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Eiche muss gefällt werden

Kreuzlingen – An der Hofstattstrasse ist eine Überbauung mit Wohnhäusern und Tiefgarage vorgesehen. Das Projekt «Hinter der Eiche» erhielt seinen Namen von der Stiel-Eiche (Quercus robur), welche auf der Parzelle 862 steht. Es war geplant, dass die Gebäude um den schutzwürdigen Baum entstehen sollen. Nun stellte sich heraus, dass die Eiche in der Zwischenzeit massiv an Vitalität eingebüsst hat. Jetzt muss sie weg.

An der selben Stelle wird eine neue Stiel-Eiche gepflanzt. (Bild: Sandro Zoller)

Nicht mehr lange und die ersten Bagger fahren an der Hofstattstrasse auf. Die Häberlin AG baut drei Mehrfamilienhäuser mit 21 Eigentums- und Mietwohnungen. Dort steht eine Eiche. Ursprünglich hat der Stadtrat diese Stiel-Eiche gemäss § 10 des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Natur und Heimat (NHG TG, RB 450.1) eigentümerverbindlich unter Schutz gestellt. Die Grundeigentümerschaft willigte ein, den Baum über den Bauprozess zu erhalten. Die Eiche sollte für die Identitätsbildung der neuen Wohnsiedlung dienen. Sogar ein separates Baumschutz-Gutachten wurde am 29. Dezember 2017 in Auftrag gegeben.

Kurz vor Baubeginn ist nicht zu übersehen, dass die Eiche ihre Lebenskraft merklich verloren hat. Aufgrund beträchtlicher Wachstums- und Stabilitätseinbussen, sichtbarem Schleimfluss im Kronenbereich sowie Bohrmehl am Stammfuss, kommt die Bauherrschaft zum Schluss, dass der Baum gefällt werden muss. Am 14. September 2018 reichte sie deshalb ein Baumgutachten ein.

Die Bauverwaltung gibt ein Fachgutachten und zusätzlich eine Laboranalyse zur Ermittlung der Schaderreger in Auftrag. Das Resultat ist vernichtend. Es zeigt, dass die Degeneration der Stiel-Eiche entweder auf einen Pilzbefall des Spindeligen Rüblings (Collybia fusipes) oder ein Zusammenspiel mehrerer Schadfaktoren, wie Verletzungen, Trockenheit, Hitze, und Schädlinge zurückzuführen ist, erklärt Stefan Braun, Umweltbeauftragter der Stadtverwaltung Kreuzlingen.

Am 13. November 2018 halten Vertreter der Grundeigentümer (Fa. Häberlin AG, Frank Schiltknecht), Stadt Kreuzlingen (Stefan Braun) und Fachgutachter (Fa. BaumArt, Andres Storrer) ein Treffen ab. Festgehalten wird, dass der Krankheitsverlauf nicht prognostizierbar ist, das Bauvorhaben aber eine Genesung fast gänzlich ausschliesst.

Die Eiche ist deshalb am 5. Februar mit einer Verfügung des Stadtrates zur Fällung freigegeben worden. An der gleichen Stelle wird nach den Bauarbeiten eine neue Stiel-Eiche gepflanzt, die wiederum unter Schutz gestellt wird.

Es wird also noch etliche Jahre dauern bis das Eichhörnchen ein neues Zuhause hat.

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