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Umweltschutz durch Lichterlöschen

Kreuzlingen – Zum Tag der Astronomie und zur «Earth Hour» des WWF, informierte die Astronomische Vereinigung Kreuzlingen über Lichtverschmutzung. 

Die Besucher können einen perfekten Sternenhimmel in der Live-Show im Planetarium bewundern. (Bild: zvg)

In der ganzen Welt haben am Samstag Städte die Beleuchtung ihrer Wahrzeichen ausgeschaltet, um ein Zeichen für den Umweltschutz zu setzen. Auch Konstanz machte mit und löschte das Licht am Münster. Ein Symbol – Auswirkungen auf die Helligkeit in der Umgebung sind von der Terrasse der Sternwarte nicht zu bemerken. «In der Region Konstanz-Kreuzlingen sieht man mit blossem Auge vielleicht 400 oder 450 Sterne. 4000 könnten es theoretisch sein, wenn ihr Licht nicht von künstlicher Beleuchtung überstrahlt würde.» Christian Schuchter, der Vize-Präsident des Astronomischen Vereinigung, ist dankbar, dass die «Schweizerische Astronomische Gesellschaft» und die deutsche «Vereinigung der Sternenfreunde» das Problem thematisiert hat. Überall in der Schweiz und in Deutschland wird an diesem Tag über zu viel künstliches Licht geredet.

Fatale Auswirkungen
«Im Augenblick wird untersucht, was das falsche Licht zur falschen Zeit bewirkt», so Schuchter. Offenkundig sind Schlafstörungen bei Menschen noch das harmloseste, was es auslösen kann. Migräne, Depressionen, Diabetes und Krebs könnten dadurch begünstigt werden, zitiert der Amateur-Astronom die Forschung. «Ausserdem ziehen hell erleuchtete Städte Insekten aus der Umgebung an, wo sie an Laternen verenden. Zugvögel und frisch geschlüpfte Schildkröten sind irritiert, und Glühwürmchen gibt es kaum noch. Die männlichen Käfer sehen das fluoreszierende Schimmern der Weibchen nicht mehr.» Bei dieser Liste an Schwierigkeiten fällt die Tatsache, dass Sternbeobachtungen nur noch mit aufwändigen Filtern gute Ergebnisse bringen, kaum noch ins Gewicht.

Im Planetarium stört nichts
Die Besucher am Tag der Astronomie können den Anblick des perfekten Sternenhimmels auf jeden Fall in der Live-Show im Planetarium bewundern. Dort simulieren Projektoren den Sternenhimmel an diesem Samstagabend vom Sonnenuntergang um 18.44 Uhr bis zum Sonnenaufgang am Sonntag um 7.10 Uhr unter optimalen Bedingungen. Joseph Stalder zeigt auch diesem Abend – wie so oft in den vergangenen dreissig Jahren – wo welcher Stern, welcher Planet und welcher Mond zu sehen ist. «Die Sterne hier sind schön, aber im Teleskop sind sie viel schöner», gibt er den Interessenten auf den Weg. Naturgemäss schimpft auch er auf die Lichtverschmutzung. «Im Laufe der Jahrzehnte hat das künstliche Licht immer mehr gestört», sagt er. «Eigentlich müsste die Sternwarte viel weiter abseits stehen, aber wir wollen natürlich auch nah an den Menschen sein.» Der Standort der Sternwarte auf dem Seerücken ist bereits ein Kompromiss. «Die meisten Objekte am Himmel, die wir beobachten wollen, liegen in südlicher Richtung», erklärt Christian Schuchter, «Wenn wir die Sternwarte auf dem Bodanrück hätten, würde uns immer das Licht von Konstanz und Kreuzlingen stören.» Durch die Lage am Bodensee verstärkt sich das Problem zusätzlich. Feuchtigkeit, die vom See aufsteigt, streut jeden Lichtstrahl von der Erde – eine leuchtende Glocke trennt die Beobachter vom Himmel.

Gegensteuern wäre einfach
In der direkten Umgebung der Sternwarte hat Kreuzlingen schon einiges gegen Lichtverschmutzung getan. Die modernen Strassenlaternen mit ihren LEDs strahlen nach unten. «Schade, dass die Metallmasten so reflektieren», bemerkt einer der Sternengucker. «Vielleicht könnte man sie einfach dunkel anmalen.» Wie effizient allein schon die richtige Ausrichtung der Strassenbeleuchtung ist, sieht man bei einem Blick nach Norden auf den Konstanzer Stadtteil Paradies. Von oben betrachtet wirkt er dunkel. «Seit dort neue Beleuchtung eingesetzt ist, gibt es wieder Nachtfalter und Fledermäuse», freut sich Christian Schuchter. «Es besteht also Hoffnung, nur geht es sehr langsam voran. Wenn jeder selbst überlegen würde, ob er seinen Garten die ganze Nacht über beleuchtet, ob die Laterne an der Haustür nach oben strahlen muss, dann wäre schnell etwas gewonnen.»

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