/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

«Wir können unsere Ziele erreichen»

Stadtrat Ernst Zülle vom Departement Bau erklärt im Interview, dass Kreuzlingen bezüglich Energieberatung und Förderung vorbildlich da steht. Im Bereich Gebäudesanierungen könnte aber mehr getan werden. Den Klimanotstand auszurufen hält er persönlich für unnötig.

Am Samstag demonstrierten Jugendliche in Kreuzlingen und Konstanz für mehr Anstrengungen im Klimaschutz. Laut Veranstalter kamen über 1000 Personen, die Polizei sprach von 500.  (Bild: zvg)

Herr Zülle, unsere Nachbarstadt Konstanz hat den Klimanotstand ausgerufen. Wie steht die Stadt Kreuzlingen dazu?

Ernst Zülle: Ich habe den Beschluss gelesen, jedoch konnten wir ihn noch nicht in unseren Gremien beraten. Aus meiner Sicht laufen die Klimaschutzbemühungen, insbesondere Energiesenkungsmassnahmen in unserer Stadt im Gleichschritt mit Konstanz. Sobald sich der Stadtrat mit dem Thema befasst hat, wird er informieren.

Basel war die erste Stadt in der Schweiz. Wäre es denkbar, dass Kreuzlingen nachzieht? Schliesslich wurde am Samstag auch hier am Hafen demonstriert …

Aus meiner Sicht müssen wir nicht den Notstand ausrufen. Wir erreichen unsere Ziele, indem wir unsere Massnahmen im Energierichtplan konsequent umsetzen, aber auch alle Vorgaben, zu denen wir uns als Energiestadt verpflichtet haben.

Stadtrat Ernst Zülle. (Bild: sb)

Aber die Fraktion SP/Juso/Gewerkschaften machte am Donnerstag zusätzlich Dampf mit einer Interpellation …

Der Stadtrat wird die Interpellation «Green Deal für Kreuzlingen» beraten und allfällige Massnahmen wie gefordert prüfen. Die Beantwortung erfolgt innert sechs Monaten durch den Stadtrat. Eine Diskussion darüber wird im Gemeinderat nur dann geführt, wenn dies mindestens zehn Ratsmitglieder verlangen.

Kreuzlingen steht als Energiestadt und mit dem Energierichtplan ja ganz gut da. Wie ist denn der Stand der Dinge bezüglich 2000-Watt-Gesellschaft?

Bei uns zeichnet sich ein ähnliches Bild wie in Konstanz ab. Läuft alles weiter wie bisher, ist die Ziellücke beim CO₂-Absenkpfad offensichtlich. Es muss sicher noch mehr getan werden. Die Sanierung von Energieschleudern wie alten Häusern muss dringend vorangetrieben werden. Mit Beiträgen an die Eigentümer, welche vorbildlich sanieren, werden wir, also Kanton und Gemeinde, Anreize schaffen. Der motorisierte Verkehr muss reduziert werden. Wir müssen Anreize schaffen, um vom motorisierten Individualverkehr auf den ÖV oder das Velo umzusteigen.

Was wird in Kreuzlingen getan, um energieeffizientes Bauen zu fördern?

Als Energiestadt haben wir uns früh verpflichtet, Audits durchzuführen, und haben das klare Ziel, in vier Jahren das Energiestadt-Label Gold zu erlangen. Die Grundeigentümer sensibilisieren wir mit Öffentlichkeitsarbeit, aber auch mit professioneller Beratung durch unseren Energiebeauftragten Gunter Maurer. Für Gesamtsanierungen empfehlen wir, einen GEAK-Plus (Gebäudeenergieausweis mit Sanierungsempfehlungen) zu erstellen. Für die stadteigenen Gebäude wurden grundsätzlich solche GEAKs erstellt und die Sanierungen nach diesen Empfehlungen ausgeführt. Bei städtischen Neubauten wird mindestens Minergie P berücksichtigt.

Konstanz prüft nun, eine Stelle für das Energiemanagement städtischer Gebäude zu schaffen. In Kreuzlingen gibt es bereits einen Energiebeauftragten und bei den Technischen Betrieben einen Projektleiter Energieeffizienz. Sind wir der Nachbarstadt einen Schritt voraus?

Für mich ist dies schwierig zu beurteilen, möchte uns auch nicht mit Konstanz vergleichen. Was ich sicher sagen kann: Was die kantonalen und städtischen Fördermittel sowie die flächendeckende kostenlose Energieberatung in unserer Region betrifft, sind wir sicherlich vorbildlich unterwegs.

Konstanz prüft ausserdem die Stelle eines Mobilitätsmanagers, um den Langsamverkehr zu fördern, bzw. hat schon einen «Radbeauftragten». Wäre so ein «Velo-Anwalt» auch etwas für Kreuzlingen?

Wir haben schon vor drei Jahren ein Langsamverkehrskonzept erarbeitet und setzen dieses fortlaufend um. Bei Strassensanierungen respektive Umgestaltungen werden Massnahmenblätter zur Hand genommen und Verbesserungen umgesetzt. Verschiedene Projekte haben wir zur Förderung beim Bund als Aggloprojekte eingereicht. Wir arbeiten mit Fachverbänden, der Fachstelle Langsamverkehr des Kantons sowie externen Verkehrsexperten zusammen. Auch ist unser Leiter Tiefbau bestens mit der Problematik Langsamverkehr vertraut. Aus diesen Gründen ist eine zusätzliche Stelle «Velo-Anwalt» nicht nötig.  

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