/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Klotzen statt Kleckern? Nein zum neuen Kirchengemeindehaus!

Leserbrief – Günter Härtel aus Kreuzlingen lehnt das Projekt der evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen ab. Er will nicht, dass eine Liegenschaft das kirchliche Leben negativ beeinflusst.

(Bild: pixelio)

«Es ist klar, dass wir Gebäude, Einrichtungen… nicht im bisherigen Umfang unterhalten können…», sagt der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Es ist seine Antwort auf eine Studie, die am 2. Mai 2019 veröffentlicht worden ist. Sie besagt, dass die Kirchen in Deutschland in den nächsten 40 Jahren 60 Prozent ihrer Mitglieder verlieren werden. Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung in der Schweiz ähnlich verlaufen wird, seit vielen Jahren verlieren auch hierzulande die Kirchengemeinden ihre Mitglieder!
In Kreuzlingen soll das Kirchgemeindehaus für fast zehn Millionen Franken erweitert werden. Man fragt sich angesichts der erwarteten Entwicklung, für wen? Man baut ein noch grösseres Kirchengemeindehaus für immer weniger Kirchengemeindemitglieder. Welcher Logik folgt dieses Vorhaben?

Gleichzeitig fehlt das Geld für dieses völlig überzogene Projekt, der grösste Teil muss mit Krediten finanziert werden. Deshalb müssen auch die Steuern um 50 Prozent erhöht werden.
Wem also nützt diese Investition in ein Gebäude, dessen Unterhalt und Amortisierung in den künftigen Jahrzehnten einen Grossteil des Kirchengemeindebudgets verschlingen wird.
Den Funktionsträgern der Kirchengemeinde? Nein, nicht wirklich, sie brauchen dieses Gebäude nicht um ihre Arbeit zu verrichten. Ihre Aufgabe ist das Halten von Gottesdiensten, die Seelsorge, die kirchliche Unterweisung und diakonische Aufgaben. Dafür brauchen sie keine Prachtbauten.

Den Kirchengemeindemitgliedern? Nein, auch denen kommen diese 10 Millionen Investitionen nicht zugute. Im Gegenteil manch einem heutigen Kirchengemeindemitglied wird die Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, mit einer 50 Prozent Steuererhöhung wohl eher noch leichter gemacht. Sinnvoller wäre es doch, die finanziellen Mittel dort zu investieren, wo mit zielgerichteter Kirchenarbeit Menschen vom Evangelium überzeugt, und damit auch neue Kirchengemeindemitglieder gewonnen werden können. Mit einem neuen Gebäude wird niemand zum Glauben bekehrt.

Wem nutzt der Bau des Gebäudes dann? Letztendlich doch nur noch der Wirtschaft, dem Wachstum, dem Bruttosozialprodukt, dem Erhalt von Arbeitsplätzen und vielleicht auch der Eitelkeit einzelner Kirchengemeinderatsmitglieder.

Ist das die Botschaft, welche die Kirchengemeinde in die Welt tragen will? Unterstützung der Wirtschaft statt Unterstützung Bedürftiger?

Weil ich nicht will, dass eine Liegenschaft das kirchliche Leben negativ beeinflusst, lehne ich das Projekt für die Erweiterung des Kirchgemeindehauses in Kreuzlingen ab.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.