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Backend durch die Nacht

Gottlieben – Für Corinne Buob aus Gottlieben ist backen nicht nur ein Zeitvertreib, sondern eine Passion. Ihre Brote, Torten und Kuchen bäckt sie mit veganen Zutaten. Heute zum Welttag des Backens erzählt sie ihre Back-Geschichte.

Corinne Buob backt mit veganen Zutaten und am liebsten dekoriert sie mit viel Glitzer rosa, wie hier einen Rhabarber-Kuchen für den heutigen Zvieri. (Bild: av)

An die Plätzchen fertig los – heute ist Welttag des Backens. Der Tag entstand 2012 durch eine Gruppe backwütiger Freunde aus Grossbritanien und ging von dort um die Welt. Der 17. Mai wurde ohne jeglichen Grund von den Freunden für den Welttag des Backens auserwählt.

Die 38-jährige Corinne Buob aus Gottlieben backt nicht nur heute Brot, Kuchen oder Torte, sondern für sie ist das Backen eine Passion. «Es gab Zeiten, da wäre es mir nicht in den Sinn gekommen Brot zu kaufen. Auch tägliches Kuchenbacken war normal», sagt Buob. Aber mit fünf Kindern zwischen eineinhalb und 16 Jahren ist dies nicht mehr möglich. Sie nimmt sich aber ihre Backzeit und schwingt den Schneebesen immer noch mehrmals in der Woche. Dank dem sie bei ihrer Mutter mithelfen durfte, hat sie sehr viel gelernt – auch ihre Kinder lässt sie beim Backen mithelfen. Doch etwas ist anders, denn sie ernährt sich seit fast fünf Jahren so gut es geht vegan. Dies bedeutet auch für die Kuchen und Torten, dass sie ohne tierische Zutaten auskommen müssen. «Aus ethischen und gesundheitlichen Gründen habe ich mich dafür entschieden», sagt Buob zu ihrer Einstellung.

Die Familie belächelte ihren Schritt, aber heute geben die meisten Angehörigen zu, dass vegan doch schmeckt. «Für meine Kinder koche ich noch Gerichte mit tierischen Produkten wie Rührei. Wenn wir auswärts essen gehen, was meistens drei Mal die Woche der Fall ist, bestellen sie Fleisch», sagt die Gottlieberin.

Der Fondant hat sie gerettet

Geburtstage werden in der ganzen Familie Buob gross gefeiert. Nebst dem veganen Dessert-Buffet von Corinne Buob gibt es von ihr zu jedem Geburtstagsfest eine Schoggi-Nougat-Torte. «Diese Torte gelingt immer und ist mega fein», sagt sie. Auch in der Gegend ist Buob bekannt, so nahm sie zwischen 2012 und 2016 Torten-Aufträge an. «Dies war eine sehr intensive Zeit. Ich fing an zu backen, nachdem die Kinder im Bett waren, weil ich dazu meine Ruhe brauchte. Die Torten waren dann oft erst gegen 4 Uhr fertig», erinnert sich die 38-Jährige. Sie kreiert die sogenannten Motiv-Torten, welche häufig filigrane Dekorationen haben. «Eines Morgens, als ich eine Zitronentorte ausliefern wollte, sah ich, dass an einer Stelle der Fondant aufgerissen und die Füllung ausgelaufen war», erzählt die fünffache Mutter über eine Panne. Die Torte wurde mit zusätzlichem Fondant gerettet und ausgeliefert.

Übung macht die Meisterin

«Zu Beginn hatte ich Respekt vegan zu backen. Es ging auch immer wieder mal etwas schief und der Kuchen war bröckelig oder schmeckte nicht», sagt Buob. Durch Ausprobieren und Verändern von Rezepten eignete sich Buob das vegane Backen selbst an. Sie holte sich auch Tipps aus Online-Foren und Facebook-Gruppen. Die Leb- und Früchtekuchen, sowie Schoggi-Cookies Rezepte, für die sie schon vor der Ernährungsumstellung den Mixer angeschmissen hat, schrieb sie selbst um. «Nach einiger Zeit lernt man, welches tierische Lebensmittel mit welchem pflanzlichen zu ersetzen ist», sagt Buob. So wird Eischnee zu Kicherschnee (hergestellt aus dem Abtropfwasser der Kichererbsen aus der Büchse) oder es kommt Sprudelwasser mit Stärke anstatt ein aufgeschlagenes Ei für die Luftigkeit in den Kuchen. Aber viele Kuchen kommen ohne tierische Produkte aus – ohne sie ersetzen zu müssen.

Bei so viel Einheizen des Ofens könnte man denken, dass viele der Kuchen übrig bleiben und nicht gerade gesund sind. «Nein, bei einer siebenköpfigen Familie sind die Kuchen und Brote schnell weg. Ausserdem ist das gemeinsame Zvieri für uns ein wichtiger Bestandteil des Tages», sagt sie. Ihr sei es ebenfalls lieber, wenn ihre Kinder ihren Kuchen essen als Kekse aus dem Supermarkt, in denen Haltbarkeitsstoffe enthalten sind. «Bei jedem Rezept reduziere ich den Zucker- und Fett-Anteil», sagt die fünffache Mutter weiter. Als sie begonnen hat, vegan zu backen, war es hier in der Region schwierig, passende Zutaten wie vegane Margarine oder Hafer Milch zu erhalten – in Konstanz hingegen war es einfach und günstig. «Ich achte auf die Nachhaltigkeit der Produkte. In der Schweiz gibt es mittlerweile auch eine sehr grosse Auswahl an veganen Lebensmitteln, aber die meisten sind immer noch eher teuer», sagt sie.

Mit dem Schneebesen schwingen wird sie sicher nie aufhören und freut sich, dass ihre Kinder ebenfalls das Backen für sich entdeckt haben. Einer der Söhne möchte sogar Koch werden. Buob erhofft sich, dass sie wieder täglich backen kann, wenn es die Zeit erlaubt. Denn Backen ist und bleibt ihre Leidenschaft, auch wenn es nur ein Hobby ist.

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