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Energie einsetzen, wo es sich lohnt

Leserbrief – Judith Ricklin aus Kreuzlingen fühlte sich bei der Abstimmung per Namensaufruf zur Lohn-Charta unter Druck gesetzt. Dadurch konnte sie sich nicht mehr wirklich frei entscheiden.

(Bild: pixelio)

Mit einer Petition soll der Stadtrat ermutigt werden, die Lohn-Charta, trotz Ablehnung im Gemeinderat, zu unterschreiben. Viel Energie wurde auch an jener Gemeinderatssitzung aufgewendet, um alle von der Lohn-Charta zu überzeugen. Mit dem Antrag, die Abstimmung per Namensaufruf durchzuführen, war es dann doch zu viel des Guten. Gerne hätte ich zur symbolischen (!) Lohn-Charta «ja» gesagt, doch der Druck, der mit dem Namensaufruf erzeugt wurde, bewirkte bei mir (und ich nehme an auch bei anderen Ratskolleginnen und -kollegen) das Gegenteil, gerade auch, weil ein Mann diesen Antrag stellte. Es fühlte sich ab diesem Zeitpunkt leider wie eine Erpressung/Anprangerung an, welche dann auch gerne von Leserbriefschreibern im Wahlkampf als solche benutzt wurde.

Alle, ja alle sind für gerechte Löhne. Auch die SVP. Ich habe bisher niemanden getroffen, der das Gegenteil behauptet, egal von welcher Partei sie kommen! Doch auch der Grosse Rat hat die «Charta der Lohngleichheit» mit 81 Nein- zu 19 Ja-Stimmen abgelehnt, nicht weil er gegen Lohngerechtigkeit ist, sondern weil es lediglich um «Symbolik» geht. Papier ist tote Materie und bewirkt von alleine – nichts! Es kommt immer darauf an, was die Menschen daraus machen, wie es umgesetzt wird, das ist selbst bei Gesetzen so.

Für die Umsetzung von Lohngleichheit braucht es deswegen nicht mehr Papier, sondern mehr Menschen, welche mit gutem Beispiel vorangehen und – ihre Löhne offenlegen! Wenn das passiert, dann wird es möglich, zu vergleichen und erhöht die Chancen von allen (also nicht nur bei den Frauen) einen angemessenen Lohn zu verhandeln. Hier muss die Energie eingesetzt werden. Alle können mitmachen oder sogar noch mehr: sind in der Verantwortung! Und wer jetzt meint, ich solle mit gutem Beispiel vorangehen, darf ich auf die öffentlich einsehbare Besoldungstabelle vom Amt für Volksschule verweisen, da steht’s schwarz auf weiss. Ich bin Primarlehrerin und seit 25 Jahren im Schuldienst des Kantons Thurgau tätig.

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