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Grossflächige Überschreitung des Feinstaub-Grenzwertes

Thurgau – Die Belastung mit Feinstaub ist in der Ostschweiz immer noch zu hoch. Um die Luftqualität zu verbessern, sind weitere Verbesserungen insbesondere auch bei den Holzfeuerungen in privaten Haushalten notwendig.

Je feiner die Partikel, desto tiefer können sie in die Lungen eindringen. (Bild: Gabi Eder/pixelio.de)

2018 wurde in der Schweiz zusätzlich ein Grenzwert für besonders kleine Feinstaubpartikel in der Luft eingeführt (siehe Box). Diese werden unter dem Namen «PM2.5» zusammengefasst und enthalten alle Partikel, die einen Durchmesser von 2.5 Mikrometer oder weniger haben. Dazu gehören unter anderem auch die krebserregenden Russteilchen aus dem Strassenverkehr und den Holzfeuerungen. Die Resultate der ersten Messungen zeigen, dass im Jahr 2018 bei allen Messstationen der Ostschweiz der Grenzwert für PM2.5 überschritten wurde.

Feinstaub als Gesundheitsrisiko
Der PM2.5-Anteil des Feinstaubs ist besonders schädlich, denn je feiner die Partikel, desto tiefer können sie in die Lungen eindringen. «Sie erreichen sogar die Lungenbläschen. Dort setzen sie sich fest. In der Folge bietet der Körper das Immunsystem auf, um die Eindringlinge wieder loszuwerden», sagt Dominik Noger, Geschäftsleiter OSTLUFT. Das hat gesundheitliche Folgen wie etwa Reizungen und chronische Entzündungen der Atemwege sowie Asthma. Die Partikel können jedoch auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem haben und das Risiko von Herzinfarkt oder Hirnschlag erhöhen. Wegen seiner geringen Grösse können die Partikel sogar via Lungenbläschen in die Blutbahn gelangen mit bislang unbekannten Folgen. Für den Grenzwert orientiert sich die Schweiz an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese legt einen maximalen Jahresmittelwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (μg/m3) fest.

Hohe Belastungen an verkehrsreichen Standorten und Siedlungen
Die Unterschiede der Jahresmittelwerte von PM2.5 an den Ostschweizer Messstandorten sind gering. Mit Werten zwischen 11 und 13 μg/m3 überschreitet die PM2.5-Belastung den Grenzwert. «Aufgrund der gesundheitlichen Relevanz und weil PM2.5 auch häufig Russ beinhaltet sind weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Situation notwendig», sagt Dominik Noger. Zu den Quellen für Feinstaub und Russ zählen vor allem der Strassenverkehr und Holzfeuerungen. Bei letzteren spielen auch private Holzheizungen wie etwa Holzzentralheizungen, Kachelöfen oder Kleinöfen eine grosse Rolle.

Kontrollen und Eigenverantwortung bei Holzfeuerungen
Schon seit Jahren arbeiten die Behörden auf eine Senkung der Feinstaubbelastung hin. Die Einführung von Rauchgasreinigungen bei der Industrie, die Filterpflicht bei grossen Holzfeuerungen oder die Dieselpartikelfilter bei Autos sind nur einige der Massnahmen. Um auch die Konzentration der besonders kleinen Partikel wie PM2.5 weiter zu senken, wurde letztes Jahr die Luftreinhalte-Verordnung revidiert. Zu den gesetzlichen Neuerungen zählt unter anderem die Messpflicht für Holzzentralheizungen. Ist der Schadstoffausstoss zu hoch, muss der Heizkessel saniert respektive ersetzt werden. «Das reicht jedoch nicht. Bei den unzähligen Kleinfeuerungen gibt es keine Messpflicht. Dort sind wir primär auf die Eigenverantwortung der Besitzer angewiesen. Denn wie man feuert, hat einen erheblichen Einfluss auf die Emissionen», betont Dominik Noger. Dazu haben die Ostschweizer Kantone eine Info-Broschüre herausgebracht (siehe unten).

Hilfe beim Autokauf
Ebenfalls förderlich für die Luftqualität dürfte die anstehende Einführung der neuen Abgasnorm «Euro 6d-TEMP» im September dieses Jahres sein. «Anders als bei der Euro 6 Norm ist bei Euro 6d-TEMP die legale Schummelei nicht mehr möglich. Hier werden die Emissionen auch im Realbetrieb überprüft. Beim Autokauf ist also auf diese Norm zu achten», sagt Dominik Noger. Autokäufer können die Listen mit den entsprechenden Fahrzeugen auf den Webseiten der Verkehrsverbände einsehen.

Link zur Liste mit Fahrzeugen, die der neuen Abgasnorm entsprechen:
tcs.ch/de/testberichte-ratgeber/ratgeber/umweltmobilitaet/norm-euro-6d.php

Neue Grenzwerte für PM2.5
Feinstaub wird in der Schweiz seit rund 20 Jahren gemessen. Bislang wurde durch das Schweizer Gesetz jedoch Feinstaub PM10 ohne Unterscheidung zwischen den grösseren und den kleineren Partikeln erfasst. Zum PM10 zählen alle Partikel mit einem Durchmesser von 10 Mikrometern und kleiner. Die kleineren Partikel mit einem Durchmesser von 2.5 Mikrometern und kleiner werden unter PM2.5 zusammengefasst.

Die Schweiz hat 2018 von der Weltgesundheitsorganisation WHO den Grenzwert für PM2.5 übernommen. Dieser ist strenger als der von PM10. Das entspricht auch der heutigen medizinischen Erkenntnis, dass kleinere Teilchen sich stärker auf die Gesundheit auswirken.

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