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Schüler hatten Ruder in der Hand

Kreuzlingen – Die Kanti-Schüler organisierten zum 50. Geburtstag der Kantonsschule eine Podiumsdiskussion mit dem ehemaligen Rektor und Absolventen. Die brisanten Themen, welche die Schüler beschäftigen, wie sind ähnlich sie damals, aber eine neue Herausforderung ist die Digitalisierung.

(v.l.n.r.) Milena Studer, Elia Jung, Ruedi Herzog, Marianne Bommer, René Imesch, Christian Neuweiler, Lukas Kunz und Selina Scherrer.  (Bild: av)

Eingeladen waren Marianne Bommer, ehemalige Absolventin, heute Richterin, René Imesch, ehemaliger Rektor der Kantonsschule Kreuzlingen (KSK), Ruedi Herzog, Rektor der Kantonsschule Romanshorn und Christian Neuweiler, ehemaliger Absolvent und heute Firmenchef. Zum Auftakt des 50-Jahr-Jubiläums der KSK organisierten die Schüler eine Podiumsdiskussion. Vor den rund 40 Besuchern befragten die Schüler die Teilnehmer wie es für sie war in die KSK zu gehen, welche Themen sie beschäftigt haben und wie der Unterricht von morgen aussieht.

Das Fischfutter wird begrüsst

«Wir wurden als Frischlinge bezeichnet und waren von Frühling bis Sommer in der Probezeit», antwortete Bommer auf die Frage, an was sie sich vom ersten Tag an der KSK erinnern kann. Anfangs der 80er Jahre gab es eine Probezeit an der KSK. «Gehen Sie das Fischfutter begrüssen?», wurde dem Rektor Imesch damals nachgerufen. Wie in den meisten Gruppen gab es Aufnahmerituale, so auch in der KSK. «Als der ältere Jahrgang den neuen Schülern befahl, durch den Schlamm zu robben, wurde die Grenze überschritten», sagte Imesch, musste aber trotzdem schmunzeln.

Natürlich wird an der KSK nicht nur Schabernack getrieben. Die Schüler Milena Studer, Elia Jung, Lukas Kunz und Selina Scherrer machen sich auch über den Klimawandel gedanken. Die vier waren die Mutigen, welche die Podiumsdiskussion führten. Damit sie aktiv etwas für ihre Interessen tun können, wie beispielsweise dem Klimawandel, bekämen sie Freistunden, um an den aktuellen Klimademos teilnehmen zu können, so Milena. «Der Englischlehrer hat uns von sich aus vom Unterricht entlassen, damit wir an einer Wahldemo im Jahr 1983 in Bern teilnehmen konnten», erzählte Bommer.

Imesch kämpfte vor 20 Jahren für die KSK um mehr Platz, er gewann mit seinem Team und das C-Gebäude konnte errichtet werden. In diesem Gebäude sind neben Schulzimmern die Laborräume für die Naturwissenschaften, die Bibliothek, die Musikräume und die Turnhalle untergebracht.

Der Druck kommt aus dem Elternhaus

«Schulabgänger können nicht mehr schreiben, aber haben dafür ein sehr logisches Denken», sagte Neuweiler zum heutigen Niveau der Schüler. Da hakte Herzog ein: «Die Anforderungen haben sich verändert, weil die Schüler technische Hilfsmittel haben. Dafür haben sich andere Fähigkeiten weiterentwickelt. Zum Beispiel können sie massiv besser präsentieren als wir früher.» Wahrscheinlich auch aus diesen Gründen sind alle vier Podiumsteilnehmer gegen kürzere Präsenzzeiten der Schüler an der KSK. «Man muss untereinander diskutieren können, um zum Ziel zu gelangen, und den Umgang mit seinen Mitmenschen zu lernen», sagte Herzog. Diese Meinung unterstützt Imesch: «Die KSK soll ein Ausbildungsinstitut mit Menschen bleiben.» Lukas sprach das Thema der Überlastung der Schüler an. Darin waren sich die Teilnehmer einig, dass es nun mal immer wieder Phasen von Überforderung oder Stress gibt. «Der höhere Druck kommt aus dem Elternhaus und hat absurde Züge angenommen», sagte Herzog und kennt dies aus selbst erlebten Situationen. Es gebe Eltern, welche ihre Kinder an der Hand bis ins Zimmer der Aufnahmeprüfung begleiten, so Herzog. Es sollte mehr Vertrauen der Eltern gegenüber ihren Kindern da sein. Sie werden bestimmt den für sie richtigen Weg wählen. Ausserdem sollte der duale Weg der Ausbildung nicht vernachlässigt werden, dieser öffnet viele Türen in der Geschäftswelt, so Neuweiler.

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