/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Made in Dagenham

Kreuzlingen – Der Film basiert weitgehend auf Tatsachen und schildert das Lebensgefühl in Dagenham, jenem Londoner Vorort, der seinerzeit von Ford geprägt wurde wie Wolfsburg vom VW-Konzern: eine Stadt, in der sich alles um die Autoproduktion dreht und wo jeder und jede irgendwie mit der Fabrik in Verbindung steht. Es ist die Ära der Swinging Sixties mit schriller Mode, fröhlicher Popmusik und wachsender Liberalität.

Ein sozialpolitischer Film mit historischem Hintergrund. (Bild: zvg)

Beim Autohersteller Ford arbeiten 1968 fast ausschliesslich Männer, weltweit über 40’000. Doch als die 187 Frauen, die in der Fabrik im englischen Dagenham für die Hälfte des Männerlohns Polster für die Autos herstellen, einen beherzten Streik beginnen, um für mehr Lohn zu protestieren, bringen sie die riesige Maschinerie zum Stillstand – und schaffen es, dass Ford zwei Jahre später international zum Vorbild für Lohngleichheit wird.

Wenn Rita (Sally Hawkins) und ihre Kolleginnen im britischen Ford-Werk Dagenham häufig nur in Unterwäsche bekleidet arbeiten, hat das selbst Ende der 60er wenig mit der anrollenden Sexwelle zu tun, sondern vielmehr mit der unerträglich heißen und stickigen Luft in der Fabrikhalle. Bald platzt den Arbeiterinnen endgültig der Kragen. Angeführt von der beherzten Rita treten die Frauen in Streik: bessere Arbeitsbedingungen und «equal pay» – gleicher Lohn für gleiche Arbeit – so ihre simplen, aber prägnanten Forderungen. Doch von der Konzernleitung und bald auch ihren Ehemännern schlägt den Frauen heftiger Widerstand entgegen. Da trifft von unerwarteter Seite Schützenhilfe ein!

Nigel Cole (Kalender Girls 2003) zeigt in seinem humorvollen Film einen historischen Arbeitskampf, ohne dabei die Schattenseiten (vor allem die Auswirkungen auf die Familien) auszusparen und ihn andererseits unnötig zu dramatisieren. Themen wie Zivilcourage, Solidarität, politisches Engagement bzw. der Kampf um die Gleichberechtigung bieten viele Anknüpfungsmöglichkeiten zur Diskussion. Größere politische Zusammenhänge, etwa die Verbindungen der Gewerkschafter mit Firmenbossen beziehungsweise dem Staat (in Form der politischen Parteien und der Regierung) werden gut verständlich dargestellt. Neben dem Inhalt machen die hervorragende Ausstattung, die mitreißend spielenden Darsteller/innen sowie die Abrundung des Films mit aktuellen Interviews der damals engagierten Frauen den Film auch für junge Menschen interessant. Er macht außerdem deutlich, dass manche der damals verhandelten Probleme bis heute nicht endgültig zufriedenstellend gelöst werden konnten. Er zeigt weiter, wie schwierig es sein kann, an sich sinnvolle und nur gerechte Ziele in die Praxis umzusetzen. Es wird auch klar, dass sich politisches Engagement unbedingt auszahlt, auch wenn es sich bis ins Private hinein auswirkt.

Der im deutschsprachigen Raum verwendete Titel We want Sex resultiert aus einer Szene des Films, in der die demonstrierenden Frauen ein Spruchband mit der Aufschrift «We want sex equality!» (Wir wollen Geschlechtergleichheit!) nicht vollständig ausbreiten und nur der Teil «We want sex» (Wir wollen Sex) zu sehen ist, was bei Passanten und vorbeikommenden Schülern für Belustigung sorgt und zudem von der Ministerin mit einem Grinsen beobachtet wird. «Empfehlenswert als sozialpolitischer Film mit historischem Hintergrund ab 12 Jahren»

GB 2010 | 113 Min. | Drama, Historienfilm, Komödie | ab 12 Jahren
Regie: Nigel Cole
Mit: Sally Hawkins, Bob Hoskins, Miranda Richardson und viele mehr

Ort: Kult-X, Hafenstrasse 8, Kreuzlingen
Datum: Freitag, 14. Juni
Zeit: 20 Uhr
Die Bar öffnet um 19 Uhr
Eintritt frei

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