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Seit 20 Jahren – Musik, die bewegt

Kreuzlingen – Es erklingt der erste Ton des Pianisten und der Dirigent hebt seine Hände. Für die Sängerinnen und Sänger der Gospel Joy Singers ist dies das Zeichen, um mit dem Gesang zu beginnen. Aus 43 Frauen- und Männerkehlen ertönt ein Lied, das jeden Zuhörer gleich auf Reisen schickt. Die Melodie führt die Gäste über weite grüne Wiesen, Täler und Flüsse ins 19. Jahrhundert zu den Anfängen des Gospels. Seit nun 20 Jahren ziehen die Gospel Joy Singers Menschen in ihren Bann. Um dieses in einer schnelllebigen Zeit nicht selbstverständliche Jubiläum gebührend zu feiern, gibt es ein Wochenende voller Musik und Gefühle. Alle sind herzlich dazu eingeladen – Mitsingen ist erwünscht.

Die Gospel Joy Singers sind bereit und freuen sich auf die Jubiläumsfeierlichkeiten. (Bild: Sandro Zoller)

Weder Englisch, Chinesisch noch Spanisch sind die Universalsprachen, es ist die Musik. Sie steckt in jedem ab der Geburt und muss nicht in einem langwierigen Prozess erlernt werden. Musik vereint und schafft keine Abgrenzung wie andere emotionsgeladene Bereiche. Der Klang einer Melodie und ein gesungener Text verbinden Menschen über Grenzen hinweg. Musik bringt die Augen von Kindern gleichermassen zum Strahlen wie die von Erwachsenen. Jeder hat schon einmal bei einem Lied eine Gänsehaut bekommen oder vielleicht sogar aus einem Mix von Gefühlen Tränen vergossen. Musik ist der absolute Spitzenreiter in Sachen «Big Emotion».

Beginn einer Ära
Mit der Gründung der Gospel Joy Singers, im August 1999, wollten zwei Frauen all die grossen Gefühle, die sie beim Singen von Gospelliedern erfuhren, mit Gleichgesinnten teilen. Sie entschieden sich bewusst nicht für Jazz, Soul oder Pop. Julia Klöck brachte selbst Erfahrung von kirchlicher Seite mit und wusste wie Gospel, «das gesungene Evangelium», sich positiv auf die Seele auswirkt. Das zweite Gründungsmitglied, Regula Felix, übernahm in den ersten beiden Jahren die Aufgaben einer Dirigentin. Auch heute, nach 20 Jahren, wo passende Pop-Songs Einzug ins Programm finden, hat Gospel weiterhin das Sagen im Verein.

Gleich im Gründungsjahr veranstalteten die Mitglieder ein Gospel-Weekend, um miteinander zu singen, zu lachen, zu reflektieren und sich beim Essen besser kennenzulernen. Diese Tradition ist bis in die Gegenwart ein fester Bestandteil des Vereinslebens geblieben. Früh stand das erste Konzert in den Startlöchern. Annamarie Schwarz, seit 2018 Präsidentin, war zu dieser Zeit ebenfalls schon Mitglied des Vereins. «Ich mag mich an dieses Konzert in Kreuzlingen erinnern. Auch wenn noch nicht alles stimmte, ein spezielles Erlebnis war es allemal», findet sie. Schon nach dem ersten Auftritt wurde den Verantwortlichen des Chors bewusst, dass für den grossen Aufwand ein Konzert nicht genug ist. Mit wenigen Ausnahmen sind jährlich vier öffentliche einstündige Auftritte geplant. «Für die Sängerinnen und Sänger ist das die perfekte Zahl, damit das Privatleben nicht darunter leiden muss», sagt Schwarz. Die Konzertreihen werden jeweils zwischen Mitte November und Anfang Dezember abgehalten, da die Menschen in dieser Zeit am empfänglichsten dafür sind. Im Gegensatz zu privaten Anlässen wie Hochzeiten oder Singen im Tertianum Berlingen wird da nur eine Kollekte herumgereicht. Jeder Gast kann dadurch spezifisch zeigen, wie ihm die Show gefallen hat.

Sängerinnen und Sänger sind willkommen
Männerstimmen sind tragende Volumen bei den Gospel Joy Singers. Trotzdem ist immer ein wenig Not am Mann. «Wenn Männer wirklich singen wollen, dann schliessen sie sich lieber einem Männerchor an», sagt Schwarz. Also liebe Herren, es hat noch Platz. Einfach dem Chor schreiben und schon bei der nächsten Montagabendprobe dabei sein. Selbstverständlich sind auch die Damen weiterhin dazu eingeladen, dem Verein beizutreten. Aktuell singen 43 Personen, davon sind noch sechs Gründungsmitglieder dabei.

Der Durchschnitt liegt immer etwa um die 40 Mitglieder. Die Anzahl soll nicht zu fest unterschritten werden, denn sonst verliert der Gesang an Raum und Intensität. Mehr Sänger hingegen schaden nie – ja sind sogar gewünscht. Ab einer sehr grossen Zahl an Gospel Joy Singers wird dafür die Logistik und Raummiete komplizierter. Präsidentin Schwarz schätzt es, dass über die Jahre vom Studenten bis zum 75-jährigen Gospelsänger alle ihre Spuren hinterlassen haben.

Kreuzlingen, das Herz der Gospel Joy Singers
In Kreuzlingen besteht die grösste Fanbase. Diese hat sich in den Anfangsjahren gebildet und über die Jahre hinweg gehalten. Trotzdem treten die Gospel Joy Singers auch in Altnau, Steckborn, Bürglen oder Konstanz auf. Die zuletzt genannte Stadt wird neuerdings eher gemieden, da der Zoll sehr viele Schwierigkeiten beim Transport des Bühnenmaterials macht. Zudem hat es in der Konzilstadt solch eine Fülle an Kulturellem, dass ein Chor aus Kreuzlingen darin fast untergeht. Um wirklich überregional Bekanntheit zu erlangen, braucht es laufend Werbung. Das geht ins Geld, welches nur limitiert zur Verfügung steht. Regionale Auftritte haben für den Verein sowieso einen grösseren Reiz. Als Lokalmatador im Bereich Gospel besteht automatisch eine tiefere Beziehung zum Publikum. Dies schätzen beide Seiten.

Jeden Montag von 20 bis 21.45 Uhr sind Proben mit Pianisten und Dirigent. Damit die Sänger am Puls der Zeit bleiben, werden zwei Mal im Jahr externe Experten für Stimmbildung und Choreografien eingeladen. Dies bringt allen Teilnehmern neue Perspektiven auf die Dinge und selbstverständlich frischen Wind. Unter anderem sind Tipps von Sonny Walterspiel so in die Auftritte hineingeflossen.

Meister ihres Faches
Auch wenn der Chor aus Leien besteht, steckt professionelle Arbeit dahinter. Dass alles passt, kommt nicht von ungefähr. Mit dem Dirigenten und Chorleiter Heiko Dierschke sowie dem Pianisten Paul Amrod sind zwei langjährige Profis mit an Bord, die das Tüpfelchen auf dem i ausmachen.

Dierschke, der ursprünglich aus Bremen kommt, hat nach seinem Psychologiestudium in Göttingen und Santa Cruz/Kalifornien in Freiburg Schulmusik, Anglistik und Gesang studiert. Nach den gesammelten Erfahrungen in Ensembles wie dem Anton-
Webern-Chor Freiburg, dem Schweizer Kammerchor (Zürich) oder dem Jazzchor Freiburg wagte er sich ans Dirigieren. Seit 20 Jahren lehrt er an Gymnasien in Radolfzell und Konstanz. In der Funktion als Chorleiter ist er im Jahr 2007 dazugestossen und, mit einem kurzen Unterbruch, mit von der Partie. Es ist ein bitterer Schlag für die Sänger, dass der Chorleiter bald an der Deutschen Schule in Versaille sein Können weitergibt. Sie sind aber sehr dankbar für sein Engagemant, Know-How und Vielseitigkeit. Mit Darja Godec kommt ein passender Ersatz in den Verein.

Pianist Paul Amrod ist seit 2011 eine feste Grösse bei den Gospel Joy Singer und hebt die Auftritte stets auf ein höheres Level. Der aus Malone/New York stammende Musiker lernte sein Handwerk an der berühmten Juilliard School of Music in New York City. Mit einem Bachelor und Master in der Tasche zog es ihn nach Deutschland. Er tourte als Solopianist durch die europäischen Clubs, tritt an Jazz-Festivals auf und gab Kurse an diversen Institutionen. Am Bodensee war er bis 2010 musikalischer Leiter am Stadttheater Konstanz.

Grosse Emotionen
Auf die Frage, was zu den schönsten Erlebnissen gehört, muss Schwarz kurz überlegen. «Da gibt es so viele schöne Momente. Das Jubiläumskonzert vor zehn Jahren mit Kathy Kelly, im Dreispitz
Sport- und Kulturzentrum Kreuzlingen, gehört sicher zu den Favouriten. Die Konstanzer Chornacht, wo wir mit 500 anderen Sängern auf einer Bühne standen, ist auch unvergesslich». Zum 20-jährigen Bestehen des Gospel Chors sind ebenfalls hochkarätige Interpreten eingeladen. Am Samstag, 30. März, ab 19 Uhr, singen der weltweit bekannte Freddy Washington, von den einst USA-weit erfolgreichen «The Washington Familiy Singers», und die stimmgewaltige Serena Ford zusammen mit den Gospel Joy Singers im evangelischen Kirchgemeindehaus Kreuzlingen. Wer Lust und Laune hat, kann sich noch spontan für den Gospel-Workshop am Freitagabend und Samstag anmelden. Das Wochenende verspricht ganz grosse Emotionen.

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