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Von Honolulu ins Engadin

Kreuzlingen/Graubünden – Trotz Nebensaison sind auch in der vergangenen Woche unzählige Menschen vom Bahnhof Morteratsch zur Gletscherzunge unterwegs. Unter anderem auch 17 Studierende der Pädagogischen Hochschule Thurgau, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer hatten die Möglichkeit von Dr. Felix Keller von der Academia Engiadina eine Führung zum Thema Wetterbeobachtungen und Klimawandel zu bekommen.

An dem zurückliegenden Wochenende führte der Glaziologe Felix Keller Studierende aus Hawaii, Irland, Israel zusammen mit weiteren Studierenden aus dem Thurgau zum Morteratsch Gletscher. Unterstützt von der Movetia, der Schweizer Agentur für Austausch und Mobilität, hat die Pädagogische Hochschule Thurgau ein Projekt mit der Partnerhochschule aus Hawaii, der University of Hawai’i at Manoa (UHM), entwickelt. «Die Durchführung des Projektes ermöglicht es pro Jahr jeweils zehn Thurgauer und hawaiianischen Studierenden Module zum Projektthema an ihrer Heimatinstitution zu belegen und zudem einen mehrwöchigen Austausch beim jeweiligen anderen Partner zu absolvieren», so Prof. Dr. Christina Colberg, die Projektverantwortliche aus dem Thurgau. «Das Hauptziel dabei ist es, dass die Teilnehmenden lernen, globale Zusammenhänge und gegenseitige Abhängigkeiten zu verstehen», so Colberg weiter. Seit 2004 besteht auch die intensive Zusammenarbeit mit der PH Graubünden. «Die Zusammenarbeit ist eine Erfolgsgeschichte», schwärmt Keller, der Lehraufträge für beide Hochschulen ausführt. Die durchgeführte Studienwoche ist aber ausschliesslich ein Angebot der PH Thurgau.

Durch Erlebnis zu Bildung
Im Rahmen der Studienwoche konnten die angehenden Primarlehrpersonen eines der ausgeschriebenen Angebote wählen. Weitere Themen waren unter anderem Lernort Bauernhof, Tierhaltung und Schulgarten, sowie Angewandte Steinzeit. Nicht zuletzt durch die andauernden weltweiten Klimastreiks verwundert es nicht, dass das Angebot zum Klimawandel auf reges Interesse stiess. «Wir sind bereits sechs Uhr morgens im Thurgau abgefahren», berichtet die 23- jährige Katharina aus Kreuzlingen. Im Rucksack trägt Keller seine «Power Point Präsentation» mit sich. Statt mit Beamer und Laptop im Vorlesungsraum zeigt er an den einzelnen Posten grossausgedruckte Papierblätter mit Diagrammen, Fotos und Informationen rund ums Thema Gletscher und Klimawandel. Immer wieder macht er deutlich, dass es im Bildungsbereich, vor allen in den Schulen, um das Erleben geht. «Das Erlebnis bleibt in der Erinnerung. Das Erlebnis schafft Begeisterung und damit Motivation zum Handeln», erklärt Keller. Ein weisser Luftballon dient ihm dann als Gletschermodell. Er bläst ihn auf, damit «nährt der seinen Gletscher» und das Entweichen der Luft simuliert das Schmelzen. «Das versteht auch ein Primarschüler, oder?» fragt Keller nach und erntet zustimmendes Kopfnicken. Noch nicht einmal angekommen bei der Gletscherzunge zeigen sich die Studentinnen und Studenten begeistert vom «Erleben in der Natur». Diese Gletscherlandschaft sei einmalig, ist immer wieder unter den Teilnehmenden zu hören. Corinna, 23 Jahre jung, überlegt bereits, wie sie das heute Erlebte in den Unterricht einbauen kann. Schliesslich gilt es keine Zeit zu verlieren. Ab August steht sie bereits vor den Primarschülern.

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