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Kreuzlinger Stadthaus-Debakel

Leserbrief – Peter Müller aus Kreuzlingen versteht nicht, warum das Wahlresultat zur Stadthausvorlage nicht genau so übernommen wird, sondern mit Anpassungen Tür und Tor für Einsprachen geöffnet hat.

Lerserbrief (Bild: Archiv)

Am 27.November 2016 stimmte der Kreuzlinger Souverän mit 2068 gegen 2063 Stimmen dem Bau eines neuen Stadthauses auf der Festwiese zu. In unserer Demokratie gilt das, was die Mehrheit beschliesst und sei der Stimmunterschied noch so klein. Nun zeigt sich aber deutlich, dass in der Stadthausvorlage ein dicker Wurm steckt, der das Projekt auf eine endlos lange Wartebank geschoben hat und weiterhin schiebt. Die Länge von 111, 3 Metern, anstelle der erlaubten 50 Meter verletzt eklatant das gültige städtische Baureglement für Bauten und Anlagen in der öffentlichen Zone. Dieser krasse Verstoss der Stadtregierung gegen das eigene Reglement hat Tür und Tor für Einsprachen geöffnet. In einem Artikel der Thurgauer Zeitung vom 14. Juni 2018 erklärte Stadtrat Ernst Zülle denn auch, dass die üblichen Einsprache-Möglichkeiten gegeben sind. Fazit: Niemand weiss gegenwärtig, wie lange das Prozedere zur endgültigen Klärung dauern wird. Und wie diese Klärung letztlich aussieht, weiss man ebenfalls nicht. Hat der Stadtrat eine Variante «B» im Köcher, wenn die Rekurse geschützt werden?

Angesichts der Tatsache, dass der Stadtrat die gesetzten Baurichtlinien missachtet und so die Basis für die unabsehbar lange Bauverzögerung gelegt hat, stellt sich die Frage nach einer Alternative. Ich wünsche dem Stadtrat Mut zu einer Neuorientierung, die perfekt abgestützt ist auf das Baureglement und zum Vornherein möglichen Einsprachen einer Gegnerschaft den Wind aus den Segeln nimmt. Die Realisierung eines Stadthauses weiterhin so vor sich hin dümpeln zu lassen, kann nicht der Weg sein.

 

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2 thoughts on “Kreuzlinger Stadthaus-Debakel

  1. Bruno Neidhart

    Das Haus soll eben an einer Örtlichkeit enstehen, die solche Bauten gar nicht zulässt, Herr Müller. Die Abstimmenden wurden vor der Abstimmung davon nicht informiert. Warum nicht, ist eine entscheidende Frage. Was lief da schief. Selbst die Denkmalbehörde ist darauf reingefallen. Wenn der Kanton dieses Bauwerk dennoch an diesem Standort bewilligen sollte, wäre die Welt nicht mehr zu verstehen. Jeder kleine Kaninchen- oder Güggelistall – um es mal populär auszudrücken -, muss dem Reglement gehorchen.

    Es gibt nur eine saubere und darüber hinaus höchst sinnvolle Lösung: Das neue Stadthaus als bürgerliches Multifunktionshaus an der jetzigen Stelle, also im City-Bereich Hauptstrasse/Ecke Marktstrasse zu planen und zu erstellen. In einer mutigen, ausgesprochen modernen Architektur die entscheidend mithelfen soll, die Hauptstrasse zukunftsgerichtet wieder als attraktive Meile erkennbar zu machen.

    Die letzte grosse Wiese im Kernbereich der Stadtmitte zu überbauen, wäre bereits aus umwelt- und klimapolitischer Sicht ein Unding.
    Man müsste dazu mal die Jugend fragen, die derzeit jeweils am Freitag diesbezüglich unterwegs ist!

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  2. Jörg Stehrenberger

    Das Stadthausprojekt ist ein kränkelndes Pflänzchen mit mehreren Geburtsfehlern, das nur mit langen und teuren Therapien (Bundesgericht) am Leben bleiben kann. Von Demokratie zu sprechen erinnert mich an die „Trump-Mehrheit“. Nein: Die Mehrheit hat nicht immer recht. Die Glaubwürdigkeit der Stadtführung steht auf dem Spiel. Aus der Ferne betrachtet gibt es nur eine Lösung: Zurück auf Start.

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