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Grenzüberschreitende Fragen

Leserbrief – Matthias Duvenbeck aus Tägerwilen schildert, im Bezug zum Thema Freizügigkeitsabkommen EU-Schweiz, seine Einblicke und Ansichten.

(Bild: archiv)

Dieser Text bezieht sich auf den Leserbrief «Grenzüberschreitende Fragen?».

Das Thema Freizügigkeitsabkommen EU-Schweiz scheint die Gemüter sehr zu erregen. Das ist sicherlich verständlich, da es wie so häufig bei Abkommen Vor- und Nachteile gibt. Wichtig ist dabei, dass sich aus dem Abkommen Vorteile für beide Parteien ergeben, eine Win-Win-Situation. Das ist meiner Ansicht nach in jedem Fall gegeben.

Ich kenne keine Schweizer Unternehmen, die ohne Mitarbeiter und Kollegen aus Deutschland und der EU ihre Arbeit verrichten können, geschweige denn wachsen könnten. Von «Überfall» zu reden ist eine Sprache, die überhaupt nicht in das Szenario passt. Die Zusammenarbeit mit hauptsächlich Deutschen, Italienern und Franzosen in den jeweiligen Sprachgebieten der Schweiz funktioniert meines Wissens in den meisten Unternehmen auch sehr gut, zumindest in unserem Unternehmen ist das der Fall. Ohne den gut ausgebildeten Ingenieuren aus Deutschland wären Entwicklungen in unserem Unternehmen gar nicht mehr möglich. Es gibt für gewisse Positionen keine Bewerber mit Schweizer Staatsangehörigkeit mehr. Die Zusammenarbeit ist hervorragend, geprägt durch Respekt und Toleranz. Die braucht es auf beiden Seiten.

Kein Arbeitsplatz in der Schweiz wird von einem Ausländer weggenommen. Die Realität sieht genau anders aus, und das «Angst-machen» hilft dabei überhaupt nicht. Eine Arbeitslosenquote von 3 Prozent ist als niedrig anzusehen, davon träumen andere europäische Länder. Wenn man den Schweizer Personalunternehmen glauben darf, gibt es in vielen Bereichen offene Stellen, die nicht besetzt werden können.

Und auch in Deutschland, vor allen Dingen in Süd-Baden-Württemberg sind gute Ingenieure rar. Wenn offene Stellen dann noch durch Arbeitslose besetzt werden können, umso besser. Zusätzlich würde man gerne Bewerber aus der Schweiz annehmen, in einigen Fällen funktioniert das ja auch so herum. Nur ist man in Deutschland dankbar um diese Unterstützung. Also, die 200’000 Schweizer sind willkommen! Keiner bekommt deshalb einen Herzinfarkt.

Wenn die Schweizer Stimmbürger der Meinung sind, dass das FZA die Rechte der Schweizer massiv verletzt, dann müssen sie sich bei zukünftigen Wahlentscheidungen entsprechend verhalten. Auch die Schweiz ist ja eine Demokratie und zum Glück werden Entscheide von der Mehrheit gefällt.

Es geht übrigens beim Freizügigkeitsabkommen um ein Abkommen zwischen der Schweiz und der EU, nicht zwischen der Schweiz und Deutschland. Viele Schweizer sind dankbar darüber, denn auch ihnen ist der Weg zur EU offen und gerade für junge Leute bietet dieses Abkommen grosse Chancen.

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Ein Gedanke zu „Grenzüberschreitende Fragen

  1. Ruedi Anderegg

    Wenn ich zurückdenke, was für einen Aufwand ich in den 60-er Jahren hatte, um eine Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung in England und später auch in Frankreich zu erhalten.,so sind die heutigen Verhältnisse direkt paradiesisch!

    Antworten

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