/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Von wegen Bares ist Wahres

Kreuzlingen - Etwas für seine Mitmenschen zu tun ohne sie gut zu kennen und dafür kein Geld zu erhalten, fällt den meisten doch schwer. Die Zeitbörse unterstützt genau dieses Konzept des sozialen Lebens. Die Initianten stellen die Zeitbörse nächste Woche vor und geben selbst viel Zeit für ihre Mitmenschen ab.

Martin Gerber und Anke Aliesch sind zwei der Initianten der Zeitbörse Ortsgruppe Kreuzlingen. Es fehlt Gisela Schlolaut. (Bild: av)

Wer in einen neuen Ort zieht, hat es oftmals schwer, Anschluss zu finden. So ging es auch Martin Gerber, einem der Initianten der Zeitbörse Ortsgruppe Kreuzlingen.

Dieses Konzept von «benevol Schweiz» des Tauschens von Dienstleistungen, bei denen kein Geld, sondern Zeit auf ein Konto überwiesen wird, ist bisher nur in den Kantonen St. Gallen und Appenzell bekannt. «Seit vier Monaten wohne ich in Kreuzlingen, aber es ist schwierig, ein soziales Umfeld aufzubauen, ohne einem Verein beizutreten», sagt der 65-jährige Gerber. Deshalb und weil er bereits in der Regionalgruppe in Herisau tätig war, kam er auf die Idee, in Kreuzlingen auch eine Zeitbörse auf die Beine zu stellen. Sie soll auch als Nachbarschaftshilfe und um soziale Kontakte zu knüpfen, dienen. Dieses Konzept, Dinge mit Stunden zu bezahlen, ist jedoch nur für sehr soziale Leute geeignet, welche gerne geben, ohne Geld dafür zu bekommen. Denn der geleistete Aufwand deckt sich auch mit den erhaltenen Stunden nicht. Es ist aber möglich, Hilfsmittel und Fahrzeit mit Geld zu berechnen, aber dies muss unter den Mitgliedern vor der Dienstleistung vereinbart werden. Die geleisteten Stunden werden dem Dienstleistungsgeber auf sein Stundenkonto bei «benevol» gebucht und beim Nehmer abgebucht. Dieses Stundensystem wird von keinem Finanzamt kontrolliert. Daher könnte es vorkommen, dass Schwarzgeld fliesst. «Dies sei noch nie vorgekommen. Denn viele Mitglieder machen mit, weil sie nicht viel Geld haben», sagt Initiantin Anke Aliesch. Die Dienstleistung soll sich auch nicht mit der Lohnarbeit konkurrenzieren, sondern eher etwas sein was man als Hobby betreibt.

In den Startlöchern

Dienstleistungen können alles mögliche sein. Spazieren gehen, Wohnung putzen, Möbelzusammen bauen oder was einem sonst noch einfällt. Aber jede Dienstleistung ist nur unter den Mitgliedern möglich oder ein Nicht-Mitglied lässt sich einen Stunden-Gutschein schenken. Um das Konzept der Bevölkerung näher zu bringen, wird Gerber mit Gisela Schlolaut und Aliesch im Begegnungszentrum «das Trösch», im Boulevard am Dienstag, 12. März, um 18 Uhr darüber informieren. Falls sie nach diesem Infoanlass einen Monat später einen ersten Tauschtreff der Zeitbörse aufgleisen können, wäre es der erste im Kanton Thurgau. Doch dafür fehlt noch eine kostengünstige Lokalität oder eine, welche kostenlos zu haben ist, um dem Konzept der Zeitbörse gerecht zu werden.

Zeitbörse nutzen um sich etwas zu gönnen

Die Treffs sind dafür da, die Mitglieder der Zeitbörse und ihre Dienstleistungen kennenzulernen oder die erhaltenen Stunden zu verbuchen. Denn es gibt doch noch Mitglieder, welche keinen Internetanschluss haben. Begründung dafür ist vermutlich, dass einige Mitglieder Senioren sind, welche nun mal zu der Gruppe gehören, welche Zeit haben. «Wir sind eifrig auf der Suche nach jungem Blut», sagt die 48-jährige Aliesch. Sie trat vor Jahren der Zeitbörse bei, weil sie als alleinerziehende Mutter kein Geld für einen Babysitter hatte. «Jetzt nehme ich die Zeitbörse in Anspruch, um mir etwas zu gönnen. Dazu gehört: mir Gelnägel machen zu lassen», sagt Aliesch. Im Gegenzug bereitet sie für die internen Feste Eierlikör oder Konfitüre zu, um wieder Stunden zu sammeln.

Ein Fond für alle

Ganz ohne Geld geht es aber doch nicht. Als Mitglied ist ein Jahresbeitrag von 30 Franken zu leisten. Für den Druck und Versand der Marktzeitung, für Werbematerial und IT-Kosten. Die Arbeit der Fachgruppe und der übrigen Mitarbeitenden in der Zeitbörse wird nicht in Franken entschädigt. Sie erhalten die Stunden, welche sich im Fonds angesammelt haben. Darin landen die 15 Minuten, welche jeden Monat den Mitgliedern vom Zeitkonto abgebucht werden. «Der Fonds wird für interne Feste gebraucht, jeder der möchte, bringt etwas mit und erhält dafür Stunden aus dem Fonds», erklärt Aliesch.

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