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Als die Züge noch Fähre fuhren …

Kreuzlingen – Am 4. und 5. Mai feiern die Schweiz, Deutschland und Österreich das 150-Jahr-Jubiläum der Seelinie und des Trajektverkehrs in sechs Städten rund um den See. In Kreuzlingen dürfen sich die Gäste auf Rundfahrten mit der historischen Fähre «Konstanz» sowie Ausstellungen im Seemuseum und im Modelleisenbahnclub freuen. Sonderzüge, darunter der legendäre Rote Pfeil, verkehren zwischen den Festorten und machen selbstverständlich auch in Kreuzlingen Halt!

Der historische Triebzug absolviert am Jubiläums-Wochenende schöne Publikumsrundfahrten. (Bild: Georg Trüb)

Das waren noch Zeiten: Vor 150 Jahren wurde das erste Stück der Seelinie zwischen Romanshorn und Rorschach Hafen eröffnet und immer weiter ausgebaut. Zum ersten Mal transportierten Fähren Eisenbahnwägen über den Bodensee, um weniger Aufenthalt beim Zoll zu haben als über den Landweg. Damals lohnte sich das noch. Heute gibt es keinen Trajektverkehr mehr, aber mit einem zweitägigen Jubiläumsanlass erinnern die Städte am See an diese wichtige Entwicklung.

«Die Seelinie hat Kreuzlingen und die ganze Region geprägt», sagte Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass anlässlich einer Medienkonferenz im Vereinslokal des Modelleisenbahnclubs. Dort stellten die Verantwortlichen das Programm des Jubiläumswochenendes vor. Pünktlich um 9.30 Uhr wird Raggenbass den Festanlass am Samstag, 4. Mai, im Seemuseum offiziell eröffnen.

Der Ort dafür ist nicht zufällig gewählt: Passend zum internationalen Jubiläum der Seelinie und des Trajektverkehrs eröffnet das Seemuseum an diesem Tag die Ausstellung «Transportweg Bodensee. Lädinen – Dampfschiffe –Trajekt – Autofähre». Für Museumsleiterin Ursula Steinhauser ist es ein ganz spannendes Thema: «Meine Generation kennt das ja nicht mehr, aber meine Grossmutter wusste noch, was Trajektverkehr bedeutet», erzählte sie. Erfunden haben dies die Schotten, und so holten die Verantwortlichen damals einen schottischen Ingenieur an den Bodensee, der die erste Fähre für Eisenbahnwaggons baute. «Sie wurde Kohlenfresser genannt, weil sie so viel Energie benötigte», verriet Steinhauser ein Detail aus der Ausstellung. Die wenig ökonomische, dampfbetriebene Fähre fuhr nur 14 Jahre lang, bevor sie nach einem Maschinenschaden stillgelegt wurde. Später baute man kleinere Schiffe, im 20. Jahrhundert kamen dann Motorschiffe auf. Die Gäste im Seemuseum können die Entwicklung bis zur heutigen Autofähre in der Ausstellung nachverfolgen. «Für mich spannt sich da sogar ein Bogen bis zur heutigen ‹Heute-bestellt-morgen-geliefert-Mentalität›», meint Steinhauser zeitkritisch. «So etwas ist nämlich auch ein ‹Kohlenfresser›».

Für die Museumsleiterin ist die Ausstellung ausserdem aus einem zweiten Grund spannend: Aufgrund der aktuellen Bauarbeiten sind die Exponate im Werkstattgebäude gegenüber des Seemuseums zu bestaunen. Zusätzlich gibt es Stationen im Seeburgpark und das provisorische Museumscafé eröffnet im Wöschhüsli. Die Ausstellung wird bis zum 20. Oktober zu sehen sein und Besucher können sie per digitaler Schnitzeljagd erkunden oder Wissenswertes von den ehrenamtlichen Führern erfahren.

(V.l.) Seemuseumsleiterin Ursula Steinhauser, Stadträtin Dorena Raggenbass und Christin Gräser von Kreuzlingen Tourismus lassen sich vom Vereinspräsidenten des Modelleisenbahnclubs, Michael Giesser, den «Churchill-Pfeil» (siehe oberes Bild) zeigen. (Bild: sb)

Prestige-Zug en miniature
Zurück am Kreuzlinger Hafen, präsentiert der Modelleisenbahnclub Kreuzlingen historisches und modernes Rollmaterial in seinem Clubhaus. Unter anderem rollt auch der Rote Pfeil als Mini-Version über die Gleise. Der legendäre Triebwagen der Schweizerischen Bundesbahnen wurde anlässlich der Landesausstellung 1939 gebaut. Nachdem Winston Churchill im Jahr 1946 als Staatsgast mit dem Roten Pfeil durch die Schweiz gefahren wurde, ist der RAe4/8 1021 auch als «Churchill-Pfeil» bekannt.

Besonders interessant sind auch die alten Dampfloks und die Güterzüge, welche zahlreiche Waren über und an den See transportierten. Lebensmittel aus Italien in einem Kühlwaggon, Anhänger mit Holz und Kohle sowie ganze Traktoren auf einem Wagen sind auf den Gleisen des Modelleisenbahnclubs zu sehen. «Wir wollen die ganze Entwicklung von der Dampflok bis zu den heutigen doppelstöckigen Zügen abbilden», sagte Vereinspräsident Michael Giesser bei der Führung durch die Räumlichkeiten.

Jeden Tag von 10 bis 17 Uhr sind ausserdem weitere historische Gegenstände wie alte Zugbänke oder das original Handrad des Roten Pfeils ausgestellt. Clubmitglieder werden die ankommende Gäste in historischen Uniformen willkommen heissen. Der Eintritt ist kostenlos.

Nicht weit entfernt, bei der Anlegestelle beim Grossschifffahrtshafen, befindet sich der Info-Point von Kreuzlingen Tourismus. Dort gibt es nicht nur das praktische Booklet zum Jubiläum inklusive Fahrplänen, sondern auch die von der Post lancierten Sondermarke «150 Jahre Seelinie» (A-Post) zu kaufen. Kostenlos dazu gibt es für die Gäste eine Postkarte. «Ich freue mich besonders auf die historische Fähre ‹Konstanz›, welche an beiden Tagen stündlich zwischen dem Grossschifffahrtshafen Kreuzlingen und dem Hafen Konstanz pendelt», sagte Christine Gräser von Kreuzlingen Tourismus. Die Fähre fährt erstmals ab 10 Uhr und ist dank der Kooperation mit den Stadtwerken Konstanz kostenlos. Die Fahrten finden aber nur bei guter Witterung statt.

Und wem das noch nicht genügt, der findet in der Alten Badi, beim Mini Golf, in der Seeburg oder im Hotel Kreuzlingen weitere (kulinarische) Angebote.

Grosses Jubiläum
Sämtliche Informationen, wie beispielsweise zur Eventfähre der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) die zwischen Romanshorn, Friedrichshafen, Lindau und Bregenz verkehrt, zu den Thurbo-Sonderfahrten zwischen Romanshorn, Bregenz und Lindau, oder zu den Sonderzügen ab Kreuzlingen nach Rorschach mit dem neuen SBB Fernverkehrs-Doppelstockzug sowie den Festorten und Ticketpreisen sind zu finden unter: www.bodensee-150jahre.comZudem können über die Plattform www.funders.ch/projekte/150-jahre-seelinie-trajekt tolle Pakete für Familie, Freunde oder Firmen gebucht werden. Unter anderem eine Rundfahrt mit dem Roten Doppelpfeil «Churchill» oder eine Fahrt mit einem Thurbo-Lokführer in der S-Bahn Kreuzlingen – Schaffhausen – Kreuzlingen (Reservation notwendig).

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