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Rüstungsfabriken überschatten Bodensee-Idylle

Kreuzlingen/Konstanz – Der Internationale Bodensee-Friedensweg findet morgen wieder einmal in Konstanz und Kreuzlingen statt.

Beim Friedensweg in Bregenz 2018. (Bild: Brönimann)

Den ersten Ostermarsch in Konstanz gab es bereits 1988. Seit 2009 rufen verschiedenste Organisationen und Initiativen aus der österreichischen, deutschen und Schweizer Bodenseeregion zum friedlichen Protest unter dem Namen «Internationaler Bodensee-Friedensweg» auf. Das diesjährige Motto lautet «Von der Rüstungsregion Bodensee zur Friedensregion».

Lilo Rademacher aus Friedrichshafen ist seit 1973 in der Friedensbewegung aktiv. Warum diese Ostermontags-Demo gerade in der Bodenseeregion von so wesentlicher Bedeutung ist, erklärt sie bei der Pressekonferenz zum Friedensweg: «Die Bodenseeregion ist in großem Masse von Rüstungsfirmen bestimmt.»

Europaweit gibt es keine andere Region, die so dicht von Rüstungsfabriken besiedelt ist. Nimmt man alle drei Länder zusammen, kommt man auf 18 Betriebe, darunter ATM in Konstanz und die MOWAG (General Dynamics) in Kreuzlingen. «Wir wollen am Ostermontag aufzeigen, wie notwendig es ist, dass diese Firmen auf zivile Produktion umstellen», sagt Rademacher. Diese Forderung richtet sich nicht nur an die Unternehmen, sondern auch an die Politik. Arne Engeli, im Schweizer Komitee des drei Länder umfassenden Organisationsteams für den Internationalen Bodensee-Friedensweg aktiv, fügt an: «Diese Waffen, die hier produziert werden, werden auch eingesetzt.» Die Ressourcen, welche die Rüstungsproduktion verschlinge, fehlen dem Planeten. «Wenn man diese Dollars für Friedenszwecke verwenden würde, sähe unsere Welt anders aus.»

(V.l.) Organisieren den Friedensweg: Arne Engeli, Helmut Luz, Susanne Dschulnigg und Lilo Rademacher. (Bild: js)

Von Konstanz nach Kreuzlingen
Der Internationale Friedensweg startet dieses Jahr auf der Marktstätte. Die Friedens-Demo steht unter der Schirmherrschaft von OB Uli Burchardt. Im Stadtgarten wird Jürgen Grässlin, der wohl bekannteste Rüstungsgegner Deutschlands, zum Thema «Von Europas dichtester Rüstungsregion zur Friedensregion Bodensee» sprechen.

An der Hafenstrasse entlang führt der Zug bis zum Kreuzlinger Hafen, wo das «Solinetzwerk» aus Rorschach zusammen mit dem Restaurant Alti Badi für Verpflegung sorgt.

Als Rednerinnen für die Schweizer Seite konnte Susanne Dschnulnigg vom Kreuzlinger Komitee drei prominente Rednerinnen gewinnen: Die 88-jährige Louise Schneider begründete die Friedensmärsche in Bern und machte sich den Namen «Spray-Grosi», nachdem sie im April 2017 mit roter Farbe «Kein Geld für Waffen» an die Hauswand der Schweizer Nationalbank sprühte. Ausserdem spricht Annette Willi, Präsidentin und Begründerin Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN Schweiz). 2017 erhielt die Organisation ICAN den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit für den Atomwaffenverbotsvertrag.

Als jüngste, aber lautstarke Aktivistin reist Tamara Funiciello nach Kreuzlingen. Die 28-jährige JUSO-Schweiz-Präsidentin und Vizepräsidentin der SP-Schweiz gilt als überzeugte Sozialistin, Feministin und Antikapitalistin. Sie referieren zu «Stopp der Finanzierung von Waffen durch Schweizer Banken».

Zum Abschluss gegen 14.30 Uhr lädt die Kreuzlinger Musiklehrerin Manuela Eichenlaub zum gemeinsamen Singen von Friedensliedern ein.

Geschrieben von Judith Schuck

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