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Aus der «Lehrlingsdelle» gestärkt hervorgehen

Arenenberg – Die Thurgauer Schreiner sind erfolgreich – und haben doch mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. 2018 fiel die Zahl jener, die eine Schreinerlehre anfingen, auf den Tiefststand seit fast 50 Jahren.

Regierungsrat Walter Schönholzer, Verband Schreiner Thurgau VSSM-Präsident Heinz Fehlmann, Gewerbeverbandsvertreterin Brigitte Kaufmann und der Präsident des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister VSSM, Thomas Iten. (Bild: zvg)

An seiner ordentlichen Generalversammlung, welche der Verband Schreiner Thurgau VSSM am Mittwochabend auf dem Arenenberg vor 33 Mitgliedern und etlichen Gästen – darunter auch Regierungsrat Walter Schönholzer -, abhielt, machte Kantonalpräsident Heinz Fehlmann, Müllheim, einige graue Wolken am blauen Thurgauer Schreinerhimmel aus. Die Schreinerbetriebe als solches hätten zwar 2018 ein «gutes Jahr hinter sich» gehabt, laufe doch die Konjunktur «weiterhin auf Hochtouren», und die Unternehmer blickten im Allgemeinen zuversichtlich in die Zukunft. «Wir profitieren weiterhin von den sehr tiefen Zinsen und der gut laufenden Gesamtwirtschaft», so Fehlmann.

Lernende sind immer mehr umkämpft
Sorgen bereitet dem Berufsverband hingegen die Lehrlingszahlen. Erstmals haben im 2018 weniger als 50 Lernende die EFZ-Lehre begonnen. «Trotz Anstrengungen konnten wir den Abwärtstrend leider nicht verhindern», konstatierte Fehlmann. In Zahlen ausgedrückt: die Schreinerlernenden haben zwischen 2007 und 2017 um 23 Prozent abgenommen, nämlich 280 auf 215 Lernende. Dass sind zwar immer noch viel mehr Lernende als sie manch andere Branche ausweisen kann, doch Fehlmann machte unverblümt klar, dass das Pendel möglichst bald in die andere Richtung ausschlagen sollte, denn «ansonsten gäbe es längerfristig Veränderungen bei unseren Kursleitern», so der Präsident. Aktuell sei es leider so, dass im Thurgau nur ganz wenige Berufe – wie die Holzbauer und die Landmaschinenmechaniker – steigende Lehrlingszahlen aufwiesen – und die weiterführenden Schulen.

«Schreinerherbst» wird aktuell überarbeitet
Allerdings tauchte in den letzten Wochen ein Silberstreifen am Horizont auf: «Wie es aussieht, können wir im Sommer die Lehrlings-Scharte von 2018 wieder ausmerzen, haben wir doch bereits heute 48 Lernenden für den Sommer, was darauf schliessen lässt, dass wir am Ende wieder irgendwo im langjährigen Mittel zwischen 55 und 60 Lernenden landen werden», rechnete Fehlmann hoch. Um den Schreinerberuf wieder für die Jugendlichen attraktiver zu machen, sei man aktuell daran, den sogenannten Schreinerherbst – dieser besteht aus der Thurgauer Berufsmesse, dem Schreiner Lehrlingswettbewerb und dem Schreiner Zukunftstag – inhaltlich anzupassen. Erste Änderungen seien schon für den kommenden Herbst zu erwarten.

Beide Optionen noch offenhalten
Unentschieden sei man als Berufsverband nach wie vor in der Frage des zukünftigen Standorts der Schreiner üK-Räume. Egal, ob es am Ende auf einen Erweiterungsbau oder einen Ostschweizer Berufsbildungscampus hinauslaufe – man sei gegenwärtig für alles offen. «Die Idee eines Campus gilt es weiterzuverfolgen. Allerdings erachte ich es als wichtig und richtig, dass nur jene Berufsverbände dort mitmachen, welche auch neue üK-Räumlichkeiten brauchen», so Fehlmann. Für die Schreiner gelte, dass «wir im Gleichschritt wie die Holzbauer laufen, denn wir brauchen beide teilweise die gleichen Maschinen und dieselben üK-Räumlichkeiten», erklärte Fehlmann.

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