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«Gänse fucken alles ab»

Kreuzlingen – Endspurt des diesjährigen Kabarett-Festivals: Zum zweitletzten KIK-Auftritt kam Hazel Brugger ins Kulturzentrum Dreispitz. Die Vorstellung war seit Wochen ausverkauft. Vor vollem Haus packte die bekannte Schweizer Comedienne aus und liess das Publikum Tränen lachen, wenn sie von ihrer Karriere beim TV erzählte, ihren Besuch beim Gynäkologen rekapitulierte oder Familiengeschichten zum Besten gab.

Hazel Brugger und ihr Buch. (Bild: Jette-Marie-Schnell)

Hazel Brugger ist einfach «real» – könnte man voll des Lobes sagen, und damit einen der hippen Anglizismen bemühen, mit denen ihr Vortrag am Mittwochabend gespickt war. Wenn sie «crazy Bitches» sagt, kommt das authentisch rüber, und wenn sie Thomas Gottschalk ironisch als ihr Vorbild bezeichnet, auch. Sie bringt die Sicht der bildschirmsüchtigen Generation Smartphone mühelos zusammen mit altbackenem TV-Expertentum über «Wetten, dass..?»-Sendungen. Und dann schmeisst sie alles über den Haufen, wenn sie darüber fabuliert, am Strand joggen zu gehen, einen Faden hinter sich herziehend, der ihr an der Kupferspirale aus der Vagina hängt. Sie spielt diese Szene nach, macht lustige Geräusche, und bringt damit das Publikum zum Brüllen.

Man könnte es auch Coolness nennen
Hazel Bruggers Auftritt nachzuerzählen, klingt natürlich weniger witzig. Wer sich jetzt also fragt, was daran lustig ist, wenn eine Frau auf der Bühne steht und erzählt, warum sie ihrem Bruder gern mit der Faust ins Gesicht schlägt oder wie ihr Frauenarzt immer während der Untersuchung Smalltalk beginnt – der sollte sie unbedingt live erleben. Das ist Stand-up Comedy alter Schule: Die 25-Jährige steht auf der Bühne, lediglich ein Mikro in der Hand, und neben ihr ein Barhocker mit einem Buch, in das sie immer mal wieder rein schielt. Das ist alles, mehr braucht sie nicht.

Lustiger Alltagskram
Sie plaudert einfach, beginnt mit Anekdoten aus ihrem Leben, assoziiert dann wild drauf los und thematisiert eine Vielzahl von Gebieten wie den Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz, zwischen Kindern und Eltern, zwischen Gänsen und Käuzen, zwischen dem Papst und ihrem Arzt. Überhaupt: Ihr Gynäkologe. Der ist schon richtig alt und redet, wie es sich für einen richtigen Doktor gehört, eigentlich nur in lateinischen Fachbegriffen. So stellt sie sich ein Date mit dem Papst vor. «Aber der Papst würde nie mit mir auf ein Date gehen», überlegt sie, worauf eine kunstvolle Pause folgt. «Ich bin viel zu alt.» Gelächter. «Und kein Junge». Brüllendes Gelächter und Applaus. «Das ist ja jetzt schon bezeichnend, dass Sie genau hier das erste Mal klatschen», kommentiert sie den Kreuzlinger Enthusiasmus.

Ein Fan durfte auf die Bühne. (Bild: Jette-Marie Schnell)

Auch wenn sie am Anfang Startschwierigkeiten hatte oder teilweise völlig unvermittelt das Thema wechselt, von Urinproben oder einem Besuch auf dem Mittelaltermarkt erzählt: Das Publikum kann irgendwann gar nicht anders, als losprusten. Es liegt an dieser anhaltenden Berieselung mit Gags auf unterschiedlichen Niveaus, dem es sich nicht entziehen kann. Im Grunde gab es für jeden Gast mindestens eine Stelle an ihrer Performance, an der man vor Lachen zusammenbrechen musste.

Mehrfach zeichnet sie dazu völlig surreale Szenen, etwa die, wie eine Gans, die sich von Uber-Chauffeur Sergej umherkutschieren lässt, rasch aussteigt, um einem Kind den Arm zu brechen. In der von ihr im Wohnzimmer produzierten TV-Show liess sie die Idee, eine Gans einzuladen, deswegen rasch fallen. «Gänse fucken alles ab», hatte ihr schon Aurelio vom Filmtiere-Verleih geraten. Was für ein Quatsch!

Am Ende gab es für ihren Auftritt donnernden Applaus – den sie umgehend abbrach, um eine Fragerunde zu starten. Unter anderem wollte ein junger Mann wissen, was denn in ihrem Buch steht. Hazel Brugger bat ihn auf die Bühne und brachte ihn dazu, an ihrer Stelle performen. Das gab einen würdigen Abschluss: Der Star des Abends lässt sich nachäffen – und das Publikum und sie selbst finden es lustig.

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