/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Schönheit – Alles nur Schein?

Kreuzlingen – Noch bis am 24. Mai finden an der Kanti Kreuzlingen Sonderwochen statt. Für den ersten Teil durften die Jugendlichen des ersten Schuljahres zwischen diversen Fokuswochen wie Geografie, Schönheit, Mythen, Bandmusik, Politik und einem Business-Rollenspiel wählen. Während der zweiten Woche praktizieren alle vier ersten Klassen diverse Sportaktivitäten. Die Lehrer Sabine Kröber und Marcello Indino gaben der Presse am Dienstagmorgen Einblicke in ihr Tun.

Die Schüler diskutieren über ihre Nutzung von Sozialen Medien. (Bild: Sandro Zoller)

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt der Volksmund. Wissenschaftlich bestätigt ist aber das Bevorzugen von symmetrischen Gesichtern und eine Abneigung gegenüber Merkmalen, die zum Beispiel auf Schwächen hinweisen.

Was ist schön?
Sabine Kröber geht in ihrem Kurs der Frage: «Was ist schön?» auf den Grund. Dies versucht sie mit diversen Herangehensweisen. Am ersten Tag durfte jeder mündlich oder durch Zeichnungen seine subjektive Wahrnehmung von Schönheit darstellen. Danach mussten die Schüler Portraits von sich selbst erstellen. «Dabei ging es weniger darum, wie ein Model auszusehen, sondern mehr um den Ausdruck», fügte Kröber ihrer Kurzzusammenfassung hinzu. Der Auftrag am zweiten Tag beinhaltete das Malen von stehenden und gekrümmten Personen mit Tusche. Durch das Vervielfältigen der immer kleiner werdenden schattenhaften Figuren entsteht die Illusion der Tiefe. Während Kröber ein Beispiel auf das Blatt einer Schülerin malte, erklärte sie, dass dies in der Renaissance Sinnbild für Schönheit war.

Die Frage «Welches Gebäude gefällt euch sehr gut?», nutzte die Lehrerin als Überleitung zur Architektur. Ein Schüler warf «the Shard, London» in die Gesprächsrunde, während andere weniger konkret waren und meinten, dass ihnen einfach Schlösser sehr gut gefallen. Der Hellraumprojektor strahlte ein kunstwerkähnliches Gebäude an die Wand. «Das ist die Fondation Louis Vuitton in Paris. Den dekonstruktivistischen Bau hat Frank Gehry aus Glas, Stahl und Holz gebaut. Das unterdessen fünf Jahre alte Konstrukt, ist in unserer schnelllebigen Zeit auch unter Architekten schon wieder Schnee von gestern. Heute werden andere Bauten als ästhetisch empfunden», kommentierte Kröber das Bild. Sie zeigte ebenfalls die Skizzen dazu und meinte, dass jetzt viele denken, dass die weder schön noch schwer zu machen sind. Viele empfinden die schlichten Aktmalereien von Amedeo Modigliani als schön und dekonstruktivistische Bauten als zu nervös und wenig attraktiv.

Junge Menschen wachsen mit Social Media auf. Welche Rolle nehmen die Applikationen in der Entwicklung ein und wie beeinflussen sie die Vorstellungen und Erwartungen in Bezug auf die Schönheit? Eine andere Gruppe ging genau diesen Fragen nach.

Filterblase in Sozialen Medien
«Könnt ihr mir sagen, welche Sozialen Medien gerade voll im Trend sind?», fragte Marcello Indino die Gruppe. Alle waren sich einig, dass Instagram und Snapchat, in dieser Reihenfolge, momentan sehr «in» sind. Der Lehrer wollte wissen, wer denn noch alles auf Facebook ist. Abgesehen von ihm, hob nur eine Person die Hand. «Schreibt denn überhaupt noch irgendjemand Briefe oder Postkarten?», fragte Indino die Schüler. Das Resultat zauberte ihm Verwunderung ins Gesicht, denn alle meldeten sich.

Auf Anweisung holte die Gruppe ihre Smartphones hervor und schaute nach, wie viele Stunden sie in den Sozialen Medien unterwegs sind. Die Zeiten wurden anonym auf Zettel übertragen und zusammengezählt. Heraus kam ein Konsum von mehr als zwei Stunden pro Tag. «Gerade auf Instagram wird gerne von einer Filterblase geredet. Der User kriegt das zu Gesicht, was seine Meinungen, Erwartungen und ihn selbst bestätigt. Dabei könnte etwas Gegensätzliches viel produktiver sein», sagte Indino. Dadurch werde den Nutzern suggeriert, dass zum Beispiel magere Laufstegmodels das Schönheitsideal verkörpern.

Wirkung verstörender Werbung
Oliviero Toscanis Schockbild, über das verstorbene, sehr untergewichtige Model Isabelle Caro, machte die Runde. «Findet ihr, dass solch eine Kampagne etwas bewegen kann?», fragte Indino die elf Kanti-Schüler. Eine junge Frau meldete sich und meinte, dass ein Bild allein noch kaum etwas bewirkt. An die Aussage knüpften weitere an und fanden, dass bewegte Bilder mit Text effizienter sind. Gerade wenn eine ehemalige Betroffene von ihrem Leidensweg, der Annahme von Hilfe und der Genesung berichtet, kommt das besser bei den Leuten an. Indino fügte hinzu, dass Forschungen zeigen, wie leicht Ältere die Zielgruppe einfacher erreichen und kompetenter wirken.

Die Sonderwoche zum Thema Schönheit soll den Heranwachsenden bewusster machen, dass nicht alles so ist, wie es scheint und Hinterfragen eine Tugend ist.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.