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Eindeutiges Ja zum Naturrasen

Tägerwilen – Fussballplatz-Experte Eric Hardmann war extra aus Basel angereist, um den Tägerwiler Stimmberechtigten Infos über die geplante Sanierung der Sportanlagen zu geben. Sein Vortrag schloss mit dem Slogan «Geben Sie der Natur, unserer Umwelt und der nächsten Generation eine nachhaltige Chance!» Diesem Aufruf folgten die Anwesenden gerne und verabschiedeten das lang diskutierte 1,7 Millionen Franken Projekt mit 149 Ja- und 24 Nein-Stimmen.

Aufgrund der neuen Gemeindeordnung dürfen auch Jugendliche und Ausländer an der Gemeindeversammlung teilnehmen, allerdings nicht mitentscheiden. Alle Stimmberechtigten erhalten deswegen Stimmkarten.  (Bilder: sb)

176 Stimmberechtigte kamen am Dienstagabend in die Bürgerhalle. Das entspricht einer Stimmbeteiligung von 7,3 Prozent, wie Gemeindepräsident Markus Thalmann am Anfang mitteilte. Aus der Tagesordnung gestrichen wurde zunächst die geplante Überführung des Landerwerbs über 635’232 Franken der Liegenschaft Nr. 356 vom Landkreditkonto ins Finanzvermögen. «Bis nicht klar ist, für welchen Zweck wir das Land verwenden, bleibt es im Landkreditkonto», sagte Thalmann.

«Ein aufmerksamer Bürger hat uns darauf hingewiesen, dass die Publikationspflicht per Reglement über den Landkaufkredit vorgeschrieben sei und beim vorliegenden Geschäft nicht erfüllt wurde», erläuterte Gemeinderätin Brigitte Seger einen Grund für die Streichung. Das habe man auch bei anderen Käufen nicht gemacht. Des Weiteren habe der aufmerksame Bürger auf die fehlende Möglichkeit eines fakultativen Referendums hingewiesen. Dieses sei aber schon 1986 aus dem Reglement gekippt worden, wie Nachforschungen ergaben, so Seger. Leider sei es im Reglement über den Landkaufkredit immer noch vorgeschrieben. «33 Jahre hat das niemand bemerkt. Wir passen das Reglement entsprechend an», versprach die Gemeinderätin. Zu gegebener Zeit soll die Gemeindeversammlung dann darüber entscheiden.

Die Rechnungen der Gemeinde, des Wasser- und Elektrizitätswerks und des Wärmeverbundes winkten die Anwesenden nach detaillierten Erläuterungen von Finanzchef Thomas Gerwig ohne Gegenstimmen durch.

Eric Hardmann von der Basler Firma Novoter AG informierte zur Sanierung.

Fussballplätze wurden heiss diskutiert
Meist diskutierter Programmpunkt des Abends war die Sanierung der Fussballplätze im Tägermoos. Gemeindepräsident Thalmann informierte über die lange Geschichte der Sportanlage. Wegen der Neutrassierung der Bahngleise finanzierte die Mittelthurgaubahn ab 1998 die Umlegung der Plätze. Beim Bau des Clubhauses leisteten die FCT-Mitglieder viel Eigenarbeit. Dann kaufte die Gemeinde die Anlage. «Für 700’000 Franken haben wir eine Anlage im Wert von drei Millionen Franken erhalten, das darf ruhig mal wieder gesagt werden», bilanzierte Thalmann. Die Einweihung fand im Jahr 2000 statt. Seitdem ist mit der Bevölkerung auch die Anzahl der Mitglieder im FC Tägerwilen angestiegen, der Platz reicht nicht mehr aus.

«Es liegt an Baufehlern aus dem Jahre 1998, nicht an falschen Pflegemassnahmen, dass die Plätze fast das halbe Jahr über nicht bespielbar sind», machte Eric Hardmann von der Firma Novoter AG aus Basel den Anwesenden klar. Er wird die Sanierung im Auftrag der Gemeinde planen und hat Erfahrung mit solchen Projekten: «Etwa 75 dieser Winternaturrasenplätze gibt es in der Schweiz und Süddeutschland. In Basel haben wir fast nur solche.»

Keine weitere Kostensteigerung
Hardmann konnte deswegen garantieren, dass die jährlichen Unterhaltskosten – welche um rund 50’000 Franken höher sind als zuvor – nicht weiter steigen. Auch die Befürchtungen, unerwünschtes Rispengrass könnte wieder keimen, konnte er zerstreuen. Das wenig tief wurzelnde Rispengras ist hauptverantwortlich für die schlechte Qualität des Rasens im Tägermoos-Stadion.

Finanzchef Gerwig betonte nochmals den Vorteil des Winternaturrasens gegenüber einem Kunstrasenfeld: «Alle Felder der Anlage werden jetzt saniert, nicht nur eines», sagte er. FCT-Interimspräsident wies darauf hin, dass sich mit der sanierten Anlage die Nutzungszeit verdoppelt, weswegen Hallenplätze frei werden. «Wir haben uns Winternaturrasenplätze im In- und Ausland angeschaut», sagte er. «Das ist für jedes Fussballerherz ein Traum.»

Nach intensiver Diskussion sprachen sich die Anwesenden in geheimer Abstimmung sehr deutlich für das Projekt aus: 149 Ja- und 24 Nein-Stimmen landeten in der Urne.

Kritiker überzeugt
Hans Riethmann, grösster Kritiker des abgelehnten Kunstrasenfeldes, dankte den Stimmberechtigten für ihre Entscheidung. Er liess aber auch wissen, dass es in seinen Augen ein harter Kampf gewesen sei und prangerte das sperrige Verhalten des Gemeinderats und insbesondere des Gemeindepräsidenten an. Riethmann zitierte aus seinem Mailverkehr und rief den öffentlichen Schlagabtausch in der Tägerwiler Post in Erinnerung. Seiner Meinung nach seien hier Grenzen überschritten worden und eine Entschuldigung fällig.

Gemeindepräsident Markus Thalmann (r.) verabschiedete Brigitte Seger und Kurt Frauenfelder aus dem Gemeinderat.

Riethmann regte noch an, künftig mehr dem Tierschutz zu spenden, angesichts der Tatsache, dass Gottlieben und das Kemmental ihre Beiträge jüngst gestrichen hätten.

Auch Bio-Bauer Christian Schwarz meldet sich wegen Artikeln in der Tägerwiler Post zu Wort, bewies aber guten Humor: Auf seiner Jacke prangte die Aufschrift «Freistaat Pfaffenbüel». Selbst Gemeindepräsident Thalmann nahm Bezug auf einen Leserbrief, der harsche und in den Augen der Behörde unberechtigte Kritik am Baubewilligungsverfahren übte. «Wir entscheiden aufgrund des Baugesetzes und können Privaten nicht einfach verbieten, zu bauen», stellte er klar.

Zwei Verabschiedungen
Im Anschluss wurden Brigitte Seger und Kurt Frauenfelder aus dem Tägerwiler Gemeinderat verabschiedet. Seger war 16 Jahre Mitglied der Dorfregierung, Frauenfelder zwölf Jahre. Beiden wurde für ihre umfangreichen Leistungen gedankt und das Erreichte gewürdigt. Brigitte Seger wird als Initiantin des Senioren-Anlasses «60plus» aber weiterhin aktiv sein. S. Böker

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Ein Gedanke zu „Eindeutiges Ja zum Naturrasen

  1. Bruno Neidhart

    Selbstverständlich weiss auch Chef Hardmann von Novoter AG die Vorteile des heute weltweit verbreiteten Kunstrasens zu schätzen, bietet für die sorgfältige, umweltfreundliche Pflege daher auch gleich die entsprechenden Geräte an. Er kam jedoch nach Tägerwilen, um der Gemeinde den gewünschten Naturrrasen zu verkaufen. Sein: „Geben Sie der Natur, unserer Umwelt und der nächsten Generation eine nachhaltige Chance!“ könnte suggerieren, dass Tägerwilen die Rettung der Welt einzuläuten hätte. Wäre etwas hochgegriffen. Alle Spielfeldanbieter müssten sich konsequenterweise von Kunstrasenfeldern verabschieden, um die Welt retten zu wollen. Doch „Business as usual“.

    Nun haben sich 7,3 Prozent der Stimmberechtigten für das entscheiden können, was der Intention von Gemeide und Club zu entsprechen vermag. Das Resultat ist eindeutig. Und so ist zu wünschen, dass eine schöne neue Anlag entsteht, gleichzeitig die ältere top aufbereitet wird, so dass dereinst so viel trainiert und gespielt werden kann, dass alle zufrieden sind. Auch ohne über ein modernes, trendiges Spielfeld verfügen zu können. Geht selbstverständlich. Und der FC Tägerwilen wird wohl nicht die Champions League verpassen, nur weil der diesjährige Gewinner Liverpool F.C. auf seiner Fussball-Akademie-Anlage auf Kunstrasen üben und spielen lässt……..

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