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Trotz Einschreiten war es zu spät

Kreuzlingen – Während einer Nacht-und-Nebel-Aktion am frühen Morgen wurde eine Buche mitten in einem Wohnquartier in Kreuzlingen gefällt. Trotz Einschreiten der Anwohner war es für den Baum zu spät. Die Stellungnahme des Grundeigentümers liegt der Bauverwaltung Kreuzlingen vor.

Gesunde Buche musste vermutlich für mehr Parkplätze weichen.  (Bild: zvg)

Um 7 Uhr am Mittwoch, 10. April, wurden die Anwohner der Graneggstrasse 9 in Kreuzlingen durch ohrenbetäubenden Motorsägenlärm geweckt. Als sie aus dem Fenster sahen, um der Quelle des Lärms nachzugehen, staunten sie nicht schlecht. Die Fällag AG aus Lindau ZH fällte die mehrere Meter hohe und gesunde Hainbuche. Beatrice Bartl und ihr Nachbar Heinz Peter Strathoff waren entsetzt. «Ich habe sofort der Stadtverwaltung angerufen, aber es war noch niemand erreichbar», sagt Bartl. «Um sich zum Schutz des Baumes vor ihn zu stellen, war es leider bereits zu spät», sagt Strathoff ergänzend.

Nach mehreren Anrufversuchen erreichte Bartl doch noch jemand bei der Stadtverwaltung. Aber vor dem Eintreffen des Umweltbeauftragten der Stadt, zirka um 8 Uhr, lag die Hainbuche bereits auf dem Boden und ihr Holz zu einem grossen Teil bereits verladen auf dem Lastwagen der Firma.

Eigentümer habe es nicht gewusst

Der Umweltbeauftragte mass vor Ort den Stammumfang. Laut dem Ergebnis hätt der Baum nicht gefällt werden dürfen. Gemäss des Baureglements hätte der Grundeigentümer eine Bewilligung bei der Stadtverwaltung einholen sollen.

«Wir haben nicht gewusst, dass dieser Baum nicht ohne Bewilligung gefällt werden darf», erklärt Geschäftsführer Andreas Hess von der Finastra Invest GmbH. Die Firma ist als Grundeigentümerin eingetragen und hat ihren Sitz in Wallisellen ZH. Zur Frage, warum der Baum gefällt wurde, wollte sich Hess nicht äussern. Er will den Entscheid der Bauverwaltung abwarten. «Die Anwohner behindern sich bei den Parkplätzen gegenseitig», erzählt Strathoff und vermutet deshalb, dass der Baum für mehr Parkplätze weichen musste.

Baum muss ersetzt werden

Am Montag, 15. April, ist eine Stellungnahme des Grundeigentümers bei der Bauverwaltung Kreuzlingen eingegangen. Über den Inhalt gibt die Bauverwaltung in einem laufenden Verfahren keine Auskunft. «Für uns ist in solchen Fällen wichtig, dass eine Ersatzpflanzung verfügt wird», sagt Baurat Ernst Zülle, aber es sei noch nichts ausgewertet oder entschieden worden. Wird der Grundbucheigentümer angezeigt, entscheidet die Staatsanwaltschaft über eine allfällige Busse.

«Unternimmt die Stadt nichts, zeige ich den Grundeigentümer selbst an», sagt Strathoff.

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2 thoughts on “Trotz Einschreiten war es zu spät

  1. Lisa Madeleine

    Die Anwohner des Hauses sollten vollste Unterstützung erhalten bei dieser Geschichte. Einen gesunden Baum zu fällen ist ein Unding, diesen aber auch noch ohne Genehmigung und ohne Bekanntmachung an die Anwohner zu fällen, ist eine Straftat. Die Hausverwaltung äußert sich noch nicht mal konkret dazu, warum der Baum gefällt wurde. Sollten dort wie vermutet die neuen Parkplätze entstehen, ist das ein reiner Gewinn für die Hausverwaltung (Höhere Gewinne durch angebotene Wohnungen mit Parkplatz). Diese Gewinne sollten zum Schutz der Umwelt eingezogen werden. In der heutigen Zeit brauchen wir die gesunden Bäume mehr denn je. Der habgierige Mensch schafft es, sich selbst die Luft zum atmen zu nehmen.

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