entwickelnden Stadt abertausendmal loben würden, platscht die Stadt ausgerechnet ihr neues 111-Meter Stadthaus aufs letzte grüne Feld ihrer Mitte. Was soll man dazu sagen – Herr Frischknecht?

    Noch kurz zum „Kunstrasen“: Ich weiss nicht, ob sie, Herr Frischknecht, in der Entwicklung der Sportart Fussball den Durchblick haben. Vielleicht bemerken sie immerhin, dass sich Fussball besonders im Jugendbereich zu einem Breitensport entwickelte. Anders sind heute die Jugendkategorien A-B-C-D-E-F-G mit ihrer erfreulichen Entwicklung in der Breite nicht erklärbar. Besonders die gesellschaftliche Bandbreite der hier trainierenden und spielenden Jugendlichen ist von ausserordentlicher integrativer Bedeutung in einer multi-ethnischen Stadt. Die beiden Clubs der Stadt machen hier eine vorzügliche Arbeit.

    In medias res: Die Qualität und Eignung eines Kunstrasens für die Durchführung von Vereinsaktivitätetn besonders im Jugendbereich ist weltweit anerkannt (nicht nur für Fussball). Die Kreuzlinger Abstimmenden haben sich anders entschieden, soweit es den tüchtigen, italienisch inspirierten Club AS Calcio betrifft. Und das ist schade und kann nicht annähernd dadurch kompensiert werden, in dem man das wiederholt, was bereits vorhanden ist und dessen Problematik im Jahresverlauf (Witterung) bei aller intensiven (und teuren) Pflege bekannt ist. Und so hat sich denn auch der Fussball durch eine neue Spielplatztechnik weiter entickelt. Wer das nicht erkennt, hat wenig unmittelbare Erfahrung. Ich habe diese jedes Wochende, in dem besonders die jüngsten Enkel (6), die noch über den Naturrasen stolpern würden, begeistert auf dem neuen Terrain ihre Turniere austragen. So sind sie bereits bei mindestens 10 Stadtclubs „aufgelaufen“ (der Opa als ihr Fan an der Seitenlinie). Sämtliche Clubanlagen – auch von kleineren Clubs- wiesen zusätzlich zu Naturrasenplätzen auch einen Kunstrasenplatz aus! Das ist die Realität. Kreuzlingen, die erklärte Sportstadt, denkt in ihrer Mehrheit anders. Aber vielleich doch nicht für alle Tage? Es ist zu hoffen.

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