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Seeburgpark

Leserbrief – Ursula Homberger aus Kreuzlingen macht sich über gewisse Entwicklungen im Seeburgpark sorgen und reicht daher dieses Schreiben auch direkt beim Stadtrat ein.

Lerserbrief (Bild: Archiv)

Sehr geehrter Stadtrat

Seit rund 8 Jahren geniessen mein Mann und ich den traumhaften Seepark vor unserer Haustüre. Mit Freude und Begeisterung sahen und sehen wir, welche Anstrengungen jedes Jahr unternommen werden, um den Park zu pflegen und zu unterhalten. Ein besonders Lob gebührt den Gärtnern und Gärtnerinnen, welche die Rabatten nicht nur pflegen, sondern sich bemühen, mit interessanten Pflanzenzusammenstellungen saisonal ansprechende, geschmackvolle Akzente zu setzen.

Seit wir in Kreuzlingen wohnen, erlebten wir auch, wie im Seepark an verschiedenen Orten Neues entstand: die Erweiterung des Spielplatzes, die Unterführung zum Hafenbahnhof, die Sitzbank aus dem Wellingtonia-Stamm. Auch nahmen wir zur Kenntnis, dass verschiedene Bäume schwere Sturmschäden erlitten hatten und gefällt werden mussten.

Verschiedene Eingriffe erfüllten uns neuerdings jedoch mit Sorge um die bis jetzt stimmige Gesamterscheinung des Parkes. So wurden etliche Bäume vor dem Inselchen gefällt – wohl zum besseren Durchblick auf die Silhouette von Konstanz? Und es wurden Papierkörbe mit Holz verkleidet – wozu? Unsere aktuelle Sorge gilt jedoch der neuesten Scheusslichkeit nahe des Kreuzlinger Yacht-Hafens. Lange rätselten wir, was dieses Gebilde werden könnte. Ein Kletterturm? Ein Landeplatz für Pontonierboote? Nein, mittlerweile hat es sich geklärt: Es handelt sich um eine Hollywood-Schaukel!

Das wirft Fragen auf: Was soll eine Schaukel an diesem Ort? Sie verstellt nicht nur den freien Blick auf den See und auf das gegenüberliegende Ufer, sondern füllt eine Zone des Sees mit neuer Aktivität, die bis jetzt dem Naturschutz und der Erholung diente. Und sie weckt Befürchtungen: Das nächste Jahr folgt dann wohl andernorts im Park weiteres «Parkmobiliar»: eine Rutschbahn für Erwachsene, ein Klangspielplatz…. Verstehen Sie mich bitte richtig: Ich habe nichts gegen Aktivitäten und spezifischer Infrastuktur an einzelnen Orten. Doch diesbezüglich hat der Seepark bereits heute sehr vieles zu bieten: einen Kiosk, eine Minigolfanlage, einen riesengrossen Kinderspielplatz mit Bewegungs- und Kletterspielgeräten, Schach- und Mühlespiele, einen Tennisplatz, einen Kleintierzoo, eine Voliere, einen Kräutergarten, einen Froschteich, ein Arboretum, ein Restaurant, ein Seemuseum, einen Beobachtungsturm mit Ausblick auf Insel und das Umland. Ganz zu schweigen von den temporären Infrastukturen für das Sommerkino und das Seeburgtheater.

Daneben gibt es heute noch Platz genug, die Ruhe und Kontemplation zu geniessen, zu flanieren, sich auf eine Parkbank zu setzen, ein Buch zu lesen, die Aussicht zu geniessen, sogar ein Bad zu nehmen, mit Ufersteinen zu bauen, Vögel zu beobachten, mit dem Hund an der Leine zu laufen, den Kinderwagen zu schieben etc. Kurzum: Die heutige Gestaltung des Parkes macht ablesbar, was wo angeboten wird, und welche Aktivitäten wo ausgeübt werden können, sodass es ein friedliches Nebeneinander von Aktivitäten, Naturschutz und Gemütlichkeit möglich ist. Die Installation der Schaukel mitten am Ufer in einer ruhigen Zone stört nun die Integrität des Ortes empfindlich.

Damit nicht genug: Die zugewiesene Funktion der Hollywoodschaukel schränkt die Parkbesuchenden ein, autonom und erfinderisch zu sein, auch sogenannt «freie», unmöblierte Plätze temporär nach eigenen Bedürfnissen zu nutzen. (Ganz zu schweigen vom Vorteil, dass nach Sonnenuntergang der Blick wieder unverstellt über den See und das gegenüberliegende Ufer schweifen kann).

Zusammengefasst halte ich fest: Es gilt, dem Seepark Sorge zu tragen. Es soll daraus kein vermöbeltes Disneyland werden. Ich ende mit der dringenden Bitte für zukünftige ähnliche Vorhaben, die den Park betreffen und mit Steuergeldern finanziert werden, die Kreuzlinger Bürgerinnen und Bürger nicht einfach vor ein «fait accomplit» zu stellen und anschliessend abzuwarten, welche Reaktionen ausgelöst werden, sondern Planungsabsichten öffentlich, d.h. auch vor Ort zu kommunizieren und damit eine offene Debatte, wie auch Einsprachen zu ermöglichen.

Ich hoffe, dass die angefügten Gründe von vielen KreuzlingerInnen geteilt und in der Folge die Schaukel entfernt wird, sowie dass in Zukunft eine offenere Informationspolitik Einzug hält.

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One thought on “Seeburgpark

  1. Bruno Neidhart

    Um wenigsten das Park-Kerngebiet vor einer (zum Teil volkstümlichen) Übernutzung zu retten, schlug ich vor Jahren der Stadt mit Bild und Text vor, im Bereich des historischen Parkgeländes, also um das Schloss herum, inklusive dem anschliessenden alten Arboretum zum Hörnliberg hin, einen veritablen „Botanischen Garten am See“ zu kreieren. Dieser etwas bewusst intimere Parkbereich, mit pflanzenwissenschaftlichem Hintergrund ausgezeichnet, wie es etwa bereits beim schönen Kräutergarten gut dokumentiert ist, auch z.B. mit zwei kleineren Gewächshäusern als Lernort botanisch interessant erweitert – ebenso der Aussenbereich -, würde in der Bildungsstadt zweifelsohne auch einen lehrrreichen pädagogischen Zweck erfüllen. Die Pläne sollten übrigens noch bei der Stadt liegen!

    Ich finde ihren Blick auf die Parkentwicklung, geehrte Ursula Homberger, treffend beschrieben und überaus nützlich für die weitere Zukunft des gesamten Areals (Historischer Park und vorgelagertes parkähnlich gestaltetes Auffüllgerlände mit Biotopen).

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