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Gottlieben bleibt souverän

Gottlieben – Gottlieben will eigenständige politische Gemeinde bleiben, die Fusion mit Tägerwilen ist vom Tisch. Dies beschloss die Gemeindeversammlung am Dienstagabend. Andere Formen der Zusammenarbeit werden jetzt geprüft.

Der neue Gemeinderat: (v.l.) Ursula Gerster, Bruno Schärer (neu), Präsident Paul Keller (neu), Sandro Kappeler (neu) und Roland Hugentobler.  (Bild: sb)

54 Stimmberechtigte erschienen zur Gottlieber Rechnungsgemeinde. Was sich auf den ersten Blick nicht nach viel anhört, ist eine Stimmbeteiligung, von der andere Gemeinden nur träumen dürfen: Im kleinsten Thurgauer Dorf mit 169 Stimmberechtigten betrug diese so knapp ein Drittel.

Mit den Wahlen, der Abstimmung über die Gemeindefusion (wir berichteten) und der Rechnung 2018 standen auch gewichtige Geschäfte auf der Traktandenliste. Roland Hugentobler präsentierte den Jahresabschluss ausführlich und ging besonders auf Posten ein, welche deutlich vom Budget abwichen. So musste die Kanzlei beispielsweise professionellen Support in Anspruch nehmen, um das neue Rechnungslegungsmodell HRM2 zu bewältigen. Dieses Vorgehen schlug unerwartet mit über 14’000 Franken zu Buche. Deutlich mehr Einnahmen gab es beispielsweise bei den Steuern, sowohl bei den juristischen als auch bei den natürlichen Personen.

Leser des Jahres
Bemerkenswerterweise hat Gottlieben ausserdem einen Gönner gefunden. Josef Müller, im Dorf aufgewachsen und schon früh nach Südamerika ausgewandert, hat der Gemeinde in Tranchen rund 100’000 Franken vermacht und auch dem Einwohnerverein gespendet. Über das Geld kann der Gemeinderat nach Gutdünken verfügen, um Projekte für Gottlieben zu finanzieren. Ein Anteil von 25’000 Franken ist an die Produktion der «Gottlieber Nachrichten» zweckgebunden. Diese werden dem Mann seit einigen Jahren regelmässig geschickt und es scheint, als ob das informative Blatt nicht nur im Dorf, sondern auch im Ausland mit viel Begeisterung gelesen wird.

Gesamthaft schrieb die Gemeinde mit Mehraufwand von 5849 Franken eine rote Null. «Erfreulich», kommentierte Hugentobler, war doch ein Minus von gut 209’000 Franken budgetiert. Das gute Ergebnis war auch vor dem Hintergrund der diskutierten Gemeindefusion sehr willkommen, denn Finanzprobleme stellten einen Grund dar, diesen Weg zu prüfen.

Grosser Rückhalt
Das Anliegen wurde aufgrund eines Antrags an der Budgetgemeinde 2017 ausführlich geprüft. Im November 2018 fand dazu eine gut besuchte Info-Veranstaltung statt. Für Paul Keller steht fest: «Es gibt keinen Druck, die Selbstständigkeit aufzugeben – wenn der Finanzhaushalt ausgeglichen ist und wir genug Engagierte für die Behördenarbeit haben.» Dem Antrag des Gemeinderats, selbstständig zu bleiben, gaben die Anwesenden dann auch mit nur zwei Gegenstimmen statt.

Paul Keller und Lisa Raduner. (Bild: sb)

Die Gemeindeversammlung gab ihrer Behörde allerdings auch den Auftrag, neue Formen der Zusammenarbeit zu prüfen, etwa im Bereich Elektrizität mit der Gemeinde Tägerwilen oder der Stadt Kreuzlingen. Umstritten war der Antrag des Gemeinderats, auch mit der Gottlieber Bürgergemeinde Gespräche zu führen. «Absolut überflüssig» nannte etwa Hans Wittich dieses Anliegen. Die Versammlung genehmigte den Antrag aber denkbar knapp mit 23 Ja- bei 22 Nein-Stimmen.

Gottlieben zeigt sich so in personeller wie in finanzieller Hinsicht für die Zukunft gut aufgestellt. Oder in den Worten von Lisa Raduner: «Es gibt wieder etliche junge Leute und junge Familien, die frischen Wind in die Dorfgemeinschaft bringen und bereit sind, sich einzusetzen. Diesen Schwung gilt es zu erhalten.»

Glanzergebnis
Bei den darauffolgenden Wahlen erreichten Paul Keller als Gemeindepräsident und die Gemeinderäte Ursula Gerster, Roland Hugentobler, Sandro Kappler (neu) und Bruno Schärer (neu) allesamt ein Glanzergebnis von 49 oder mehr Stimmen. Die abtretende Gemeindepräsidentin Lisa Raduner leitete an diesem Abend ihre letzte Sitzung. Zwei Jahre lang amtete sie als Gemeinderätin, dann vier Jahre als Präsidentin. Raduner wurde verabschiedet und bedankte sich bei ihren Kollegen und den Einwohnern.

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