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Radweg kommt nicht in Fahrt

Kreuzlingen – An der gestrigen Gemeinderatssitzung bekam Stadtrat Ernst Zülle kalte Füsse. Die Verlegung des Bodenseeradwegs war umstrittener als erwartet. Also stellte er den Antrag, die eigene Botschaft zurückzuweisen. Ein bisher unbekannter Schachzug, der wirkte.

Nach links in die Promenadenstrasse statt nach rechts in die Werfstrasse hätte der Radweg neu führen sollen – das war eigentlich der Plan. Wie es nun mit dem Projekt weitergeht, ist ungewiss. ( Bild: sz)

Über 20 Voten gab es gestern zur ersten Botschaft des Tages im Kreuzlinger Gemeinderat (wir berichteten) zu hören. Die meisten waren ablehnender Natur.

Für die FDP/EVP-Fraktion kritisierte Thomas Leuch den falschen Zeitpunkt angesichts ungeklärter Fragen hinsichtlich E-Bikes auf Radwegen. Sein Fraktionskollege René Knöpfli (FDP) sah keinen erwiesenen Zusammenhang mit der gewünschten Überbauung. Daniel Lauber mahnte für die SVP andere Gefahrenstellen, etwa bei Strellson, an. Wenn schon, denn schon, sollte man hier zuerst etwas machen. Seiner Fraktion fehle eine Gesamtplanung, ausserdem sei ihr der geplante Mischverkehr in den Teilstücken ein Dorn im Auge. Die CVP hinterfragte die Argumente der Botschaft, leugnete gar das darin reklamierte Gefahrenpotential, welches in der Werftstrasse entstünde, sollte einst überbaut werden. «Das wird überbewertet», sagte Alfredo Sanfilippo. Man könne ja rückwärts einparken, dann ist das ausparken nicht so gefährlich. Ausserdem lade eine Verlegung des Wegs auf die Promenadenstrasse Velofahrer dazu ein, in den Seeburgpark zu fahren. Was verboten ist.

Rot-Grün war dafür
Die Befürworter mussten sich angsichts solcher Breitseiten gut ins Zeug legen. Für die SP befürchtete Markus Brüllmann, eine Rückweisung verschiebe das Projekt «auf den Sankt- Nimmerleinstag». Auch wehrten sich die Sozialdemokraten gegen die von den Gegnern behauptete gefährliche Mischnutzung auf der Promenadenstrasse. Dort fahren eben gemäss Brüllmann nur ganz wenige Autos. Gemeinderat Andreas Hebeisen (SP) brachte den finanziellen Nachteil ins Spiel, welcher durch die Rückweisung entstehen soll, weil sie, so der Stadtrat, zu einer Verzögerung der Überbauung mit 40 Wohnungen führt. Diese würde Steuergelder und Baurechtszinsen in die Stadtkasse spülen. Hebeisen rechnete vor: «Mit jedem Jahr, um das sich das hinzieht, entgehen der Stadtkasse knapp 700’000 Franken.» Wie können das «die Vorwärts-Partei, die Mut-Partei und die Arbeitsplatz-Partei» mit sich vereinbaren, fragte er provokativ.

Der genannte Betrag liess auch die Gegner des Geschäfts schlucken. Ihren Widerstand konnte das Zahlenspiel jedoch nicht brechen. Wohl aber gab es einige Repliken aufgrund seiner Anspielungen.

Angesichts so vieler Scherben auf seinem Radweg wollte Stadtrat Zülle die Botschaft schleunigst wieder in die Garage schieben. Besser, nochmals über die Bücher zu gehen, als die Vorlage zu versenken. Mit 27 Ja- bei zehn Neinstimmen und zwei Enthaltungen kam der Gemeinderat seinem Wunsch nach.

Des Weiteren beantragte der Stadtrat, vier Parzellen im Gebiet Klein Venedig aus dem Landkreditkonto ins Finanzvermögen zu überführen. Mit der Überführung ins Finanzvermögen verbleiben sie im Besitz der Stadt. Dies wertet der Stadtrat für die Stadtentwicklung als strategischen Vorteil. Einstimmig hiess das Parlament die Überführung vom Landkreditkonto ins Finanzvermögen von drei Parzellen gut:

  • Parzelle Nr. 219, Seestrasse 9, Buchwert 3‘200‘000 Franken
  • Parzelle Nr. 226 (Vereinigung mit Parzelle Nr. 1158), Seestrasse 8, Buchwert 520‘000 Franken
  • Parzelle Nr. 216, Seestrasse 1, Buchwert 1‘651‘254.20 Franken

Die Parzelle Nr. 2096, Seestrasse 11, mit einem Buchwert von 1‘130‘000 Franken wird jedoch ins Verwaltungsvermögen überführt: Das Parlament hiess einen entsprechenden Antrag von Gemeinderätin Barbara Hummel, SVP, mit 37 Ja- zu 2 Nein-Stimmen gut.

Genehmigt hat das Parlament zudem den Tauschvertrag der Parzellen Nrn. 5175 und 5195 (Seetalstrasse, Eigentümer Filip Mertz und Hannes Schwarz) mit der Parzelle Nr. 6184 (Dammstrasse, Eigentümerin Stadt Kreuzlingen) und den Kaufvertrag für den Verkauf der Parzelle Nr. 2764 (Sonnenwiesenstrasse) an die Ifolor AG, Kreuzlingen, zum Preis von 572‘100 Franken. Abgetauscht wurden fast gleich grosse und wertmässig vergleichbare Grundstücke. Damit ist nun der Weg für die Realisierung der geplanten Strassenprojekte an der Seetalstrasse (Busspur) und Reutistrasse (Verbreiterung Trottoir) frei. Gleichzeitig ist das Gelände um den Hauptsitz der Ifolor AG bereinigt. Somit erhält das Kreuzlinger Unternehmen Planungssicherheit, um seinen Betrieb am heutigen Standort zu erweitern.

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