/// Rubrik: Region | Topaktuell

Tägerwilen setzt auf Naturrasen

Kreuzlingen – Am 28. Mai entscheiden die Stimmberechtigten erneut über eine positiv abschliessende Jahresrechnung. Das mit mehr Spannung erwartete Traktandum ist jedoch die Sanierung der Fussballplätze. Vom Kunstrasen ist man abgewichen, ein Winternaturrasen ist ökologischer und günstiger.

Ins Tägermoos-Stadion soll kein Plastikrasen. (Bild: sb)

Die Sportanlage des FC Tägerwilen ist ein Sorgenkind. «Sehr schlecht bespielbar», urteilte ein Experte, den die Gemeinde vergangenes Jahr zu Rate zog. Er empfahl die «dringende Sanierung».

Die Spieler des FCT können davon ein Liedchen singen. Bei Regen oder Schnee saugt der Rasen die Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm. Rasennarben reist es heraus, wenn man lossprintet. Dies liegt unter anderem daran, dass die Plätze fast ausschliesslich mit dem falschen Kraut bepflanzt sind: der einjährigen Rispe statt dem erwünschten Deutschen Weidegras. Im Jahresdurchschnitt sind die Plätze mehr als fünf Monate gesperrt.

Zudem ist nicht mehr genügend Platz für die 17 Mannschaften, die aktuell für den FCT antreten. Als die Anlage im Jahr 2000 gebaut wurde, waren es noch zwölf.

Sehnlichst hatte sich der FCT darum einen Kunstrasenplatz gewünscht (wir berichteten). In der Bevölkerung stiess das Projekt aber auf Widerstand. Bevor es also Schiffbruch erleidet, schwenkte der Gemeinderat um. «Auch die missglückte Abstimmung in Kreuzlingen hat unsere Entscheidung beeinflusst. Ich hätte nie gedacht, dass der Kunstrasenplatz beim AS Calcio abgelehnt wird», gestand Gemeindepräsident Markus Thalmann an der Pressekonferenz im Vorfeld der Gemeindeversammlung.

Die vom Gemeinderat ausgearbeitete Alternative ist mit 1,7 Millionen Franken unter der Zwei-Millionen-Grenze geblieben. So kann die Gemeindeversammlung darüber entscheiden. Der Vorteil: Die ganze Anlage inklusive aller Trainingsplätze wird saniert. Nach dem Umbau soll sich die Belegungsdichte der Plätze verdoppeln.

Die Offerte kommt von der Basler Firma Novoter AG. Diese sagte auch zu, die Verantwortlichen zwei Jahre nach Fertigstellung in korrekter Pflege und Unterhalt des Rasens zu unterrichten. «Dazu gehört auch ein gezieltes Trainingsmanagement, welches festlegt, wann wo gespielt werden kann», sagte Thalmann. Für den FCT mit seinen 450 Mitgliedern sei die Sanierung «überlebenswichtig».

Halbe Million Plus
Geld genug für das Projekt ist jedenfalls vorhanden: Eigentlich hatte Finanzchef Thomas Gerwig 2018 mit Minus gerechnet. Weil die Gemeindesteuern aber über eine Million Franken mehr als budgetiert in die Kassen spülten, kann sich das Ergebnis mit rund einer halben Million Franken Plus sehen lassen. Als Grund macht Gerwig das Bevölkerungswachstum und die starke wirtschaftliche Basis der Gemeinde aus. «Aber auch auf Ausgabenseite sieht die Rechnung hervorragend aus», wand er den sparsamen Verwaltungsangestellten ein Kränzchen. Mehrausgaben verursachten die Beiträge an die Langzeitpflege und an die Spitexorganisation. «Die Bevölkerung wird immer älter», erklärte er den Anstieg, «und das verursacht Kosten.»

Share Button

One thought on “Tägerwilen setzt auf Naturrasen

  1. Bruno Neidhart

    „Winterrasen“: Kann man machen! Nur ist der Begriff etwas verwirrend. Am Beispiel des Campus des FC Basel erkennt man die Problematik, tatsächlich „ganzjährig“ Freiluftsport anbieten zu können. Installiert sind dort vier Rasenplätze, davon einer „beheizt“ für den (mehr oder weniger) ganzjährigen Betrieb. Zusätzlich sind aber auch, lese ich, 10’000 Quadratmeter „Kunstrasen“ für den (echten) ganzjährigen Betrieb installiert.

    Besonders für einen kleinen Verein (mit z.B. nur zwei Plätzen) ist ein Kunstrasen eine gute Versicherung, ganzjährig trainieren und spielen zu können. Jeder Naturrasen, wie man den auch nennen mag, braucht je nach Witterungsverhältnissen ab und zu eine Schonzeit, in denen dann das Trainieren und das Spielen reduziert bis verunmöglicht ist.

    Wenn Tägerwilen also einen Rasenplatz möchte (verbraucht übrigens sehr viel Wasser und Pflege), so wäre zusätzlich auch eine Rasenheizung für den Winter sinnvoll, die dann im heissen Sommer gleichzeitig die Rasenkühlung übernehmen könnte (gibt es). Eine echte Alternative zum Kunstrasen entsteht dadurch aber trotz aller Bemühungen nicht. Das ist aus der täglichen Praxis heraus gesichert. Hier muss ein Verein zuerst seine Erfahrungen machen. Ist er mit einem „Winterrasen“ zufrieden, d.h., stimmt die Kapazität der maximal möglichen Beanspruchungsstunden mit der Clubgrösse überein, ist ja vieles o.k.! Bei stärkerer Inanspruchnahme, z.B. durch einen erweiterten aktiven Mitgliederbestand, sehr ungünstigem Wetter, oder nach publikumsintensiven Sonderveranstaltungen, Turnieren, usw., wird es dann rasch kritisch, eine allzeit beanspruchbare Spielfläche zur Verfügung zu haben. Und braucht ein Rasen Pause, sind „naturgemäss“ auch Sportler davon betroffen (besonders auch Jugendliche). Eine andere Rechnung ist nicht auszumachen. Man kann sich also entscheiden.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.