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Verteidigung will Freispruch

Kreuzlingen – Der Verteidiger des wegen Mordes angeklagten 62-Jährigen fordert Freispruch. Es gebe keinen Beweis, dass der Mann am 14. Mai 2016 zur Tatzeit in der Tägerwiler Badi gewesen sei. Die Mutter des Opfers beantragte 30’000 Franken Genugtuung.

In der Tägerwiler Badi wurde damals die Leiche gefunden. (Bild: archiv)

«In dubio pro reo»: Die Taktik des Verteidigers am heutigen zweiten Prozesstag war es, Zweifel an den Darstellungen der Staatsanwaltschaft zu sähen. Wenn diese nicht zweifelsfrei nachweisen kann, wann genau die Tat geschah und dass sein Mandant vor Ort war, dann muss er freigesprochen werden, sagt der Anwalt des Angeklagten. Eine heute vom Anwalt der Mutter des Opfers ins Feld geführte Genugtuung in Höhe von 30’000 Franken soll das Gericht abweisen, ebenso Schadenersatzforderungen.

Insgesamt belaufen sich die Prozesskosten auf 137’471 Franken. Auch die müsste der Angeklagte bei einer Verurteilung zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hat gestern lebenslänglich mit zusätzlicher Verwahrung beantragt.

Bier und Sex in der Badi
Die Verteidigung stellte deren Rekonstruktion der Tat in Frage. Ein unbekannter, böser Dritter soll das Opfer erschlagen und ausgeraubt haben, nachdem der Angeklagte schon auf dem Weg nach Spanien war. Die Staatsanwaltschaft könne weder den Tathergang noch die Tatzeit einwandfrei bestimmen. Sein Mandant habe die Badi um 22.20 Uhr verlassen. Zuvor seine er und das Opfer im Kuhhorn gewesen, um Bier zu trinken. Davor hätten sie Sex in der Badi gehabt.

Die früheren Geständnisse seines Mandanten hält der Verteidiger für nicht verwertbar. Die Staatsanwaltschaft berief sich auch heute wieder auf diese Geständnisse. Auf die Frage, ob er das Opfer getötet habe, habe der Angeklagte gesagt: «Ja, machen wir reinen Tisch.» Den Tatablauf habe er, ohne dass die Ermittler gross nachfragen mussten, unverblümt geschildert. Auch die Wunden am Kopf des Opfers decken sich mit seiner Darstellung: Während sie ihn kniend oral befriedigte, soll der Mann sie erschlagen haben. «Dass ich geschlagen hab, weiss ich», sagte er damals. Und: Dass er rot gesehen habe, weil sie ihn hämisch auslachte. Dann wisse er nichts mehr.

Kein Widerstand
Bei seiner Verhaftung liess sich der Mann widerstandslos festnehmen. Er fragte nicht mal nach dem Grund, so der vertretende Oberstaatsanwalt. «Jeder, der unschuldig verhaftet wird, würde erst nach dem Grund fragen.»

Das letzte Wort hatte heute der Angeklagte. «Ich habe diese Tat nicht begangen», las er von einem Blatt ab. Die Tat sei schrecklich und er frage sich oft, wie so etwas passieren konnte. Ihm sei dadurch die liebe Lebensgefährtin genommen worden.

Er sei überglücklich gewesen, als sie seinen Heiratsantrag annahm. Denn er habe sehr Angst vor dem Alleinsein im Alter gehabt. «Eine Win-win-Situation», sagte er. «Sie hätte den Mann bekommen, den sie liebt, und ich eine Frau, die ich sehr mochte.»

Auch der Angeklagte bat das Gericht um Freispruch.

Das Urteil wird morgen erwartet.

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